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Dieser Rollstuhlfahrer golft trotz seines Handicaps jede Woche in Waldkirch

Der Waldkircher Golflehrer Andreas Krämer unterrichtet dank Zusatzausbildung auch körperlich eingeschränkte Golfer. Etwa Roland Merki, der seit zehn Jahren im Rollstuhl sitzt und noch immer Bälle schlägt.
Elena Fasoli
Golflehrer Andreas Krämer in einer Lektion mit Roland Merki, der dank Spezialgefährt noch immer auf dem Golfplatz steht. (Bild: Urs Bucher)

Golflehrer Andreas Krämer in einer Lektion mit Roland Merki, der dank Spezialgefährt noch immer auf dem Golfplatz steht. (Bild: Urs Bucher)

Im Golfpark Waldkirch herrscht reger Betrieb. Zahlreiche Golfer treffen sich bereits am Morgen auf dem Rasen, um bei Sonnenschein ein paar Bälle zu spielen. Einer davon ist Roland Merki. Doch anders als seine Kollegen verlässt er seinen Wagen nicht, um das Loch zu treffen. Denn er sitzt seit über zehn Jahren im Rollstuhl.

Roland Merki hat 2004 angefangen, Golf zu spielen. Damals konnte er noch gehen. Seit 2007 sitzt der heute 61-Jährige im Rollstuhl und musste den Sport deshalb zwischenzeitlich aufgeben. Letztes Jahr wurde er von Freunden motiviert, sein Hobby wieder aufzunehmen. So begann er, Kurse bei Golflehrer Andreas Krämer zu besuchen.

Mit Hilfe der Stiftung zum Golfgefährt

Andreas Krämer ist seit fast 20 Jahren Golflehrer in Waldkirch. «In den meisten Fällen betreut man als Golflehrer gesunde Menschen», sagt er. Doch seit einigen Jahren besitzt er die Zusatzausbildung als PGA Health Professional, die er in Deutschland absolviert hat. Damit ist er befähigt, Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung das Golfspielen beizubringen.

«Roland Merki ist natürlich ein extremer Fall», sagt Krämer. Er sei der einzige Rollstuhl-Golfer in Waldkirch. Krämer betreue beispielsweise Golfer nach einer Knieoperation oder einem Bandscheibenvorfall, die die Inputs eines Fachmanns benötigen. So können sie auf den Golfplatz zurückkehren und Sicherheit gewinnen. Andreas Krämer werde von einem Kompetenzteam begleitet, bestehend aus Physiotherapeut, Sportarzt, Orthopäde und Neurologe.

«Gemeinsam bringen wir den Golfer oder die Golferin auf den richtigen Weg.»

Roland Merki kaufte mit Hilfe der Paraplegiker-Stiftung ein Golfgefährt. «Der Wagen kostet so viel wie ein schönes Auto.» Er dient zur Fortbewegung auf dem Platz und bewegt Merki in eine aufrechte Position, damit er seine Bälle schlagen kann. Gurte fixieren ihn im Sitz. «Die gesamte Rotation muss aus dem Arm und dem Oberkörper kommen, da Merki Becken und Hüfte nicht mehr bewegen kann», sagt Krämer. Es sei eine grosse Umgewöhnung gewesen, doch der Sport tue ihm gut, sagt Merki. «Seit Andreas Krämer meinen Wagen richtig eingestellt hat, fühle ich mich richtig wohl.» Die Korrekturen für den richtigen Schwung seien hilfreich.

Steile Stellen werden zum Problem

Gemäss Krämer hat Merki schnell gelernt, unter den erschwerten Bedingungen den Sport auszuüben. «Er hat sofort wieder getroffen und schlägt ziemlich weit.» Es gebe aber auch Schwierigkeiten. Merki kann mit seinem Wagen beispielsweise nicht über Sand oder steile Stellen fahren. Ausserdem braucht er im Unterricht nach 10 bis 15 unmittelbar hintereinander geschlagenen Bällen eine Pause, da die Belastung auf seinen Brustkorb ansonsten zu gross wird. «Schliesslich hängt er in den Gurten», sagt Krämer. Die Kurse dauern deshalb nur 40 Minuten und nicht zwei bis drei Stunden wie bei anderen Teilnehmern.

Letztes Jahr habe Merki etwa alle drei Wochen einen Kurs besucht. «Mein Ziel für die frische Saison ist es, ein- bis zweimal pro Woche zu spielen.» Er golfe nicht nur unter Anleitung seines Lehrers, sondern auch selbstständig mit Kollegen. «Beim Golf ist auch die soziale Komponente wichtig», sagt Krämer. Es sei wichtig, dass das Netzwerk der Senioren nicht verloren gehe.

«Im Alter wird Golf oft zum Mittelpunkt des Lebens.»

Deshalb möchte er ältere Leuten ermöglichen, möglichst lange zu golfen.

Neben Kursen für Senioren führt Krämer auch Präventionskurse für gesunde Sportler durch. «Es ist wichtig, Bewegungen richtig auszuführen, um Fehlbelastungen zu verhindern.» Da die Kurse Qualicert-zertifiziert sind, übernehmen einige Krankenkassen einen Teil der Kosten. «Es ist bewiesen, dass die Bewegung an der frischen Luft und das soziale Umfeld beim Golf die Lebenserwartung erhöhen», sagt Andreas Krämer.

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