Zu wenig freie Wasserflächen im Hallenbad Blumenwies? Weshalb sich Hobbyschwimmer über die Stadt St.Gallen ärgern

Seit Anfang Jahr hat die Stadt die Bahnenbelegung im Hallenbad Blumenwies angepasst. Nun fehlt der Platz für Hobbyschwimmer.

Christoph Renn
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Streckenschwimmern steht am Mittwochabend im Blumenwies nur noch eine Bahn zur Verfügung.

Streckenschwimmern steht am Mittwochabend im Blumenwies nur noch eine Bahn zur Verfügung.

Michel Canonica

Die städtischen Hallenbäder sind ein beliebtes Ausflugsziel. Was eigentlich eine positive Meldung ist, führt aber zu Problemen. Genauer gesagt zu Platzproblemen. Denn vor allem das Hallenbad Blumenwies droht aus allen Nähten zu platzen. Deshalb hat die Stadt den Belegungsplan der Bahnen auf das neue Jahr hin geändert. Diese Änderungen stossen aber bei den Hobbyschwimmern zu Unverständnis. Denn neu haben die Schwimmvereine am Mittwochabend eine zusätzliche Bahn erhalten.

Ein verärgerter Schwimmer meldet deshalb auf dem Stadtmelder: Seit Anfang dieses Jahres ist die zweite Bahn fürs freie Training gesperrt – das städtische Amt Bad und Eis hat auch am Mittwoch noch mehr Vereine ins Haus gelassen. Bisher galt der Mittwochabend im Blumenwies dem freien Schwimmtraining.

Weiter schreibt er, dass mittwochs der einzige Abend war, an welchen den nicht in Vereinen organisierten Schwimmerinnen und Schwimmern zwei Bahnen für zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten zur Verfügung standen. Freies Training im sowieso schon überfüllten Hallenbad sei damit an allen Wochentagen auf eine Bahn beschränkt und beengt. Und der verärgerte Bürger schickt gleich eine Bitte an die Verwaltung mit: «Hoffentlich stellt die Stadt der Öffentlichkeit wieder etwas mehr Wasserfläche zur Verfügung.»

Das grosse Ganze im Auge behalten

Diese Hoffnung wird aber nicht so schnell in Erfüllung gehen. Denn für die Stadt ist klar, dass sie mit dem neuen Belegungsplan eine Verbesserung für die Vereine als auch die Öffentlichkeit geschaffen hat. «Als Hallenbadbetreiber müssen wir das grosse Ganze im Auge behalten», sagt Roland Hofer, Leiter Bad und Eis. Ihm sei bewusst, dass Veränderungen und Neues nie bei allen Anspruchsgruppen gleich gut ankommen. Doch hätten sie sicherlich keine Verschlechterung herbeigeführt. «Uns sind die Streckenschwimmer sehr wichtig», sagt Hofer.

Roland Hofer, Leiter Bad und Eis der Stadt St.Gallen.

Roland Hofer, Leiter Bad und Eis der Stadt St.Gallen.

Bild: Benjamin Manser

Sie hätten bewusst abwägen müssen, damit das Verhältnis stimme. Das Schwimmbecken im Hallenbad Blumenwies verfügt über fünf Bahnen. Davon sind für Schulen, Vereine und andere Gruppen zwei Bahnen reserviert. Die anderen drei Bahnen stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung, wovon meistens eine Bahn für das Streckenschwimmen reserviert ist.

Bis Ende 2019 war die Situation so, dass am Mittwoch- und Donnerstagabend der Öffentlichkeit zeitweise vier Bahnen zur Verfügung standen, hingegen am Dienstag- und Freitagabend nur jeweils zwei Bahnen. Seit Jahresbeginn belegen die Vereine täglich zwei Bahnen. «Insgesamt steht der Öffentlichkeit also gleich viel Wasserfläche zur Verfügung, es entstand lediglich eine Verschiebung», ergänzt Hofer.

Der Platz in den Hallenbädern ist knapp

Roland Hofer versteht jedoch den Ärger der Hobbyschwimmer. Und er sei sich bewusst, dass das Wasser in den städtischen Hallenbädern knapp sei, umso dringender werde die Sanierung und Erweiterung des Blumenwies. Deshalb müssten einige Schwimmvereine neu auch ins Volksbad ausweichen.

Die Bevölkerung entscheidet

Das Hallenbad Blumenwies wurde 1973 eröffnet. Da sich in den 1980er-Jahren die Besucherzahlen negativ entwickelten, wurden zur Steigerungen der Attraktivität im Jahr 1984 im Lehrschwimmbecken eine Sprudelanlage und Massagedüsen und in den Jahren 1993 bis 1995 das Hallenbad um ein Planschbecken sowie eine Rutschbahn erweitert.

Nun hat das Hallenbad aber seine Kapazitätsgrenze erreicht. Deshalb soll es vergrössert werden. Das Projekt «Waikiki» sieht eine Verdoppelung der Wasserfläche und ein neues Warmwasser-Aussenbecken vor. Beim Schwimmbecken wurde eine Vergrösserung auf total 13 Bahnen à 25 Meter Länge beschlossen, damit Gäste aus dem Leistungs- und Breitensport gleichermassen profitieren können. Ebenso soll die Saunalandschaft erneuert und vergrössert werden. Momentan läuft die Detailplanung. «Wir sind im Zeitplan», sagt Baudirektorin Maria Pappa. In den nächsten Monaten befinde das Stadtparlament über die Vorlage. Die Stimmbevölkerung der Stadt St.Gallen kann 2021 über die Vorlage entscheiden. (ren)

Ein Problem sei, dass die Bahnen für die Öffentlichkeit überbelegt sind, während nur wenige Sportschwimmer ihre reservierten Bahnen nutzen. Deshalb hätten sie eine neue Regelung eingeführt: Sind weniger als fünf Sportschwimmer der Vereine anwesend, werden die reservierten Bahnen auch für die Öffentlichkeit geöffnet. «Wir werden in Zukunft in Anbetracht der engen Platzverhältnisse noch intensiver darauf achten», sagt Hofer. Zudem seien auch die Bademeister auf die Problematik sensibilisiert.

Bis das Hallenbad Blumenwies erweitert wird, dauert es noch mehrere Jahre. Bis dahin bleiben die Platzverhältnisse im Volksbad und dem Blumenwies knapp. Zumindest für die mögliche Bauphase plant die Stadt eine Übergangslösung. «Zurzeit läuft eine Machbarkeitsstudie für eine Lufthalle im Lerchenfeld», sagt Hofer. Doch zuerst müssen die Investitions- und Betriebskosten geklärt werden.