Workout statt Muki-Turnen: In Abtwil machen Vierjährige Crossfit

Crossfit wird als härtestes Training der Welt vermarktet. In Abtwil üben es auch Vierjährige aus. Dabei sollen die Kinder vor allem Spass haben. Sie lernen jedoch auch, das Wasser gesünder als Cola ist.

Perrine Woodtli
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Valentino Herrera zeigt einer Schülerin, wie sie die Übung richtig ausführt. (Bild: Perrine Woodtli (22. Mai 2019))

Valentino Herrera zeigt einer Schülerin, wie sie die Übung richtig ausführt. (Bild: Perrine Woodtli (22. Mai 2019))

Mittwochnachmittag in der Crossfit Abtwil & Workout Academy. Inhaber Valentino Herrera steht in der Trainingshalle. Er trägt ein rotes Shirt, auf seiner Brust prangt das Wort Coach. Herrera wartet auf seine Crossfit-Schüler. Crossfit ist ein Trainingsprogramm, das auf funktionellen Übungen basiert, die permanent variieren und mit hoher Intensität durchgeführt werden. Bei Crossfit denken viele unweigerlich an aufgepumpte Sportler. Herrera trainiert heute Kinder. Das jüngste ist vier, das älteste acht Jahre alt.

Das «härteste Workout der Welt», wie Crossfit oft betitelt wird, und kleine Kinder – wie passt das zusammen? Die meisten Leute hätten ein falsches Bild, sagt der Ex-Boxprofi. «Sie schauen sich Videos an und sehen diese durchtrainierten Leute.»

Doch das Training sei für alle geeignet – egal ob Frauen oder Männer, ob 20-, 60- oder eben Vierjährige.

«Crossfit ist nicht zu krass. Die Intensität des Trainings wird dem Alter und dem Niveau angepasst.»

Beim Crossfit Kids stehe zudem klar der Spass im Vordergrund. «Unser Ziel ist es, den Kindern einen spielerischen Zugang zu funktionaler Fitness zu ermöglichen.»

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Seit längerem geplant

Die Crossfit Abtwil & Workout Academy ist laut Herrera der erste Betrieb im Raum St.Gallen, der dieses Training für Kinder anbietet. Geplant hatte der 32-Jährige das schon länger. Ende 2018 absolvierten er und seine Mitarbeiterin Aurelia Damann eine Weiterbildung in Mailand. Denn wer Kinder trainieren will, braucht ein Diplom.

«Leider gibt es auch Leute, die einfach so Kinder trainieren. Das ist nicht optimal.» Schliesslich sei das Training «total anders» als mit Erwachsenen. Das strengste sei, die Aufmerksamkeit der Kinder zu gewinnen – und zu behalten. Denn sie seien schnell abgelenkt. «Und auch auf die Wortwahl muss man achten», sagt Aurelia Damann.

Spiele und Gorilla-Squats

Es ist kurz nach drei Uhr, ein Kind nach dem anderen betritt den Raum. Die drei Mädchen und drei Buben tragen Leggins, Sporthosen und bunte Turnschuhe. Einige ziehen sich kurz um, dann geht’s los. Schnell wird klar, was Herrera mit der Aufmerksamkeit gemeint hat. Die Buben schwatzen und albern herum. Ein Mädchen guckt verträumt in die Gegend. Heute können sie Punkte sammeln – sie sollen sich also besonders anstrengen, betont ihr Coach.

Nach einem kurzen, lockeren Aufwärmespiel stellen sich alle in einer Reihe auf. Valentino Herrera und Aurelia Damann zeigen die Übungen vor. Squats – also Kniebeugen – stehen an. Hier heissen sie Gorilla-Squats. Die Kinder gehen in die Knie und trommeln sich dabei auf die Brust, begleitet von lauten Geräuschen. Herrera erklärt:

«Wir arbeiten viel mit Tierli-Beispielen. Das macht es für sie verständlicher.»

Ein Mädchen ist zunächst schüchtern und will die Übung gemeinsam mit ihrem Vater machen, der zum Zuschauen gekommen ist. Er stellt sich neben sie und macht ebenfalls Gorilla-Squats – im Anzug. Während die Kleinen mühelos in die Hocke gehen und wieder aufstehen, hat der Erwachsene etwas mehr Mühe. «Kinder sind sehr beweglich», so Herrera. «Das lässt mit dem Alter nach.» Immer wieder loben er und seine Kollegin die Kinder. «Das ist ganz anders bei Erwachsenen», sagt Damann. «Ihnen sagen wir, was sie schlecht machen.»

Apfel und Broccoli gut, Pizza und Nutella schlecht

In jedem Training gibt es auch einen Ernährungsteil. Dieses Mal ordnen die Kinder Lebensmittel in die Kategorien «Gut» oder «Schlecht» ein. Einen Daumen nach oben bekommen Äpfel, Bananen und Broccoli. Nach unten geht er für Pizza, Cornflakes und Nutella.

Doch muss sich bereits ein Vierjähriger mit der Ernährung befassen? Er müsse natürlich nicht, sagt Hererra. «Es geht uns nicht darum, ihnen zu sagen, was sie essen sollen. Klar lieben die Kids Pommes frites und Co. Aber sie sollen wissen, dass Wasser gesünder als Cola ist.» Mit Basisinfos könne man die Kinder in die richtige Richtung lenken. «Je früher man damit anfängt, desto besser.»

Zum Schluss können sich die Kinder in einem Parcours austoben. Sie klettern über Matratzen, hüpfen einer Hüpfleiter am Boden entlang oder rollen Medizinbälle hin und her. Die Kinder strahlen, wenn sie für einen erfolgreichen Durchlauf einen Punkt erhalten. Nach 40 Minuten ist das Training zu Ende, die Backen sind rot. Die zwei mit den meisten Punkten gewinnen den am Anfang versprochenen Preis; eine Frucht.