Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Glosse

Wo sind die ukrainischen Fans?

Europa League im Kybunpark: Die Tessiner vom FC Lugano gegen den 15-fachen ukrainischen Meister Dynamo Kiew. Ein Spiel im zweitwichtigsten europäischen Fussballwettbewerb. Doch etwas fehlt: Die Fans.
Sandro Büchler
Das sind alle Fans von Dynamo Kiew, die am Donnerstagabend für das Europa-League-Spiel gegen den FC Lugano, in den Kybunpark angereist sind. 97 Fans an der Zahl. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

Das sind alle Fans von Dynamo Kiew, die am Donnerstagabend für das Europa-League-Spiel gegen den FC Lugano, in den Kybunpark angereist sind. 97 Fans an der Zahl. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

Ein Spiel auf europäischem Topniveau verspricht am Donnerstag die Affiche zwischen dem FC Lugano und Dynamo Kiew in der Europa League. Der Dritte der vergangenen Super-League-Saison trifft auf den 15-fachen ukrainischen Meister. Da das Stadion der Tessiner den Ansprüchen der Uefa nicht genügt, mussten sie aber ins Exil im St.Galler Kybunpark ausweichen.

Ein solches Spiel verspricht auch viele Fans in der Stadt. Zumal Dynamo Kiew bekannt ist für seine treuen Fans, die der Mannschaft fast überall hin folgen. Wo in der Stadt stimmen sie sich auf das Spiel ein? Bei einem Bier in der Süd-Bar? Nein, da ist niemand. Oder im O’Five-Pub? Auch nichts. Nächster Versuch: Bermudadreieck. Einige Männer gönnen sich ein Feierabendbier – aber keine ukrainischen Fans.

In der Stiftsbibliothek sei am Nachmittag eine Gruppe von etwa 20 Ukrainern gewesen, sagt die Frau an der Kasse. Wohl eher Familien. Sie habe sich noch gewundert über die blau-weissen Schals.

Auf dem Gallusplatz: ukrainische Wortfetzen. «Sind Sie Fans von Dynamo Kiew?» «Vielleicht», antwortet einer der sechs Männer. Den zwei von ihnen mit Stiernacken will man lieber nicht in der Nacht begegnen. Sie seien nicht zum ersten Mal in der Schweiz, erzählen sie. Fussballspiele in Bern und Thun hätten sie schon besucht. Aber in St.Gallen seien sie noch nie gewesen. «Es ist eine schöne Stadt.» Aber teuer sei es hier. Einer zückt 10 Griwna, die ukrainische Währung. «Behalte das Geld!», sagt er. Die Banknote habe ohnehin nur einen Wert von umgerechnet 40 Rappen. Das Eis scheint gebrochen zu sein. Doch bei der Frage nach einem Foto, werden ihre Augen schmal. Für einen kurzen Moment wird es unwohl. «Nein, lieber keine Fotos.» Die Sechsergruppe geht weiter Richtung Hotel Einstein. Ob sie da residieren?

In der Engelgasse tauchen doch noch zwei Dynamo-Fans auf. Vater und Sohn. Sie sind aus Nürnberg mit dem Auto angereist. «Vier Stunden», sagt der 10-Jährige. Sein Vater sei in Kiew geboren, er in Nürnberg. Der Vater spricht fliessend Deutsch, der Bub sowieso. Wenn es nicht zu weit sei, reise er mit seinem Sohn an fast alle Spiele von Dynamo Kiew in Europa. Der 40-Jährige schätzt, dass maximal 500 ukrainische Fans für das Spiel anreisen werden. «Die berüchtigten Ultras von Dynamo kommen wahrscheinlich nicht.» Denn für sie sei die Einreise in die Schweiz zu kompliziert. Sie bekämen kein Visum.

Hätte Dynamo Kiev nicht vor kurzem den Trainer gewechselt, wäre der 40-Jährige auch nicht an das Spiel in St.Gallen gefahren. «Die Mannschaft war in einem desolaten Zustand. Doch der neue Trainer hat sie richtig hart trainiert.» In der Europa-League-Gruppe seien mit Lugano, Malmö und Kopenhagen allesamt «machbare Gegner». Er rechnet mit sechs Siegen seiner Mannschaft. Den zweiten müsse sie aber praktisch ohne Unterstützung schaffen: Im Kybunpark sind am Abend trotz europäischem Topniveau kaum mehr Fans anwesend als am Nachmittag in der Innenstadt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.