Bezahlen per App in Hofläden: Nicht alle Bauern der Region Rorschach werden damit warm

Der Schweizer Bauernverband befürwortet die Nutzung der Bezahl-App Twint und will sie den Bauern für ihre Hofläden schmackhaft machen. In der Region Rorschach gibt es aber noch Skepsis.

Laura Manser
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Bei Beeren Troxler in Goldach konnten Kunden schon im vergangenen Sommer mit «Twint» bezahlen. (Bild: Martin Rechsteiner)

Bei Beeren Troxler in Goldach konnten Kunden schon im vergangenen Sommer mit «Twint» bezahlen. (Bild: Martin Rechsteiner)

Mit dem Zahlen an unbedienten Hofläden ist es so eine Sache: Wenn Kunden etwas einkaufen wollen, aber zu wenig Kleingeld bei sich haben, kaufen sie entweder nichts oder zahlen zu wenig. Das schreibt der Schweizer Bauernverband. Jetzt soll eine App helfen: Mit «Twint» können Kunden einen QR-Code im Hofladen scannen. Dieser ist mit dem Bankkonto des Bauern verbunden. Der Käufer kann den Betrag eintippen, der sogleich überwiesen wird.

Der Bauernverband hilft beim Einrichten der Zahlungsmethode. Bauern können sich auf seiner Webseite anmelden und erhalten einen QR-Code-Sticker. Diesen müssen sie im Hofladen sichtbar anbringen. Nachdem das Vorgehen im Kanton Aargau getestet wurde, steht es nun allen Schweizer Bauern offen.

Die Meisten überlegen noch

Der Landwirtschaftsbetrieb Troxler Schlossguet in Untereggen will die bargeldlose Zahlungsmethode ausprobieren: «Beim Blumenfeld haben wir keinen Strom. Da wir dort somit kein Kreditkartenterminal benutzen können, ist die Twint-App eine gute Lösung.» Und bei Beeren Troxler in Goldach kam «Twint» im vergangenen Sommer schon zum Einsatz, allerdings in der Version, die per Telefonnummer und hinterlegter Kreditkarte funktioniert. «Das mit dem QR-Code überlegen wir uns noch.»

Anders sieht es beim Lehner Biohof in Rorschacherberg aus. «Mit der App könnten wir leicht den Überblick verlieren. Wir werden erst umsatteln, wenn es wirklich nötig wird», sagt Betriebsleiterin Karin Lehner. Die Betreiber des Hofstands Hürlimann wie auch jene des Hoflädelis Germann, beide in Goldach, überlegen noch. Silvia Hürlimann sagt:

«Vielleicht werden wir die App verwenden, wenn Kirschenzeit ist. Dann herrscht mehr Betrieb, die Kundenbeträge sind grösser»

Laut dem Schweizer Bauernverband ist die Nachfrage nach der Twint-App gross. «Landesweit sind schon über 100 Betriebe auf unserer Webseite angemeldet», sagt Projektleiterin Andrea Oldani. Die App sei sicher, denn Betriebe hätten keine monatliche Gebühr, sondern zahlen 1,3 Prozent Kommissionssatz pro Transaktion. «Jeder Betrieb muss für sich entscheiden. Wir jedenfalls unterstützen ‹Twint›.»

«App erfüllt Anforderungen der Banken»

Laut der Medienstelle von «Twint» ermöglichen 73 schweizer Banken ihren Kunden, bei der App mitzumachen. «Die Sicherheit entspricht den Anforderungen der Schweizer Banken und darf damit als sehr gut bezeichnet werden», sagt Medienbeauftragter Victor Schmid.

Der Vorteil von «Twint» gegenüber den Konkurrenten sei die direkte Verbindung zum Bankkonto als Debitzahlungsinstrument. Somit brauche es nicht unbedingt eine Kreditkarte, um mit «Twint» zu bezahlen. Ausserdem sei eine Überweisung in Sekundenbruchteilen von einem Handy zu einem anderen nur über «Twint» möglich, da sie unabhängig von der Plattform funktioniere. «Weiter kann man damit auch an Orten zahlen, wo keine elektronische Zahlungsterminals vorhanden sind, die für Kartenzahlungen notwendig sind», sagt der Medienbeauftragte. Und die Zukunft der App sehe gut aus: Neuregistrierungen und Transaktionsanzahlungen steigen laufend.

«Wir sind zuversichtlich, dass ‹Twint› in der Schweiz eine echte Alternative zur Barzahlung darstellt. Denn heute vergessen die Leute eher ihr Portemonnaie zu Hause oder haben kein Münz dabei, als dass sie ihr Smartphone nicht dabei haben», sagt Schmid. Die Nutzer, die «Twint» regelmässig gebrauchen, seien zufrieden mit der App