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Zupfen statt Blasen: Wie sich die Musikschulen der Region verändern

Die Musikschulen der Region sind nach wie vor gefragt, die Schülerzahlen sind stabil. Doch es gibt Veränderungen – nicht nur bei den Vorlieben. Drei Schulleiter erzählen
Marco Cappellari
Klassische Musik hat auch heute noch einen Stellenwert (Bild: Mareycke Frehner).

Klassische Musik hat auch heute noch einen Stellenwert (Bild: Mareycke Frehner).

Musikschulen haben heute mehr Konkurrenz als früher. Smartphones, Sportvereine, Netflix – die Jugend hat eine Vielzahl an Beschäftigungsmöglichkeiten. Eine Umfrage bei den Musikschulen der Region ergibt aber: Musikunterricht ist nach wie vor gefragt, er verändert sich jedoch.

Roland Diezi, Schulleiter der Musikschule Rorschach-Rorschacherberg berichtet, dass die Schülerzahlen stabil seien, bei den Erwachsenen hätten sie gar leicht zugenommen. Klassiker wie das Klavier, mit über 100 Schülern, seien sehr gefragt, auch bei den Streichern, dem Gesang und der Gitarre sei die Nachfrage gut. «Weniger gut läuft es bei den Blasinstrumenten», erzählt er. Bei seinem Amtsantritt im Jahr 2005 sei das noch anders gewesen. Zwar habe es damals schon Blasinstrumente gegeben, die die Schüler kaum noch gewählt hätten, etwa die Klarinette, bekanntere wie Trompete und Querflöte seien aber rege gespielt worden. Dies komme heute kaum noch vor. Querflötenschüler gebe es aktuell noch zwei. Dennoch werden nach wie vor alle Instrumente angeboten und entsprechende Lehrer zur Verfügung gestellt.

Heute werde natürlich auch viel Populärmusik gespielt. «Traditionelle Musik» sei aber immer noch wichtig. «Oft fällt den Schülern selber schnell auf, wie eintönig und langweilig viele der modernen Pop-Hits sind, und möchten dann von sich aus wieder klassische Musik spielen», sagt Diezi. Auch bei den Eltern sei das Bewusstsein für und die Wertschätzung von musischer, kreativer Bildung nach wie vor vorhanden.

Stellenwert nicht immer gleich

Unterschiede gebe es bei den Immigranten. «In einigen Kulturen ist der Sinn für die musikalische Ausbildung weniger verbreitet, Einwanderer aus Russland und Syrien aber beispielsweise, die häufig sehr gebildet sind, legen einen hohen Stellenwert darauf und besuchen auch rege den Unterricht.»

Bei Rainer Thiede, Leiter der Musikschule Am Alten Rhein in Rheineck, sind die Schülerzahlen leicht rückläufig, wie er sagt. Dies sei zwar immer auch von der Geburtenstärke der Volksschuljahrgänge abhängig, er beobachtet aber den Trend, sich nicht mehr binden zu wollen. Viele Eltern würden sich aber um die Bildung ihrer Kinder kümmern. «Ich denke auch, dass Eltern in diesem Bereich als Letztes sparen.»

Für die Zukunft der Musikschule ist Thiede zuversichtlich. Dennoch werde einiges unternommen, um die Attraktivität der Schule zu steigern. Dazu gehört der Flex-Unterricht, bei dem in Workshop-Manier versucht wird, ein «innovatives Unterrichtskonzept» umzusetzen: Längere Lektionen, gemeinsames Lernen, Üben und Musizieren. Im Bereich der digitalen Musik werde aktuell ein Angebot aufgebaut, das den Schülern auch in den modernsten Formen des Musizierens und Komponierens eine Anleitung bieten soll. Exotischere Experimente, wie das Anbieten von Lektionen für Qifteli – die albanische Langhalslaute – hätten nicht den erhofften Erfolg gebracht. «Bis auf zwei Schüler aus Zürich, die vor einiger Zeit eigens für den Qifteliunterricht herkamen, ist das Angebot nicht genutzt worden», sagt Thiede.

Ganz ähnlich klingt es bei Guido Schwalt, Leiter der Musikschule Goldach. Auch hier seien die Zahlen leicht rückläufig. «Angesichts der kommenden geburtenstarken Jahrgänge sind wir aber mehr als zuversichtlich», sagt er. Bei den Vorlieben verhalte es sich wie in Rheineck und Rorschach: Die Klassiker laufen gut, so gebe es allein bei der Gitarre 70 Schüler. Blasinstrumente sind aber auch in Goldach in der Krise, die Nachfrage habe sich in 15 Jahren praktisch halbiert. «Vor einigen Jahren hatten wir sieben Waldhornisten, von denen zwei heute in Orchestern spielen», sagt er. Heute gebe es gar keine Waldhornschüler mehr.

Umso besser laufe es bei den Erwachsenen: Seit der Einführung des Abobetriebs, bei dem Lektionen flexibel gewählt werden können, steige die Nachfrage. «Heute haben wir 40 erwachsene Schüler», sagt Schwalt.

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