Zu viele Anmeldungen für die «Flade»: Jetzt entscheidet das Los über die St.Galler Schüler

Nach Ablauf der Anmeldefrist zeichnet sich ab: Das Interesse der St.Galler Schüler an einer Ausbildung an der katholischen Kantonssekundarschule «Flade» ist gross, die Anmeldungen landen im Lostopf. Auch Katholiken ist der Platz an der «Flade» nicht sicher.

Seraina Hess
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Im neuen Schuljahr steht die Flade allen städtischen Oberstufenschülerinnen und -schülern offen. (Bild: Urs Jaudas)

Im neuen Schuljahr steht die Flade allen städtischen Oberstufenschülerinnen und -schülern offen. (Bild: Urs Jaudas)

Es ist ein Novum in der über 200-jährigen Geschichte der katholischen Kantonssekundarschule: Seit Januar können sich alle St.Galler Sechstklässler anmelden, die ab August an der «Flade» unterrichtet werden möchten. Ganz gleich ob evangelisch, muslimisch oder konfessionslos, ob Real oder Sek: Die Stadt übernimmt das Schulgeld, weil sie mit der «Flade» eine Vereinbarung abgeschlossen hat.

Was an der «Flade» gleich bleibt, ist das Profil einer christlichen Schule katholischer Prägung – und damit der Ruf einer leistungsorientierten Oberstufe. Schon vor der Anmeldefrist mutmasste Schulpräsidentin Margrit Stadler, die Öffnung der Schule werde eine Vielzahl von Jugendlichen anziehen, deren Familien sich die jährlichen 8000 Franken Schulgeld bisher nicht leisten konnten. Bis anhin besuchten einzig katholische Schüler aus der Stadt die «Flade» kostenlos, finanziert durch die Kirchgemeinde und den katholischen Konfessionsteil.

Platz für maximal 30 Prozent der Oberstufenschüler

Ende Februar ist die Anmeldefrist für die Oberstufe abgelaufen. Zwar liegen noch keine definitiven Zahlen vor, doch Stadlers Vermutung scheint sich zu bewahrheiten. Hochrechnungen zufolge sollen es mehr als 200 Anmeldungen für die Sekundar- und Realstufe sein. Insgesamt gibt es knapp 580 städtische Sechstklässler, die im Sommer an die Oberstufe übertreten. Weil die «Flade» gemäss Vereinbarung maximal 30 Prozent der städtischen Oberstufenschüler aufnehmen darf und zusätzlich das Verhältnis von Sekundar- und Realschülern jenem an städtischen Schulen entsprechen muss, ist klar: An der «Flade» hat es nicht für alle Interessierten Platz.

Wie sich derzeit abzeichnet, stehen städtischen Schülern etwa 100 Plätze für die Sekundarschule und 70 für die Realstufe offen.

Während für Realschüler intakte Chancen bestünden, ohne Auslosung an die «Flade» zu gelangen, kämen die Anmeldungen der Sekschüler in den Lostopf, sagt Margrit Stadler. Die Auslosung gehe unabhängig von den Schulhaus-Standorten vonstatten: In der «Flade» werden die Kinder nach Wohnort eingeteilt. Schülerinnen und Schüler aus dem Zentrum und aus dem Westen der Stadt kommen in die geschlechtergetrennte Meitle- respektive Buebeflade, solche aus dem Osten ins gemischte Notkerschulhaus. Das sei nichts Neues, sagt Stadler: «Die Zuteilung funktioniert seit Jahren auf diese Weise.» Wenn es die Platzverhältnisse zuliessen, würden Umteilungswünsche berücksichtigt. Bisher gab es jährlich sechs bis zehn Gesuche.

Freie Wahl, aber mit
 Einschränkungen

(pd/seh) Mit Beginn des Schuljahrs 2019/20 tritt die neue Vereinbarung zwischen der Stadt St. Gallen und dem katholischen Konfessionsteil in Kraft. Eltern von Sechstklässlerinnen und Sechstklässlern können zwischen den Angeboten der städtischen Oberstufe und der Flade wählen. Vorbehalten bleibt, dass die 
beiden Schulträger Sekundar-, Real- und Kleinklassen in einem vergleichbaren Verhältnis, in vergleichbarer sozialer Durchmischung und Klassengrössen führen. Bei der Flade besteht in der Regel keine Wahlmöglichkeit für eines der drei Schulhäuser. Die städtischen Oberstufen mit insgesamt sechs Schulhäusern berücksichtigen Schuhauswünsche wenn immer möglich. Allerdings ist die Klassenplanung Ende März abgeschlossen. Bei Zuweisungen nach diesem Zeitpunkt zu einer städtischen Oberstufe ist die Berücksichtigung von Wünschen kaum mehr möglich. Entscheidend sind die noch freien Plätze. 

Wer auch ans Untergymi will, muss nicht zittern

Die Auslosung führt unweigerlich zu Enttäuschungen. Im Verfahren werde aber niemand benachteiligt, obschon Jugendliche, die sich parallel für die Untergymnasiums-Aufnahmeprüfung angemeldet haben, genau dies befürchten. Die Sorge kommt nicht von ungefähr: Die Auslosung an der «Flade» findet in den nächsten Tagen statt, die Untergymi-Aufnahmeprüfung erst in drei Wochen. Die unterschiedlichen Termine verkomplizierten das Aufnahmeverfahren zwar, würden den Gymnasiums-Anwärtern aber nicht als Nachteil ausgelegt. Sie kämen ins selbe Losverfahren wie alle anderen Schüler und könnten im Falle einer missglückten Prüfung auf einen Platz an der «Flade» hoffen – sofern ihre Anmeldung gezogen wurde.

Weniger glücklich über den Lostopf dürften die städtischen Katholiken sein, die im bisherigen System Anspruch auf die Beschulung an der «Flade» hatten. Mit der Neuerung fällt der Katholikenvorrang weg. «Ob deswegen Unmut herrscht, weiss ich nicht. Enttäuschungen je nach Losentscheid könnte ich aber sehr gut nachvollziehen», sagt Margrit Stadler. «Es kann natürlich sein, dass Familien, die ihre Kinder seit Generationen an die «Flade» geschickt haben, erstmals keinen Platz finden.» Über den Losentscheid wird die «Flade» Eltern und Schüler möglichst umgehend informieren.

Das Los bestimmt, wer an die St.Galler Oberstufe Flade darf

Erstmals können sich alle städtischen Sechstklässler für die Katholische Kantonssekundarschule St.Gallen anmelden – unabhängig von Konfession und Leistung. Kommt es zu einem Andrang, entscheidet das Los, wer Flade-Schüler wird.
Seraina Hess