Zuverlässig, loyal und humorvoll:
Ein passionierter Velofahrer kümmert sich in Gossau um die Flüchtlinge

Der neue Gossauer Integrationsbeauftragte Roman Caduff setzte sich gegen 50 Bewerberinnen und Bewerber durch. Die Erwartungen an ihn sind gross.

Melissa Müller
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Um in einem Land anzukommen, spielt auch die Freizeitgestaltung eine Rolle. (Bild: Keystone/Urs Flueeler)

Um in einem Land anzukommen, spielt auch die Freizeitgestaltung eine Rolle.
(Bild: Keystone/Urs Flueeler)

Über 50 Kandidatinnen und Kandidaten bewarben sich um die neu geschaffene 60-Prozent-Stelle des Integrationsbeauftragten. Das Rennen machte der 52-jährige Roman Caduff aus St.Gallen. Ab August wird er bei der Stadt Gossau loslegen. «Caduff hat tadellose Referenzen und bereits Integrationsprojekte in Deutschland geleitet», sagt Stadträtin Helen Alder. Ihr war es wichtig, dass der «Neue» Erfahrung im Asylbereich mitbringt. Weitere Auskünfte über den neuen Mitarbeiter will die Stadt Gossau erst nach einer Einarbeitungszeit erteilen.

«Unaufgeregt, gelassen 
und zielstrebig»

Roman Caduff hat die Aufgabe, bestehende Angebote zu koordinieren und für eine gute Information zu sorgen. «Auch die Integration von Migranten und sozial schwächeren Personen ist uns ein Anliegen», sagt Helen Alder. Falls er Lücken finden sollte, soll er neue Angebote anstossen.

Dass er das kann, hat der Sozialarbeiter als Mitglied der Geschäftsleitung beim Verein Tipiti bereits unter Beweis gestellt. In Trogen kümmerte er sich ein Jahr lang um 33 unbegleitete minderjährige Asylsuchende, die er an Gastfamilien und Jugendwohngruppen vermittelte. «Roman Caduff ist absolut verlässlich, loyal und humorvoll. Und ein angefresser Rennvelofahrer», sagt Stefan Gander, der mit ihm in der Geschäftsleitung von Tipiti zusammenarbeitete.

Roman Caduff, 52, wohnt in St.Gallen. (Bild: PD)

Roman Caduff, 52, wohnt in St.Gallen. (Bild: PD)

Caduff habe die Jugendlichen in ihrer schwierigen Situation abgeholt, sie ernst genommen, ihnen aber auch Grenzen gesetzt und sie mit der Realität konfrontiert. «Sie haben die gleichen Sorgen wie andere Pubertierende auch: Liebeskummer, wenig Geld, vielleicht mal ein Ladendiebstahl», sagt Gander. Caduff passe sich schnell neuen Situationen an, interveniere bei Konflikten und entwickle in Kontakt mit Ärzten und Behörden gute Lösungen, die er «auf unaufgeregte Art, gelassen und zielstrebig» umsetze.

In Gossau leben zur Zeit 153 Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich, die in 16 Unterkünften untergebracht sich. Mehrheitlich junge Männer und Familien aus über zehn Ländern; die meisten aus Eritrea, Afghanistan und Syrien. Viele sind aus Kriegsgebieten geflüchtet. «Eine Herausforderung», sagt Helen Adler. Es reiche nicht, nur Grundbedürfnisse wie Nahrung und Wohnen zu decken. Es brauche auch Sprachkurse, Arbeit und das Vermitteln, wie die Schweizerinnen und Schweizer ticken.

«Für viele Migranten ist es ungewohnt, dass es in unserem politischen System so viele Mitsprachemöglichkeiten gibt.»

Sie sollen auch über Angebote wie Spielgruppen informiert werden.

«Arbeitsplätze suchen, fordert uns am meisten»

Fachstellen und Freiwillige bieten bereits eine Fülle von Angeboten. Eine besonders wichtige Rolle nimmt der Gossauer Verein Friedegg-Treff ein. Er organisiert eine Lebensmittelabgabe für Bedürftige, Hilfe für Flüchtlinge, das Trauercafé oder einen Second-Hand-Shop. Im Friedegg-Treff engagieren sich 110 Freiwillige – viele frisch Pensionierte, tendenziell etwas mehr Frauen – die den neuen Ankömmlingen Deutsch beibringen, ihnen aber auch beim Briefeschreiben oder beim Ausfüllen der Steuererklärung helfen.

Stefan Häseli, Präsident des Friedegg-Treffs, begrüsst es, dass die Stadt die Stelle des Integrationsbeauftragten schafft: 

«Er wird für uns ein wichtiger Ansprechpartner.»

Arbeits- und Ausbildungsplätze seien für junge Flüchtlinge mit Bleiberecht etwas vom Wichtigsten. «Das fordert uns am meisten», sagt Häseli. Am ehesten fänden die Flüchtlinge eine Beschäftigung in der Pflege oder in Handwerksbetrieben.

Vereine spielen ­Schlüsselrolle

Was die Freizeitgestaltung anbelangt, spielen die zahlreichen Gossauer Vereine eine Schlüsselrolle. Manche besitzen das Label «Sport-verein-t» – es bedeutet, dass sie sich speziell um Integration bemühen.

Stadträtin Helen Alder plant zudem ein Familienzentrum mit einem Café, das ebenfalls eine Rolle bei der Integration spielen soll. Noch habe man keine Liegenschaft gefunden. Zentral soll sie sein, mit ÖV erschlossen, «und auch ein Garten wäre schön». Das Ziel sei, noch dieses Jahr ein geeignetes Haus zu finden.