Zu Tisch
Mit einem Wolfsbarsch im «Wienerberg» zurück in die Normalität

Das Restaurant Wienerberg blickt auf eine wechselvolle jüngere Geschichte zurück. Nun will Wirt Alessandro Hasler das Traditionslokal in ruhigere Bahnen lenken. Gestartet ist er schon mal gut.

Jürg Ackermann
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Wirt Alessandro Hasler im St.Galler Jugendstil-Restaurant Wienerberg.

Wirt Alessandro Hasler im St.Galler Jugendstil-Restaurant Wienerberg.

Bild: Ralph Ribi

Was muss das für ein Gefühl sein: Nach all den Monaten des bangen Wartens geht es los – und wie! Viel Zeit, die Handgriffe wieder einzuüben, bleibt nicht. Es ist schon eher ein Start von null auf 100. «Wir waren seit der Wiederöffnung praktisch jeden Tag ausgebucht», sagt Alessandro Hasler, der den «Wienerberg» im letzten Dezember – kurz vor dem zweiten Lockdown – übernahm.

Auch an unserem Testabend wäre ohne Reservation kein Tisch zu haben gewesen. Die Stimmung ist aufgeräumt, die Gäste gut gelaunt, der Service erledigt seine Aufgaben mit Charme und Geduld. Dass es draussen in Strömen regnet und der Restaurant-Garten geschlossen bleibt, ist nur ein kleiner Wermutstropfen. Denn das liebevoll restaurierte Lokal versprüht innen wieder den Glanz der Jugendstilzeit.

Nach vier Wirte-Wechseln in vier Jahren will Alessandro Hasler das St.Galler Traditionslokal nun in ruhigere und konstantere Bahnen lenken. Hasler stammt selber aus Rotmonten und ist ein Quereinsteiger, sein Team bringt jedoch viel gastronomische Erfahrung mit. Chefkoch Luciano Perrone wirkte im «Walhalla» und im «Schoren», Samuel Knaus, der Chef de Service, kommt vom «Netts».

Überraschendes Gemüse-Carpaccio

Dass hier mit Anspruch gekocht wird, ist an diesem Abend schnell ersichtlich. Insbesondere die beiden Hauptgänge überzeugten. Sowohl die Mörschwiler Ribel-Perlhuhnbrust an Nektarine-Portweinsauce (36.50) als auch der Mittelmeer-Wolfsbarsch mit Champagner Beurre-blanc, Spinat und sehr schmackhaften Frühlingsgemüse (36.50) untermauerten die Philosophie des Lokals. Diese sieht vor, wenn immer möglich mit lokalen Produkten zu arbeiten und offen zu sein für die mediterrane Küche.

Überrascht hatte uns auch das Gemüse-Carpaccio zur Vorspeise mit seinen frischen Geschmacksnoten und der fantasievollen Kombination von Aubergine, geschmolzenem Fetakäse, Randen-Pilz-Tatar und Karottenjus (17.50).

Die Kinder teilten sich das Wiener Schnitzel mit selbstgemachten Pommes frites (39.50), das im «Wienerberg» nicht fehlen darf, wie Wirt Hasler sagt. Praktisch alles ist selbstgemacht, in der heutigen Zeit fast ein Muss, um Gästen kulinarische Erfahrungen zu ermöglichen, die sie zu Hause nicht haben und die sie in Lokalen wie dem «Wienerberg» suchen.

Das Wiener Schnitzel hatten wir zwar andernorts auch schon mit knusprigerer und luftigerer Panade genossen. Und bei der zweiten Vorspeise – gratinierte Spargeln mit Rohschinken und St.Galler Klosterkäse (21.-) – trübten ein, zwei Bitternoten den guten Eindruck. Dennoch war es ein wunderbarer Abend. Das erste Essen in einem Restaurant-Innenraum, und erst noch einem so schönen, fühlte sich an wie das Aufwachen nach einem langen verstörenden Traum.

Restaurant Wienerberg
9000 St.Gallen, Bodanstr. 2. Telefon: 071 223 16 35 www.wienerberg.info
Öffnungszeiten: Di–Fr 11 bis 14 Uhr und 17 bis 23 Uhr sowie Sa 17 bis 24 Uhr. Mittagsmenu ab 19.50- Fr.. Hauptgerichte ab 22.50- Fr.