Zu Gast beim Querdenker: Vorarlberger Hotelier streicht Fleisch, Alkohol, Koffein und Thein von der Speisekarte

Thomas Hämmerle ist eigentlich Architekt. Sein Bödele Alpenhotel und Restaurant führt der seit 25 Jahren vegetarisch lebende Vorarlberger aus Überzeugung.

Christina Vaccaro
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Fettarm und vegetarisch: Thomas Hämmerle setzt in seiner Hotelküche auf spezielle Naturprodukte. Bild: Christina Vaccaro

Fettarm und vegetarisch: Thomas Hämmerle setzt in seiner Hotelküche auf spezielle Naturprodukte. Bild: Christina Vaccaro

Wo viele Rorschacher und Rheintaler im Winter gerne Skifahren gehen, steht das Bödele Alpenhotel von Thomas Hämmerle. Am kurvigen Weg zum Pass hinauf fährt man von Dornbirn am bekannten Gesundheitszentrum Rickatschwende vorbei – eines der grossen Bauwerke, die der Architekt in früheren Jahren entworfen hat. Inzwischen widmet sich Hämmerle als Hotel- und Restaurantbesitzer aber vollständig dem bio-vegan-vegetarischen Bödele Alpenhotel im vorarlbergischen Schwarzenberg, das konsequent fleisch-, koffein-, thein- und alkoholfreie Speisen und Getränke serviert.

Weder Fettabscheider noch Küchenfilter

«Das Wort ‹Restaurant› bedeutet ‹Wiederherstellung›. Es ist ein Ort, an dem man sich stärkt. Die normale Gastronomie bietet aber genau das Gegenteil: Alkohol, Koffein, Zucker und jede Menge tierisches Fett», behauptet der 53-jährige Lustenauer. «Wir sind ein echtes Restaurant.» Während in konventionellen Restaurantküchen Fettabscheider und Küchenfilter installiert würden, brauche das Alpenhotel weder das eine noch das andere. Hämmerle erzählt, dass das Alpenhotel nur ein Zehntel der Fettmenge, wie sie in üblichen Küchen gebraucht wird, verwendet und die Küchenluft seit der Eröffnung vor vier Jahren nie nach Fett gerochen hat.

Ob Hotelgast oder vorbeiziehender Wanderer: Anstelle des klassischen Espresso gibt es am Frühstücksbuffet oder für zwischendurch Kaffee, Macchiato und Espressovarianten aus koffeinfreien Lupinenbohnen. Wer sich ein Gläschen Wein gönnen will, kann dies mit alkoholfreiem Chardonnay oder Riesling tun.

Seine Schule machte Schule

Wichtig sind Hämmerle der Geschmack und die Qualität des Essens. «Mit Menschen geht man den ersten Schritt, nicht den fünften: Wir bieten leckere Speisen an, auch wenn das eine oder andere Gericht noch unvertraut ist», sagt der Hotelbesitzer.

Hämmerle ist ein Querdenker und Pionier, dem es noch nie an Ideen gemangelt hat. Als es um die Einschulung seines ältesten Sohnes Jakob ging, wurde aus dem Vorhaben, ihn zu Hause zu unterrichten, eine kleine Privatschule, die schliesslich aufgrund ihres Erfolges nach vier Jahren eine Schule mit Öffentlichkeitsrecht wurde.

Gäste auch aus Zürich

Mehr als ein Drittel von Hämmerles Hotelgästen sind Schweizer. «Sie schätzen die Schweizer Aussicht mit österreichischen Preisen», scherzt er. Rheintaler, Rorschacher, St. Galler, selbst Zürcher zieht es als Tages- oder Übernachtungsgäste ins Alpenhotel Bödele. Das Hotel selbst fällt nicht nur durch seinen ungewöhnlichen gastronomischen Ansatz auf, es sticht auch architektonisch mit seinem Landhausstil und der Vollholz-Einrichtung heraus. Architektur heisst für den Fachmann indes mehr als das blosse Planen von Gebäuden. Hämmerle sagt: «Der Begriff bedeutet Dinge entwerfen, gestalten und umsetzen. Es gibt auch eine Architektur der Gesellschaft, der Politik, des Gesundheitswesens.»