Interview

Zuständige Stadträtin zur St.Galler Marktplatz-Vorlage: «Ein Nein wäre ein ziemlicher Scherbenhaufen»

Die SVP der Stadt St.Gallen zieht gegen die Marktplatz-Vorlage in den Abstimmungskampf. Stadträtin Maria Pappa gibt sich im Interview gelassen.

Marlen Hämmerli
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Der Marktplatz soll neugestaltet werden. Am 17. Mai kommt die dritte Vorlage an die Urne.

Der Marktplatz soll neugestaltet werden. Am 17. Mai kommt die dritte Vorlage an die Urne.

Bild: Nik Roth


Die städtische SVP hat den Abstimmungskampf früh lanciert – drei Monate bevor die Stimmbevölkerung über die Neugestaltung von Marktplatz und Bohl abstimmt. Stadträtin Maria Pappa gibt sich aber gelassen.

Stadträtin Maria Pappa, Vorsteherin der Direktion Planung und Bau.

Stadträtin Maria Pappa, Vorsteherin der Direktion Planung und Bau.


Bild: Benjamin Manser

Die SVP hat den Abstimmungskampf sehr früh lanciert. Haben Sie Angst, dass die Partei zur Meinungsherrscherin werden könnte?

Maria Pappa: Nein. Wir haben einen langen, partizipativen Prozess durchgeführt, an dem sehr viele Personen beteiligt waren. Und sehr viele Personen wissen, um was es geht. Das Stadtparlament und die Liegenschaften- und Baukommission haben die Finanzen auch sehr genau studiert. Die Argumentation der SVP ist nicht stichhaltig. Deshalb befürchte ich nicht, dass sie die Meinungsführung übernehmen könnten.

Wie gedenken Sie, auf das Gegner-Komitee zu reagieren?

Es wird jetzt nötig sein, dass wir nochmals erklären, um was es beim Rahmenkredit für den Marktplatz und Bohl geht.

Was bedeutet ein solcher Kredit denn?

Wenn man einen Rahmenkredit hat, ist das Projekt noch in einem sehr frühen Stadium. Man weiss noch nicht genau, wie alles im Detail aussieht. Deshalb enthält der Kredit auch eine Reserve von 25 Prozent. Das ist im Bau ein übliches Verfahren. Je weniger detailliert der Projektstand ist, desto höher ist die Reserve. Das Detailprojekt wird erst nach dem positiven Volksentscheid ausgearbeitet. Der Stadtrat hat sich beim Marktplatz und Bohl bewusst für ein Rahmenkredit entschieden, damit die Stimmbevölkerung früh entscheiden kann, ob das Projekt weiterverfolgt werden soll.

Die Kosten werden also kaum ausgeschöpft.

Es handelt sich um ein Kostendach. In einer solch frühen Phase ist es unsere Pflicht alle möglichen Kosten aufzuzeigen. Aber das heisst niemals, dass der ganze Kredit ausgeschöpft wird. Ausserdem haben wir auch Erfahrung darin, wie viel zum Beispiel eine gewisse Fläche kostet. Unsere Zahlen sind deshalb stellenweise vielleicht sehr genau. Aber das wird man erläutern müssen.

Die SVP sagt, die Bevölkerung erhält zu wenig für den Preis. Was erhält sie denn?

Einen neugestalteten, grosszügigen Platz mit einer neuen, attraktiveren Situation für den Markt. Der Markt befindet sich ja seit Jahren in den alten Häuschen, die inzwischen verfallen. Ausserdem gibt es wichtige Verbesserungen beim öffentlichen Verkehr durch die Entflechtung und durch behindertengerechte Haltekanten, von denen auch Personen mit Kinderwagen oder Rollatoren profitieren.

Es ist die dritte Vorlage zur Neugestaltung von Marktplatz und Bohl. Was, wenn diese nun ebenfalls abgelehnt wird?

Das wäre ein ziemlicher Scherbenhaufen und ich wünsche es der Stadt St. Gallen nicht. Die Teilnehmer des partizipativen Prozesses haben gemeinsam am Projekt gearbeitet und dem Siegerprojekt am Ende mit grosser Mehrheit zugestimmt. Auch die SVP kritisiert nicht das Projekt, sondern nur die Kosten. Wir planen jedoch keine Luxusvariante. Ich glaube sie haben nicht verstanden, dass in den Kosten eine höhere Reserve enthalten ist als üblich.

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