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Eine Hängematte, drei Paar Socken und ein Hemd: 36-Jähriger will abnehmen und wandert deshalb 16'000 Kilometer bis nach Tokio

16'000 Kilometer bis nach Japan will Christian Adeler gehen und im nächsten Sommer dort die Olympischen Spiele besuchen. Auf seinem Weg entlang der Seidenstrasse ist ihm ein Gegenstand heilig.
Sandro Büchler
«Die Füsse sagen, was geht», sagt Christian Adeler bei seinem Halt in St.Gallen. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

«Die Füsse sagen, was geht», sagt Christian Adeler bei seinem Halt in St.Gallen. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Mit der Hornbrille, der Schirmmütze und der sportlichen Kleidung sieht Christian Adeler aus wie ein gewöhnlicher Wanderer, der sich zum Alpstein aufmacht. Doch der 36-Jährige hat ein weiter entferntes Ziel: Tokio.

Adeler will 16'000 Kilometer gehen. Von seinem Wohnort in Lauchringen bei Waldshut am Rhein ist er vor einer Woche aufgebrochen. 16 Monate Wanderzeit liegen vor ihm, 16 Länder, von Kroatien, über die Türkei, Georgien, dem Iran, Turkmenistan, China bis nach Japan. Seinen ersten Halt macht er in St. Gallen.

Wieso diese Strapazen?

«Zu Hause bin ich auf die Waage gestanden.»

Da sei zu viel auf den Rippen gewesen. Doch statt sich ein Fitnessabo zu kaufen, begann Adeler zu planen. Er sei schon früher «kürzere» Strecken zu Fuss gegangen; 2650 Kilometer in den spanischen Pilgerort Santiago de Compostela zum Beispiel. Nun wolle er mehr. «Europa ist aber im Norden, Süden und Westen begrenzt. Daher zog es mich Richtung Osten.» In Tokio finden in eineinhalb Jahren die Olympischen Sommerspiele statt. «Das ist ein gutes Ziel.»

Eine Hängematte, drei Paar Socken, ein Hemd

Er sei ein Energiebündel und Adrenalinjunkie. «Und ich liebe Canyoning im Tessin.» Adeler ist aber auch Fussballtrainer. Zudem ist er als selbständiger Berater im akademischen Bereich tätig. «Ich versuche Menschen beruflich, und in meiner Freizeit mental voranzubringen.»

Die laminierte Marschtabelle: Hält sich Adeler an die linke Spalte wird er Anfang Mai 2020 in Japan ankommen; ist er etwas langsamer unterwegs, kommt die rechte, rote geschriebenen Spalte zum Zug. Dann sei er im Juni in Tokio. Die Olympischen Spiele beginnen am 24. Juli 2020. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Die laminierte Marschtabelle: Hält sich Adeler an die linke Spalte wird er Anfang Mai 2020 in Japan ankommen; ist er etwas langsamer unterwegs, kommt die rechte, rote geschriebenen Spalte zum Zug. Dann sei er im Juni in Tokio. Die Olympischen Spiele beginnen am 24. Juli 2020. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Beschwingt geht der Deutsche seinen Weg. Zwei Marschtabellen hat er sich zurechtgelegt. Bestenfalls sei er Anfang Mai 2020 in Japan. «Dauert es etwas länger, wird es Juni», sagt Adeler. Zu Beginn wolle er es locker angehen. 20 Kilometer am Tag sei das Ziel, danach will er sich auf 37 bis 40 Kilometer täglich steigern.

«Die Füsse sagen, was geht.»

In seinem Rucksack hat Adeler das Nötigste: Eine Hängematte, über die er ein Zeltdach spannen kann, Adressen von Botschaften, ein GPS-Gerät, einen Schlafsack, drei Paar Socken, ein Hemd. «Ich will nicht wie ein Landstreicher aussehen.» Zivilisiert wolle er wandern. Auch wenn er zwischendurch etwas stinke, mache ihm das nichts aus.

«Aber meine Zahnbürste ist mir heilig.»

Adeler will sich ganz auf seine Wahrnehmung verlassen. Mit seinen eigenen Augen sehen, wie die von Ort zu Ort unterschiedlichen Kulturen und das Klima den Charakter der Menschen prägen. «Das unterschiedliche Lachen in den Gesichtern fasziniert mich.»

«Wenn du gehst, verlangsamt sich die Zeit»

In jedem Land auf seinem «Weltweg», wie er es nennt, will Adeler Denksteine platzieren. «Das sollen Plätze zum Nachdenken sein und dazu ermutigen, die eigene Perspektive zu hinterfragen.» Es seien die kleinen Momente in einer schnelllebigen Welt, worauf er achte. Eine Tasse Kaffee am Morgen, ein trockenes Plätzchen angeboten bekommen oder ein Freundschaftsarmband. Die Zeit verlangsame sich, wenn man durch die Landschaft gehe und kein Fahrzeug benutze.

Zu Hause hat Adeler seine Freundin und ihr Kind zurückgelassen. Nur einige rote Papierherzen von ihr hat er in einem Bucheinband bei sich. Adeler möchte den Kontakt mit der Heimat in Grenzen halten, auch keine Zeitung lesen. Er fokussiere einzig auf die Erlebnisse seiner Reise.

«Egal was auch passiert, ich würde meinen Weg nicht abbrechen und nach Hause fliegen.»

Adeler macht sich keine grossen Gedanken über die kommenden Monate. Er lebt den Moment. Auf die Frage, was er zuerst in Tokio machen werde, denkt er lange nach: «Dankbarkeit zulassen – und richtig gutes Sushi essen.»

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