Zurück in die Heimat – Erfolgstrainer Fabian Arvidsson verlässt Waldkirch-St.Gallen

Die Zeit bei der NLA-Mannschaft Waldkirch-St. Gallen endet für Erfolgstrainer Fabian Arvidsson abrupt. Ein letztes Unihockeyspiel gibt es nicht.

Robin Bleiker
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In seinem Element: Fabian Arvidsson an der Seitenlinie.

In seinem Element: Fabian Arvidsson an der Seitenlinie.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus

Vor sechs Jahren stiess der aus Örebro stammende Fabian Arvidsson als Trainer zu Waldkirch-St.Gallen. Ende dieser Saison ist nun Schluss. Er kehrt zusammen mit seiner Frau und seinem einjährigen Sohn zurück nach Schweden.

Was damals nur als Studienpause gedacht war, wurde zu einem neunjährigen Abenteuer. Waldkirch-St.Gallen transformierte er in dieser Zeit von einem Mittelklasse-Team zu einem Playoff-Anwärter. Diese Saison haben die St.Galler zum ersten Mal die Playoffs erreicht.

Die Erfolgsgeschichte war erst der Anfang

Arvidsson, der in Schweden Soziologie und Politik studierte, kam durch Zufall in die Schweiz. Ein Bekannter von ihm war damals Sportchef von Chur und suchte einen Trainer. So kam es, dass Arvidsson sein Heimatland verliess, um die Bündner für neun Monate zu trainieren. Aus Monaten wurden Jahre, sechs davon bei Waldkirch-St.Gallen. Das Team war bei seiner Ankunft weit vom heutigen Leistungsniveau entfernt. Arvidsson sagt: 

«Heute habe ich 24 Athleten, vor sechs Jahren hatte ich Sportler, aber keine Athleten. Das ist der grösste Unterschied»

Er hat die Mannschaft Jahr für Jahr professionalisiert. Zu Beginn wurden Trainingshäufigkeit und die Intensität erhöht. Heute müssten sie sich eher überlegen, wie die Athleten sich gut erholen können. Natürlich wurden in diesem Prozess auch Akteure ausgewechselt. Von Arvidssons erster Saison seien noch drei Spieler dabei.

Gut gerüstet für die Zukunft

Die Ostschweizer setzten über die Jahre hinweg viel Wert auf Eigengewächse. 20 Spieler im heutigen Kader stammen aus der Jugend Waldkirch-St.Gallens. Arvidsson verlässt einen konkurrenzfähigen Klub. Erfahrung und Jugend stehen in einer guten Balance.

Einige der jungen Spieler könnten in den nächsten Jahren den Unterschied machen. Die Top vier zu erreichen sei ein realistisches Ziel, in weiterer Zukunft vielleicht gar der Gewinn der Meisterschaft.

Ambitionierter Trainer – aber auch Familienmensch

«Viel Planung, viel Analyse, viel Video schneiden und teils auch Statistik», sagt Arvidsson, sei der grösste Teil der Arbeit neben dem Training und den Spielen. Die schwierigste Aufgabe ist aber für den 33-Jährigen, all seine Spieler im Team zu integrieren. «24 Spieler, alle sind Unihockeyspieler, aber sonst sind die Umstände für jeden anders. Das ist vielleicht das Schwierigste aber auch das Interessanteste», sagt er.

«Dass ich dann immer neu denken muss, wie ich es am besten löse für Person X.»

Es sei schwierig aber auch spannend, die Balance zwischen Team- und Individuallösungen zu finden.Arvidsson arbeitete die vergangenen drei Saisons ausschliesslich als Trainer, im Durchschnitt etwa 30 bis 40 Stunden pro Woche, zu Spitzenzeiten bis zu 60 Stunden. Man könne davon leben, die Löhne seien aber weit weg von jenen im Fussball oder Eishockey.

Seit einem Jahr ist er nun aber Vater. Er spüre, dass sein Sohn mehr Zeit mit ihm brauche. Ausserdem wären er und seine Frau lange fort von zu Hause gewesen. «Wir haben gesagt: Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt, zurück nach Schweden zu gehen», so Arvidsson. Dort sind sie wieder näher bei ihrer Familie. Arvidsson plant zudem, sein Studium zu beenden.

Bevor der Schwede zurück in seine Heimat kehrt, wollte er die Saison jedoch beenden. Dies ist nun nicht mehr möglich. Aufgrund des Corona-Virus bricht swiss unihockey die Saison ab. Waldkirch-St. Gallen spielte in den Playoff-Viertelfinals gegen GC. Im Best-of-7-Modus verloren sie die ersten drei Spiele. Ein Erfolg zum Abschluss bleibt Arvidsson damit verwehrt.

Meier und Jordan gehen

Nebst vielen Vertragsverlängerungen muss Waldkirch-St. Gallen auf die Saison 2020/21 auch Abgänge verkraften. Mit Stefan Meier und Nicolas Jordan beenden zwei wichtige Teamstützen ihre NLA-Karrieren. Beide Spieler haben mit ihren Leistungen einen grossen Beitrag zur erstmaligen Playoff-Qualifikation des Teams geleistet. Meier schloss sich dem Verein 2009 an, absolvierte über 200 Spiele und führte die Block-Statistik über mehrere Jahre an. Jordan stiess in der Saison 2014/15 zum Verein und erzielte in über 100 Partien 68 Skorerpunkte.