ZU TISCH
Das «Neubädli» lockt aus der kulinarischen Komfortzone

Was Sandro und Natalie Vladani in der Genussmanufaktur Neubad auf die Teller bringen, ist innovativ und authentisch. Mit ihren «Genussportionen» und stetigen Rotationen auf der kompakten Karte laden sie ihre Gäste im St.Galler Klosterviertel ein, möglichst viel Neues zu wagen – mit Erfolg.

Luca Ghiselli
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Sandro und Natalie Vladani vor ihrer «Genussmanufaktur» an der Bankgasse im St.Galler Klosterviertel.

Sandro und Natalie Vladani vor ihrer «Genussmanufaktur» an der Bankgasse im St.Galler Klosterviertel.

Bild: Michel Canonica

Was um Himmels willen sind «Genussportionen»? Diese Frage haben Sandro und Natalie Vladani im «Neubädli», wie St.Gallerinnen und St.Galler das altehrwürdige Lokal an der Bankgasse im Volksmund liebevoll nennen, schon oft beantworten müssen. Dabei ist die Antwort einfach: Grösser als eine klassische Vorspeise, kleiner als eine klassische Hauptspeise. Die Idee dahinter: Die Gäste sollen etwas wagen und ihre kulinarische Komfortzone verlassen. Geniessen eben.

Jede Woche zwei neue Gerichte

Und das tun sie im «Neubad», seit Sandro und Natalie Vladani im Februar 2018 neu eröffneten. Die Küche ist innovativ, aber nicht gekünstelt. Die Zutaten sind allesamt saisonal. Wöchentlich verschwinden zwei Gerichte von der relativ kompakten Karte, um von zwei neuen ersetzt zu werden. Innert zwei Monaten erneuert sich die Karte so fast im Vorbeigehen. Und jeder Besuch wird zu einem neuen Abenteuer. «Das Gleiche wie immer», das gibt es im «Neubädli» nicht.

Die Speisekarte ist mit zwölf Gerichten und sechs Desserts übersichtlich, aber trotzdem vielfältig. Fischliebhaber kommen mit dem wunderbar würzigen Saku-Tuna an Sesamdressing (23.–) auf ihre Kosten. Wer’s lieber vegetarisch mag, wird mit dem aromatischen Tomaten-Allerlei – garniert mit Mozzarella, Basilikum und Pinienkernen (17.–) – sehr glücklich. Das Wasserbüffel-Tatar ist vor allem dank des heimlichen Stars des Gerichts, des körnigen und mild-scharfen Pommery-Senfs, nicht nur ein Hingucker, sondern auch eine Gaumenfreude.

Die Trockentomaten-Serviettenknödel (20.–) mit Röstzwiebeln und Eierschwämmli-Velouté haben Crunch und Finesse. Und der Crispy Pork Belly (20.–) mit Weisskabis, Soja, Sesam und Koriander ist der herzhafte Abschluss dieses kulinarischen Abenteuers. Ganz vorbei ist es aber noch nicht. Da ist ja noch das Dessert: Ein Schokoladenküchlein mit Pfirsichkompott und weisser Kaffeeglace (14.–): Grande Finale.

Auch bei Jüngeren beliebt

Dreieinhalb Jahre nach dem Neustart ist das «Neubädli» eine feste Grösse in der St.Galler Gastroszene. 14 «Gault-Millau»-Punkte, eine durchmischte Gästeschar. Gerade das jüngere Publikum schätzt den Charme des Lokals mit dem Bistro-Touch im Erdgeschoss und dem Erststockbeiz-Ambiente oben. Er koche nicht auf Punkte hin, die kämen ganz von alleine, sagt Sandro Vladani. Hauptsache geniessen und geniessen lassen.

Bankgasse 6, 9000 St.Gallen, Telefon 071 222 86 93 www.restaurantneubad.ch, Di–Sa 11.30 bis 14 und 17 bis 23 Uhr, So und Mo Ruhetage. «Genussportionen» ab 14.–, Hauptgerichte ab 29.–, Wein ab 8.–/dl.

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