Zu Tisch
Süsse Verführung mit Crunch-Effekt im Restaurant Helvetia in St.Gallen

Kaum hatten die Spitzenköche Adrian Nessensohn und Sonja Bellmann das kleine, feine «Helvetia» neben der Kreuzbleiche in St.Gallen übernommen, kam Corona. Das junge Paar lässt sich aber nicht unterkriegen. Mit seiner kreativen Gourmetküche hat es sich rasch eine Fangemeinde erkocht – und 14 «Gault-Millau»-Punkte.

Melissa Müller
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Unkompliziert, aber auf höchstem Niveau: Die Gourmetköche Svenja Bellmann und Adrian Nessensohn begeistern im Restaurant Helvetia.

Unkompliziert, aber auf höchstem Niveau: Die Gourmetköche Svenja Bellmann und Adrian Nessensohn begeistern im Restaurant Helvetia.

Bild: Benjamin Manser

Vorneweg: Wer im «Helvetia» bei der St.Galler Kreuzbleiche speist, sollte das Dessert nicht verpassen. Dieser schaumige weiss-rosa Traum aus Erdbeer, Waldmeister und Meringue: Wir träumen immer noch davon. Auch das Sorbet aus Kapuzinerkresse mit weisser Schokolade, eingelegten Pflaumen und Cornflakes (17 Fr.) ist ein nicht alltägliches kulinarisches Erlebnis. Warum Cornflakes? «Ein Dessert ist interessanter, wenn es einen Crunch-Moment hat», verrät Gastgeberin Sonja Bellmann, die nicht nur die Gäste umsorgt, sondern auch Köchin und Weinsommelière ist.

In der Coronapause in einem Hotel in Pontresina gearbeitet

Ihr Mann, Küchenchef Adrian Nessensohn, zaubert hinter den Kulissen, basierend auf der klassischen französischen Küche. Der Thurgauer bezieht das Fleisch von seinem Bruder, der den elterlichen Bauernhof übernommen hat. Das junge Paar hat sich seine Sporen in Fünfsternehäusern in der ganzen Schweiz abverdient und das Beste für sich herausgepickt. Kaum machte es sich in St. Gallen selbstständig, wurde es gleich mit 14 «Gault-Millau»-Punkten belohnt. In der Coronazwangspause arbeiteten sie in der Küche bei befreundeten Hoteliers in Pontresina.

Ein alkoholfreier Apéritif aus dem Appenzellerland begeistert

Im schönen Garten mit dem Kiesboden nehmen wir unter einem Baum mit spaghettiartigen Ästen Platz. Bellmann serviert einen «Bitter Süss» mit Tonic. Der alkoholfreie Apéritif von Goba aus Chicorée und Ingwer ist eine Entdeckung (15 Fr.).

Die Kräuterbutter zum hausgemachten Brot mit Walnüssen duftet köstlich nach Zitrone. Die Speisen werden zum Teilen serviert. Zu viert könnte man die ganze Karte bestellen und von allen zwölf Kreationen kosten. «Wir haben Stammgäste, die schaffen sogar die ganze Karte zu zweit», sagt Bellmann.

Die Lachsforelle ist butterzart (24 Fr.). Sie wird begleitet von Brennnesselpesto, Gerste und Spargel und garniert mit knusprigen Brennnesselchips. Die süssen, zartbitteren und säuerlichen Aromen und die weichen wie knackigen Konsistenzen begeistern ebenso wie das Farbenspiel auf dem Teller.

Der Risotto als Beilage (11 Fr.) wurde jedoch zu grosszügig gebuttert. Hingegen bringen uns die Ricottagnocchi (30 Fr.) zum Schwelgen. Ganz zu schweigen vom japanischen Onsenei, das man alternativ mit Kartoffelpurée statt mit Ochsenschwanz serviert bekommt.

Fazit: Gourmetkunst auf höchstem Niveau ohne Chichi. Das Ambiente im «Helvetia» ist so unkompliziert, als wäre man zu Gast bei Freunden.

Restaurant Helvetia
Vonwilstrasse 39, 9000 St. Gallen, Telefon 071 277 21 27, www.helvetia-sg.ch
Öffnungszeiten: Di bis Fr von 12 bis 14 Uhr und 18 bis 23 Uhr, Sa 18 bis 23.30 Uhr. Vorspeisen ab 19.–, Hauptgerichte ab 30.–, Wein ab 8.–/ dl.