Wohnraum statt Fliessband: Das Rorschacher Feldmühle-Areal wird umgenutzt

Aus einer Industriebrache soll Rorschachs neuer Stadtkern entstehen. Alles wird aber nicht abgerissen. An einem Zeitzeugen liegt der Bevölkerung besonders viel.

Jolanda Riedener
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Auf dem ehemaligen Feldmühle-Areal soll ein neuer Stadtkern entstehen. (Bild: PD)
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Gassen sollen den Blick auf die Evangelische Kirche freigeben. (Bild: PD)
Die Planer öffneten die Fabrikhallen für die Bevölkerung und zeigten die Überbauungspläne. (Bild: Jolanda Riedener)
Architekt Arno Bruderer erzählt am Stadtapéro, wie die Planer vorgegangen sind. (Bild: Jolanda Riedener)
Stadtpräsident Thomas Müller(links) und Beat Käser von der Steiner AG präsentierten ihr Vorhaben am Donnerstagabend. (Bild: Jolanda Riedener)

Auf dem ehemaligen Feldmühle-Areal soll ein neuer Stadtkern entstehen. (Bild: PD)

Viele Rorschacher nutzten die Gelegenheit, um sich die Gewerbehalle auf dem Areal Feldmühle von innen anzusehen. Für die Hafenstadt ein geschichtsträchtiger Ort, denn dies war der Firmensitz der grössten Stickereifabrik der Welt. Nachdem der Klebeband-Hersteller Scapa 2016 die Hafenstadt verliess, standen die Hallen leer. Gemäss Stadtpräsident Thomas Müller hat sich durch den Wegzug eine unerwartete Dynamik ergeben.

«Der Stadtrat hatte damals mit der Scapa eine Projektgruppe eingesetzt, um die städtebaulichen Leitlinien zu erarbeiten», sagt Müller vor 170 Anwesenden. Dabei ging es nicht um die Architektur sondern darum, die Volumen und Lage der künftigen Bauten zu bestimmen. «Das, was neu entsteht, muss zusammenpassen», sagt Müller.

Beat Käser, Steiner AG. (Bild: jor)

Beat Käser, Steiner AG. (Bild: jor)

Die neue Eigentümerin des Areals ist die Steiner Investment Foundation. Auf der Grundlage der städtebaulichen Leitlinien führte sie einen Studienwettbewerb durch. Die besten drei Entwürfe wurden am Donnerstagabend präsentiert. Ziel sei es, die Stadt weiter zu bauen und Wohn- sowie Gewerberaum für die breite Bevölkerung zu schaffen, sagt Beat Käser, Projektleiter der Steiner AG. Weiterverfolgt wird ein Projekt der Baumberger & Stegmeier Architekten.

«Das Siegerprojekt überzeugt, weil die Architekten mit den bestehenden Gebäuden arbeiten», sagt Käser. Auch sei die grosse Differenzierung der geplanten Bauten ansprechend und das Potenzial des Areals werde ausgenutzt. «Wir wollen das Rad nicht neu erfinden», sagt Architekt Arno Bruderer. Geplant sind acht verschiedene Haustypen. Neben Miet- und Eigentumswohnungen entstehen Gewerberäume. Die Fabrikhalle an der Feldmühlestrasse bleibt erhalten, hier entstehen zum Teil zweigeschossige Wohnungen, die von aussen erschlossen werden, um die bestehende Struktur zu erhalten. «Dachaufbauten sollen an das ehemalige Industrieareal erinnern», sagt Bruderer.

Der Kamin soll stehen bleiben

Auch erhalten bleibt der charakteristische Kamin. Er liegt insbesondere Guido Etterlin (SP) am Herzen: «Er ist ein Markenzeichen.» Zwar wolle man den Kamin integrieren, versichert Käser. Sollte das Relikt jedoch die Sicherheit gefährden, müsse es wohl oder übel weichen.
Ein Votant forderte die anwesenden Stadtpräsidiumskandidaten auf, sich zum Projekt zu äussern. «Bisher war das eine Brache ohne Wertschöpfung, nun wird das Areal öffentlich», sagt Etterlin. Er lobt die denkmalpflegerischen Aspekte und Fassaden, die erhalten bleiben.

Auch Robert Raths (FDP) lobt das Vorhaben: «Es ist top, wie dieses zukunftsweisende Projekt Alt und Neu vereint.» Raths spricht von einer Aufwertung für Rorschach.

Bereits 2025 könnte das Projekt fertiggestellt sein, so das ehrgeizige Ziel der Projektleitung. Demnächst wird das Vorhaben von Kanton und Stadt geprüft und 2020 öffentlich aufgelegt. «Sollte alles reibungslos verlaufen, ist unser Ziel realistisch», sagt Käser. Unvorhergesehenes könne es immer geben. Was die Altlasten im Boden betrifft, so haben Untersuchungen stattgefunden.

Fabrikhallen zwischennutzen

Als nächstes sollen Gestaltungsplan und Umzonung folgen, so werden die Ergebnisse aus dem Architekturwettbewerb verbindlich. Die Ausarbeitung des Gestaltungsplans erfolge in enger Zusammenarbeit mit der Stadt. In der Zwischenzeit soll das Areal für die Bevölkerung offen stehen. «Denkbar ist die Durchführung von Veranstaltungen», sagt Käser. Auf ihrer Webseite will die Firma laufend über den Stand informieren.

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