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Ein Waldkircher produziert Hanf und wird vom Erfolg auf dem falschen Fuss erwischt

Der Waldkircher Erich Gerschwiler produziert einheimisches CBD-Gras. Weil er damit erfolgreicher als erwartet ist, wendet er sich nun für Unterstützung ans Internet.
Marco Cappellari
Statt Land zu pachten, geht Erich Gerschwiler Partnerschaften mit Landwirten ein. So verfügt er bereits über 7000 Hanfpflanzen, die in der ganzen Region verteilt sind. (Bild: Ralph Ribi)

Statt Land zu pachten, geht Erich Gerschwiler Partnerschaften mit Landwirten ein. So verfügt er bereits über 7000 Hanfpflanzen, die in der ganzen Region verteilt sind. (Bild: Ralph Ribi)

«Wir brauchen eure Hilfe!» Mit diesen Worten wendet sich das Waldkircher Unternehmen CBD-Farm 05 an die Internetnutzer. Denn das Unternehmen hat ein Problem: «7000 CBD-Pflanzen sind auf verschiedenen Feldern in der Ostschweiz verteilt. Sie wachsen schneller, besser und robuster, als wir erwartet hätten.»

Aus diesem Grund hofft das Jungunternehmen nun auf Unterstützung auf der Crowdfunding-Plattform «We Make It». Damit sollen zusätzliche Erntehelfer bezahlt, Erntemaschinen gekauft und die Infrastruktur für die Trocknung und Fermentierung des Produkts ausgebaut werden. Im Gegenzug erhalten die Geldgeber die Erzeugnisse zu einem vergünstigten Preis. Wer ausserdem einen bestimmten Mindestbetrag beisteuert, erhält einen sogenannten Memberstatus, der einen dauerhaften Rabatt auf die Produkte des Cannabisunternehmens bietet.

Ideale Klimabedingungen

Hinter CBD-Farm 05 steckt der Waldkircher Erich Gerschwiler. Der 33-Jährige steht in einem seiner Hanffelder und begutachtet die zwischen ein und zwei Meter grossen Pflanzen. «Wir hatten den Ertrag sehr konservativ berechnet», erzählt der frühere Wirtschaftsinformatiker. Gerschwiler hoffte natürlich auf eine gute erste Ernte. Von seinem Erfolg wurde er aber selber überrascht. «Wir scheinen riesiges Glück gehabt zu haben.» Andererseits zeige sich aber auch, dass die hiesigen Klimabedingungen ideal für die Sorten sind, die sein Unternehmen hauptsächlich anbaut.

CBD-Cannabis

Im Gegensatz zum illegalen Cannabis enthält das legale Gras hauptsächlich den Wirkstoff CBD. Dieser ist, anders als das bekanntere THC, nicht psychoaktiv. Die Wirkung ist beruhigend und hat auch medizinischen Nutzen. Seit der Legalisierung von Cannabis, das weniger als ein Prozent THC enthält, im August 2016, sind die Gras-Shops regelrecht aus dem Boden geschossen. Auch Grossverteiler und Kioske führen heute CBD-Produkte. (mac)

Seine 7000 Cannabispflanzen sind verteilt auf sieben Felder in der Region. Das Land, auf dem sie liegen, gehört sechs verschiedenen Landwirten. Anders als bei vielen anderen Cannabisunternehmen pachtet CBD-Farm 05 die Felder nicht nur, sondern beteiligt die Bauern. Auf dem Feld arbeiten beide Seiten Hand in Hand als Partner.

Wo genau sich die Cannabisfelder befinden, soll geheim bleiben. «Wir wollen uns keinem unnötigen Risiko aussetzen», sagt Erich Gerschwiler. Aus gutem Grund. Immer wieder werden Cannabisplantagen Opfer mutwilliger Zerstörungen. In Benken etwa haben Unbekannte vor zwei Monaten 4000 Hanfpflanzen ausgerissen und sogar neue Hanfsamen auf das Feld gestreut.

Dadurch wuchsen auch männliche Pflanzen, welche die weiblichen Pflanzen bestäubten und diese somit unbrauchbar machten. Denn nur die weibliche Cannabispflanze produziert die Blüten, die die Wirkstoffe enthalten. Da dieser gezielte Sabotageakt eine gewisse Grundkenntnis über den Anbau von Cannabis voraussetzt, vermutet Gerschwiler Konkurrenzunternehmen als Urheber der Tat.

Fokus auf Cannabis-Öl

Ziel der Zusammenarbeit mit «seinen» Landwirten sei es nicht, dass diese irgendwann nur noch Hanf anbauten. Als Nebenerwerb sei die Pflanze aber sehr attraktiv.

«Der Anbau von Cannabis ist eine Chance für die Schweizer Landwirtschaft.»

«Heutzutage muss man als Landwirt offen für Neues sein», ergänzt einer der Partner von Gerschwiler. Der Landwirt möchte anonym bleiben, um den Standort seiner Pflanzen geheim zu halten. Das sei aber der einzige Grund für die Geheimhaltung, denn Berührungsängste mit dem lange verbotenen Hanf habe er keine gehabt. «Mich hat die Pflanze schon immer interessiert.» Zum ersten Mal gesehen habe er sie aber erst, als Gerschwiler mit ihm in Kontakt trat. «Ich hatte sie mir ganz anders vorgestellt», sagt er.

Gerschwiler wird aus dem Grossteil der Ernte Cannabis-Öl herstellen, das die konzentrierten Wirkstoffe enthält. Dieses sei vielseitiger zu verwenden als die reinen Blüten. Aber auch Blüten verkauft Gerschwiler. Für die Zukunft erhofft er sich eine Ausweitung des Geschäftsfelds auf das nahe Ausland.

«Swissness zieht noch immer.»

Bevor es aber soweit ist, steht erst einmal die erste Ernte an. «Wir hoffen auf einen guten Herbst. Im Moment sieht es viel versprechend aus.»

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