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Zu wenig Kunden: Der SBB-Schalter in Rheineck schliesst

Die SBB schliessen per 1. Juni den Schalter in Rheineck – endgültig. Der Absatz sei seit Jahren rückläufig. Die Reaktionen reichen von Bedauern bis Verständnis. Doch es ist nicht der einzige Abschied in Rheineck: Die letzte Mitarbeiterin geht in Pension.
Marco Cappellari
Der Schalter in Rheineck bleibt bald für immer geschlossen. (Bild: Marco Cappellari)

Der Schalter in Rheineck bleibt bald für immer geschlossen. (Bild: Marco Cappellari)

Viele Kunden sind es nicht, die sich an diesem Nachmittag zu Wally Herzog verirren. Seit 19 Jahren arbeitet die Frau mit dem freundlichen Lächeln bereits hinter dem Schalter in Rheineck, bei den SBB ist sie gar seit 30 Jahren. Herzog ist die letzte von ursprünglich einer Handvoll Angestellten, seit der Standort vor einigen Jahren in einen Ein-Frau-Betrieb umgewandelt worden ist. Bald wird auch sie ihre Sachen packen müssen, denn ab 1. Juni bleibt der Schalter geschlossen – endgültig, wie die SBB bekanntgegeben haben.

«Intern haben wir das schon seit längerem gewusst», sagt Herzog. Auch wenn sie den Entscheid mit einiger Wehmut sieht, versteht sie ihn. «Wir haben ja eigentlich eine komfortable Lage hier; es gibt viele Schalter zwischen Heerbrugg und Rorschach.» So sei die Schliessung absehbar gewesen.

Klassenlehrer und Senioren

«Ein Gruppenbillet bitte.» Daniel Lüchinger, Lehrer aus Thal, ist einer der wenigen Kunden, die ihre Tickets noch lieber am Schalter kaufen. «Ich habe gehört, Sie schliessen», sagt er zu Herzog. «Schade.» Er ist nicht der Einzige, der sie in diesen Tagen darauf ansprechen wird. «Ein Gruppenbillet für die ganze Klasse im Internet zu lösen, ist mir zu umständlich», erklärt er dem Journalisten. Deshalb schätze er den Schalter. Wo er in Zukunft seine Gruppenbilletts zu lösen gedenke? «Ich werde wohl auf Rorschach ausweichen müssen», sagt er und verabschiedet sich.

Nebst Kunden wie Lüchinger, seien es vor allem viele ältere Menschen, die noch den Gang an den Schalter bevorzugen, erzählt Herzog. «Sie haben oft grosse Mühe damit, ein Ticket im Internet zu lösen.» Andere würden zwar zur Beratung vorbeikommen, den Kauf dann aber im Internet tätigen.

Gerademal sieben Artikel pro Stunde seien 2018 in Rheineck im Durchschnitt verkauft worden, schreiben die SBB. 2019 habe sich dieser Wert weiter reduziert. Zwischen 2015 und 2018 habe der Rückgang des Absatzes rund 23 Prozent betragen. Trotz der Reduktion auf eine Mitarbeiterin habe der Standort jährlich einen sechsstelligen Verlustbetrag eingefahren, wie Mediensprecher Reto Schärli sagt. Das habe die SBB zur Schliessung veranlasst.

«Auch wir sind bereits frühzeitig über den Entscheid informiert worden», sagt Rheinecks Stadtpräsident Hans Pfäffli. «Wenn wir uns die Zahlen ansehen, verstehen wir die Entscheidung natürlich», sagt er. Auch wenn die Stadt dies bedauere. Samstags sei der Schalter bereits seit einigen Jahren geschlossen. «Als wir über die endgültige Schliessung informiert worden sind, haben wir aus dem Stadtrat bei den SBB angeregt, Ersatzmöglichkeiten zu suchen.» Etwa, künftig SBB-Tickets am Kiosk nebenan zu verkaufen. «Ähnlich wie die Post mit den Agenturen in Ladenlokalen», sagt Pfäffli. Die SBB hätten ihm aber mitgeteilt, dass sie nach einer Prüfung zum Schluss gekommen seien, dass sich dies in Rheineck nicht lohnen würde. Die Schulungskosten für das Kioskpersonal wären zu hoch gewesen, hiess es vonseiten der SBB.

Manchmal werde Pfäffli beim Spaziergang in der Stadt auf die Schliessung angesprochen. «Das ist immer so, wenn ein Service public verloren geht.» Wenn er den Bürgern die Situation erkläre, würden die meisten aber Verständnis zeigen.

Ausweichen auf Rorschach oder St. Margrethen

Wer künftig Tickets lösen möchte, dem bleiben die zwei Automaten in Rheineck und das Internet. Oder er weicht auf Rorschach oder St. Margrethen aus. Was mit den freiwerdenden Schalterräumen in Rheineck passiert, sei noch nicht entschieden. «Wir werden in den kommenden Wochen und Monaten prüfen, welches Angebot den Bedürfnissen am besten Rechnung trägt», sagt SBB-Sprecher Schärli.

Von den Mitarbeitern in Rheineck – nebst Wally Herzog gibt es Mitarbeiter, die immer wieder als Vertretung einspringen – verliert niemand seine Arbeitsstelle. «Diese Mitarbeitenden werden in Heerbrugg oder St. Margrethen eingesetzt, wo sie heute schon tätig sind.» Bereits heute würden flexible Einsätze umgesetzt und von den Mitarbeitern geschätzt, sagt Schärli.

Und Wally Herzog? Für sie geht bald eine Ära zu Ende: Am Freitag wird sie nach drei Jahrzehnten bei den SBB pensioniert.

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