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Glosse

Breite Ufer und Sandbänke: Wo ist der Bodensee geblieben?

Ein ungewohntes Bild zeigt sich in der Region Rorschach: Der Seegrund liegt vielerorts trocken. Immerhin könnte das Ländereck so geografisch enger zusammenrücken.
Jolanda Riedener
Wo sich normalerweise der See erstreckt, ist nur Sand übrig. Verantwortlich dafür ist der heisse, regenarme Sommer. (Bild: Jolanda Riedener)

Wo sich normalerweise der See erstreckt, ist nur Sand übrig. Verantwortlich dafür ist der heisse, regenarme Sommer. (Bild: Jolanda Riedener)

Ein eigenartiges Gefühl. Vom Wasser über viele Jahre glatt geschliffene Steine wölben sich am Seeufer, das momentan besonders breit ist. Laufen ist mühsam – manche Steine sind so gross und rund wie Mangos oder Orangen, anderes mehr wie Clementinen oder Aprikosen – ein Balanceakt, der Achtsamkeit verlangt.

Im Hörnlibuck in Rorschacherberg sind Badende normalerweise an dieser Stelle von Wasser umgeben. Wer ungeschickt ist und stolpert, landet unversehrt im Nass. Doch diesen Winter hat sich der See zurückgezogen und den Grund freigelegt. Hunderte Muscheln, weisse und braune, klemmen zwischen den mit Algen überzogenen Steinen. Dazwischen Sand, Seegras und Laub.

Auch bei der Rorschacherberger Badi Hörnlibuck ist ein Spaziergang auf dem Seegrund ohne weiteres möglich. (Bild: jor)

Auch bei der Rorschacherberger Badi Hörnlibuck ist ein Spaziergang auf dem Seegrund ohne weiteres möglich. (Bild: jor)

Gesucht: Bodensee

Jeder Schritt führt in unbekanntes Terrain. Im Sommer gehört es den Fischen, Enten und Badenden. Jetzt zieht es Neugierige an: Die Fussstapfen im Sand verraten sie. Bei der «Tagblatt»-Redaktion in Rorschach gingen bereits Vermisstmeldungen auf. «Wo ist der See geblieben?», schreibt ein Leser unter eine Aufnahme vom Rohrspitz, wo Spaziergänger auf dem sandigen Seeboden unterwegs sind.

Am Berg liegt derweil Schnee. Die Liegewiese beim Hörnlibuck dagegen ist so grün, wie sie den ganzen Sommer nie war. Dafür ist sie übersät mit Häufchen: Der Regen lockt Würmer aus der Erde. Auch die Staader Badi Speck ist verlassen, Laub sammelt sich im leeren Bassinbecken. Möven setzten kreischend zum Abflug an. Dunkle Wolken verdecken den Himmel. Die Bodenseebucht zwischen dem Hafen und der Badi gleicht mehr einer Sandebene. Der Regen bildet Pfützen auf dem weichen Seegrund. Der Bootssteg beim Restaurant Weisses Rössli ist verlassen. Wellen gibt es kaum.

Sand soweit das Auge reicht: Bei der Badi Speck in Staad ist das Ufer trocken. (Bild: jor)

Sand soweit das Auge reicht: Bei der Badi Speck in Staad ist das Ufer trocken. (Bild: jor)

Treffpunkt auf dem Seegrund statt auf dem Eis

Das Deutsche Ufer ist an diesem Vormittag nicht sichtbar. Doch der Pegel ist so tief, dass der See innerhalb weniger Monate sichtbar geschrumpft ist. Grosse Teile des Untersees liegen bereits trocken. Das hat Auswirkungen auf den Fischereibetrieb und die Elektrizitätsversorgung. Gemäss Fachleuten soll der Bodensee in 40000 Jahren sogar ganz verschwinden. Denn der Rhein würde das Becken mit angeschwemmtem Sand und Kies zuschütten.

Beinahe 60 Jahre ist es her, als der Bodensee zufror. Er lockte drei Länder aufs Eis. Das Ereignis wurde zum Volksfest. Nun steht das nächste Treffen auf dem Bodensee womöglich bald bevor – dieses Mal allerdings auf dem Grund statt auf der zugefrorenen Oberfläche. Rückt das Dreiländereck geografisch zusammen, klappt es wohl auch mit dem Austausch untereinander besser. Schliesslich kann man voneinander profitieren und gemeinsam die Region stärken.

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