«Zusammen lismelt es sich schöner als allein»: Ein Tag lang Handarbeit auf dem Rorschacher Hafenplatz verbindet

Anfänger und Fortgeschrittene haben sich am Montag auf dem Hafenplatz beim Zeltwerk getroffen. Vor allem während des Lockdowns schätzen die Handarbeit wieder viele.

Viola Priss
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Beim Handarbeiten am See wagt man grössere Projekte als allein. Profi Erika Müller (Mitte) gibt Rückendeckung.

Beim Handarbeiten am See wagt man grössere Projekte als allein. Profi Erika Müller (Mitte) gibt Rückendeckung.

Bild: Viola Priss

«Was geholfen hat, war Corona.» Ein Satz, den man so nicht häufig hört. Wenn aber Erika Müller berichtet, wie Kundinnen im Stricken, Häkeln und Lismen während des Lockdowns Ruhe, Beschäftigung und Sinn gefunden haben, beginnt man zu verstehen.

Hier, Montagvormittag im Zeltwerk in Rorschach, kommen sie zusammen: Alle, die sich ausprobieren wollen an Selbstgemachten und bei Angefangenem nicht weiter kommen. Ob Kissen, Anhänger oder Obstnetz. Erika Müller vom gleichnamigen Handarbeitsgeschäft sagt:

«Man soll merken, wie einfach man am Ende etwas in der Hand hat.»

Es sei eben etwas anderes, etwas lismend zu tun, sagt eine der Teilnehmerinnen, die extra aus dem Thurgau zum Hafen kam: «Wenn ich die Wetternachrichten schaue, ohne zu lismen, kann ich auch beim dritten Mal Zuhören nicht sagen, wie es morgen wird – erst wenn ich dabei lisme.»

Einheitliches Nicken auf den Bänken unter dem Zelt. Kaffee, Ideen, Garn und – davon schwärmen sie alle – im Trubel und Wind des Hafens:

«Zusammen lismelt es sich einfach schöner als allein.»
Auch in der Gruppe macht Lismen spass.

Auch in der Gruppe macht Lismen spass.

Bild: Viola Priss

Selbstversuch Handarbeit: Nichts für mich. Oder doch?

Der Auftrag: Ein Geschenk soll es werden, genauer gesagt, ein Schlüsselanhänger in Form eines Oktopus. Ist das machbar, als blutiger Laie? Klar, sagt Ester Rüst, die in Rorschach jeden Donnerstag zum Strickkafi lädt. Umgeben von sieben Frauen aus der Region, die alle «ihr halbes Leben» lismen, bezweifle ich das stark.

Doch, erklärt Erika Müller, es geht hier weniger um das Ergebnis als um das Probieren, gezeigt bekommen, nachfragen können. «Viel besser als auf Youtube.» Regelmässige Kurse seien heutzutage kaum zu realisieren, ein offenes Angebot wie das des Zeltwerks entspreche viel eher dem Zeitgeist des Nicht-Festgelegten.

Erika Müller organisierte den Handarbeitsnachmittag am Seeufer.

Erika Müller organisierte den Handarbeitsnachmittag am Seeufer.

Bild: Viola Priss

Sind die Maschen falsch aufgezogen? «Dann wird es eben nicht perfekt, aber dafür einzigartig», so Müller. Mein Oktopus ist noch nicht fertig, als ich gehe. Ich lasse ihn hier am Seeufer, da gehört er ja auch hin, irgendwie.

Am 17. August beim Stricken auf dem Schiff komme ich wieder. Wegen des Oktopus – und des zwischenmenschlichen Seemannsgarns mit Erika, Esther, Ruth und den anderen.