Bei preisgekrönten Köchen der Region bleibt das Weihnachtsessen zu Hause  schlicht

In den preisgekrönten Restaurants der Region stehen auserlesene Gerichte auf der Speisekarte. Zu Hause in den Familien der Starköche fällt das Weihnachtsessen meist einfach aus.

Jonas Manser
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Jede Familie hat ihre eigenen Weihnachtstraditionen. Unverzichtbar bleibt dabei das Weihnachtsessen. Der Klassiker: Fondue chinoise. Bei den Starköchen Bernadette Lisibach der «Neuen Blumenau» und Werner Nöckl der Wirtschaft Ruggisberg in Lömmenschwil gibt es über Weihnachten kein Chinoise, weder im Restaurant, noch zu Hause bei der Familie.

Gebratene Appenzeller Ente an schwarzer Holundersauce gibt es bei Bernadette Lisibach in der «Neuen Blumenau». Das Weihnachtsessen der Familie fällt jedoch um einiges einfacher aus: Café complet mit Käse- und Fleischplatte sowie Salat dazu. «Bei uns ist das Weihnachtsessen immer sehr schlicht ausgefallen. Das Zusammensein, die gemeinsame Zeit, stand immer im Vordergrund», sagt Lisibach. Ab und zu habe es auch Schinken im Brotteig gegeben.

«Es braucht nicht mehr. Und mehr wäre bei uns damals auch nicht drin gelegen.» Aber auf keinen Fall habe es Fondue chinoise gegeben. Lisibach ist richtiggehend enttäuscht, dass Herr und Frau Schweizer — überspitzt gesagt — nur noch das Chinoise kennen. «Es gibt so viele andere feine Gerichte, die man kochen könnte.»

Mehr Zeit, das Fest zu geniessen

Das Fondue chinoise wird oft gewählt, weil wenig Zeit in der Küche verbracht werden muss. Doch für Bernadette Lisibach gehört die Vorbereitungszeit zum festlichen Abendessen dazu: «Miteinander kochen und geniessen», heisst ihre Devise. Anstatt eines grandiosen Menus solle man lieber ein «einfaches und ehrliches» Gericht planen.

Sie schlägt vor: Schinken im Brotteig. «Oder als Ostschweizer, wieso nicht Bratwurst mit Bürli?» Ansonsten empfiehlt sie ein Gericht, das über längere Zeit im Ofen geschmort werden muss, wie beispielsweise einen Kalbsbraten. So habe man währenddessen auch Zeit, sich um anderes zu kümmern.

Wie vermeidet sie Stress? Sie schlägt vor, nichts zu kochen, das man zuvor noch nie zubereitet hat. «Mach lieber, was du kannst.» So entstehe kein unnötiger Stress, denn die Köchin oder der Koch sollte das Fest auch geniessen können.

Wie ein ganz normaler Tag

Hochlandrind-Filet mit Champagner-Risotto heisst ein Hauptgericht über die Weihnachtszeit in der Wirtschaft Ruggisberg der Familie Nöckl. Während das Menu des Restaurants jährlich wechselt, blieb das Weihnachtsessen der Familie Nöckl seit 70 Jahren das Gleiche: Wildlachs mit verschiedenen Zutaten wie dunkles Brot, Meerrettich oder Sauerrahm.

«Wichtig ist, mit der Familie zu sein», sagt Küchenchef Werner Nöckl. Das Gericht an sich müsse dabei nicht speziell sein, sondern die Zutaten und deren Qualität. «An Weihnachten sollte etwas aufgetischt werden, das nicht alltäglich gegessen wird.» Um Stress zu vermeiden: Etwas kochen, dass man sich auch zutraut, empfiehlt Nöckl. Das Weihnachtsfest sollte in dieser Hinsicht ein ganz normaler Tag sein.

Gegen das Fondue chinoise als Weihnachtsessen hat er nichts einzuwenden. «Wenn es in der Familie nur traditionell an Weihnachten gegessen wird, ist es etwas spezielles.» Nöckl sieht das Chinoise jedoch keineswegs als einfaches Gericht: «Es ist mit viel Aufwand verbunden, wenn man alles auch wirklich selbst zubereitet.» Also das Fleisch auch selbst schneidet und die Saucen vorbereitet.

Als einfachere Alternative schlägt er beispielsweise einen Rindsbraten mit winterlichen Beilagen wie Kartoffelgratin oder Kartoffelstock vor.