Interview
Abfahrer Ralph Weber nach dem zehnten Rang in Wengen und vor dem Klassiker in Kitzbühel: «Ich will mit einem Lächeln über den Zielschuss der Streif fahren.»

In Wengen hat Ralph Weber mit dem zehnten Platz in der Abfahrt den Lohn für viele Entbehrungen erhalten. Er holte am Lauberhorn die ersten Weltcuppunkte in der Abfahrt seit fast drei Jahren. Am Dienstag reiste der 26-jährige Gossauer nach Kitzbühel, wo es am Samstag auf die berühmte Streif geht.

Interview: Daniel Good
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Ralph Weber rast am Lauberhorn auf den zehnten Platz in der Abfahrt.

Ralph Weber rast am Lauberhorn auf den zehnten Platz in der Abfahrt.

Anthony Anex/KEYSTONE

Weshalb waren Sie in Wengen so schnell?

Ralph Weber: In der Kombinationsabfahrt lief es mir nicht nach Wunsch. Einige Passagen gelangen mir, andere nicht. Ich analysierte das Rennen eingehend und wusste, wie ich fahren musste. Zum Glück konnte ich die Erkenntnisse aus der Kombinationsabfahrt einen Tag später umsetzen. Es war wunderschön, als ich auf der Anzeigetafel sah, dass ich schnell war und die Zuschauer mich feierten. Es war ja oft schon anders in meiner Karriere.

Nun geht es nach Kitzbühel. Wie kommen Sie auf der schwierigen Streif zurecht?

Eigentlich ganz gut. In meinen ersten fünf Rennen in Kitzbühel gewann ich immer Weltcuppunkte. Es ist eine Piste, auf der auch Improvisation gefragt ist. Das liegt mir. Man muss und kann nicht millimetergenau auf der Ideallinie fahren. Plötzlich bist du zwei Meter weiter unten als geplant. Dann musst du in Sekundenbruchteilen die richtigen Massnahmen ergreifen.

Ihr Start in Kitzbühel stand aber auf der Kippe.

Genau. Wir überlegten uns, ob ich anstatt auf der Streif im Europacup starten sollte. Denn im Europacup bin ich in der Gesamtwertung weit vorne klassiert und könnte mir einen fixen Startplatz im Weltcup für die kommende Saison sichern. Aber ich entschied mich für Kitzbühel. Für Emotionen statt Sicherheitsdenken. Und im Europacup hätte ich auch ausscheiden können. Dann hätte ich eine doppelte Chance vertan.

Der 26-jährige Gossauer Ralph Weber vor dem Saisonstart im Herbst 2019

Der 26-jährige Gossauer Ralph Weber vor dem Saisonstart im Herbst 2019

Michel Canonica

Was nehmen Sie sich in dieser Woche vor?

Rangziele nenne ich nicht gerne. Ich will mit einem Lächeln über den Zielschuss fahren. Nach dem ersten Training, weil ich es heil überstanden habe. Nach dem Rennen, weil mir wieder ein gutes Resultat geglückt ist.

Bestreiten Sie in Kitzbühel auch den Super-G?

Das steht noch nicht fest. Weil Marco Odermatt nach seiner Knieverletzung nicht fährt, wäre ein Startplatz im Schweizer Kontingent frei. Ich will mich mit einem guten ersten Abfahrtstraining aufdrängen.