Nach Plänen von Architekt Sou Fujimoto: Universität St.Gallen baut Lernzentrum

Die Universität St. Gallen plant ein neues Lernzentrum. Der würfelförmige Neubau soll die Platznot lindern und die HSG fit für künftige Lernformen machen. Das Projekt liegt derzeit öffentlich auf.

Roger Berhalter
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Ein Zimmer ist mit «Inspiration & Interaktion» beschriftet, ein anderes mit «Experimentelles Lernen». Beim Betrachten der Baupläne des neuen HSG Learning Centers wird schnell klar, dass die Universität St. Gallen nicht einfach neue Vorlesungssäle plant, sondern sich für das Lernen der Zukunft rüstet.

Statt Frontalunterricht sollen im Lernzentrum Debatten, Simulationen und Rollenspiele möglich sein. Interaktives, integrierendes, vernetzendes und selbstgesteuertes Lernen, so lauten die Schlagworte aus dem Betriebskonzept. Das Projekt liegt bis 20. Februar im Amt für Baubewilligungen auf.

Wie das Lernen der Zukunft aussieht, weiss auch Sou Fujimoto nicht, wie der japanische Architekt im vergangenen August gegenüber dieser Zeitung bekannte. Fujimoto hat das Lernzentrum deshalb möglichst flexibel gestaltet. Sein Entwurf «Open Grid» sieht ein Gebäude aus Würfeln vor, die in einem Raster angeordnet und aufeinandergeschichtet sind.

Der Bau ist bis zu 18,5 Meter hoch und bietet zahlreiche begrünte und zum Teil begehbare Dachterrassen. Im Innern stehen 5700 Quadratmeter für Unterricht und Lernen zur Verfügung. 500 neue Lernplätze sollen entstehen.

Zum Vergleich: Derzeit stehen in der Universität für über 8500 Studentinnen und Studenten nur 400 Lernplätze zur Verfügung. Der Würfel-Bau wird die Kapazität also mehr als verdoppeln und damit die notorische Platznot an der Universität lindern. Zusammen mit dem neuen HSG-Campus am Platztor, einem weiteren aktuellen Grossprojekt der Universität.

Bankette und Vorträge im Erdgeschoss

Im Inneren des Lernzentrums können Wände verschoben und Räume verwandelt werden. Die Baupläne zeigen für das Erdgeschoss verschiedene Nutzungsszenarien: Entweder stehen dort Lernpulte in Reih und Glied, oder aber runde Tische gruppieren sich zu einer Bankett-Situation, oder der Raum präsentiert sich klassisch als Vortragssaal. Anlässe für bis zu 600 Personen sollen möglich sein.

In der Studienphase ist das HSG-Lernzentrum vor allem für den Unterricht reserviert, während der Lern- und Prüfungsphasen hingegen stehen die Lernplätze im Vordergrund.

Erschlossen wird das Lernzentrum über die Guisanstrasse. Neue Parkplätze sind nicht geplant. Im Untergrund wird der Neubau mit dem bestehenden Bibliotheksgebäude verbunden sein.

Mit Spenden 60 Millionen zusammenbringen

Rund 60 Millionen Franken veranschlagt die HSG-Stiftung als Bauherrin für das Lernzentrum. Der Betrag soll allein durch private Geldgeber zusammenkommen. Gut 45 Millionen Franken sind gemäss Spendenbarometer schon gesammelt.

Die Bauzeit soll gemäss Baugesuch etwa von August 2019 bis August 2021 dauern. Während dieser Zeit wird auch ein Teil der Familiengärten für Bauinstallationen belegt sein, allerdings soll der Neubau den Naturgarten und die Familiengärten flächenmässig nicht tangieren, wie es im Projektbeschrieb heisst. Bis zum Frühlingssemester 2022 soll das «dringend benötigte Gebäude» in Betrieb sein.