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Wo Güterwagen kommen und gehen: Ein Augenschein im Gossauer Güterbahnof

Tiefkühlkost, Kosmetik, Elektronik: Ganze Wagen-Karawanen erreichen Gossau täglich per Bahn. Auf dem Güterbahnhof leisten Kranfahrer Akkordarbeit, während der Fahrplan einen engen Takt vorgibt.
Noemi Heule
40 Tonnen schweben scheinbar schwerelos durch die Luft. Der Stapelkran auf dem Gossauer Güterbahnhof verlädt täglich bis zu 40 Container. (Bilder: Benjamin Manser)

40 Tonnen schweben scheinbar schwerelos durch die Luft. Der Stapelkran auf dem Gossauer Güterbahnhof verlädt täglich bis zu 40 Container. (Bilder: Benjamin Manser)

Von Gossau bis nach Istanbul. Rechnet man alle Wagen zusammen, die jährlich per Schiene die Ostschweiz erreichen, würde der Güterzug bis in die türkische Grossstadt reichen. 150 000 Wagen transportiert SBB Cargo pro Jahr in die Ostschweiz. Ein Grossteil davon wird in Gossau umgeschlagen. Fünf Gleise zwischen dem Bahnhof und dem Industriequartier im Westen der Stadt sind für die Güter reserviert, die tagtäglich aus aller Welt eintreffen oder Gossau auf der Schiene wieder verlassen.

Stationsleiter des Güterbahnhofs Gossau

Stationsleiter des Güterbahnhofs Gossau

Nach Istanbul fährt allerdings kein Zug ab Gossau. Dafür nach Basel, Renens, Genf und retour. 2,7 Prozent ihres Gesamtaufkommens hat SBB Cargo im vergangenen Jahr in Gossau abgewickelt. Hier werden die Güter verteilt und auf dem Gleis weiter in Richtung Arnegg, Winkeln oder St. Gallen geschickt. Oder sie werden von der Schiene auf die Strasse umgeladen. Dafür gibt es seit 2015 eigens einen sogenannten Containerterminal, um täglich bis zu 50 Container, Wechselbehälter oder Sattelauflieger umzuschlagen, von Lastwagen auf Bahnwaggons und umgekehrt. «Wir stossen bereits wieder an unsere Kapazitätsgrenzen», sagt Andreas Giezendanner.

Der Stationsleiter des Güterbahnhofs Gossau steht auf dem weitläufigen Lastwagen-Wendeplatz, seine Weste leuchtet neonorange unter der brennenden Sonne. Nur der Helm, ebenfalls in orange, wirft einen Schatten auf sein Gesicht. Hinter ihm hebt ein Stapelkran einen Container aus der Verankerung. Das massige Gefährt, 75 Tonnen schwer, muss Millimeterarbeit verrichten. Vor und zurück, ein wenig nach links dann wieder nach rechts korrigiert der Fahrer, bis die Keile einrasten. Und rund 40 Tonnen scheinbar schwerelos durch die Luft schweben.

Währen die Sonne am frühen Nachmittag hoch über den Gleisen steht, ist auf dem Güterbahnhof wenig los. Unter der Woche wird hier rund um die Uhr gearbeitet, Hochbetrieb herrscht nach Sonnenuntergang. Um 21 Uhr setzt sich der letzte Güterzug in Richtung Zürich in Bewegung. Davor muss es schnell gehen: Bis 20.30 Uhr werden die letzten Güter angeliefert. Das ist erst der Anfang einer langen Nacht.

Von der Glace bis zur Gesichtscreme

Um 23 Uhr trifft ein Zug allein für die Migros ein. Ein eigenes Gleis führt direkt vor die Betriebszentrale des Grossverteilers, nebst Coop und Speditions-Unternehmen einer der bedeutendsten Kunden von SBB Cargo vor Ort. Tiefkühlkost, Elektronik, Kosmetik, Waschmittel und Sportartikel werden aus dem solothurnischen Neuendorf angeliefert. Vor kurzem hat die Migros Ostschweiz entschieden, die Transporte vom nationalen Verteilzentrum nach Gossau neu allesamt über die Schiene abzuwickeln. Damit sollen jährlich 3000 Lastwagenfahrten gespart werden. Bis zu 40 Wagen treffen täglich allein für die Migros ein, wie Andreas Giezendanner sagt.

Überhaupt dominieren Zahlen den Alltag des Stationsleiters. Abfahrtszeiten, Ladegewichte, Wagenstückzahlen. 160 Meter lang ist das Gleis neben dem Terminal, das entspricht acht Wagenlängen. 28 Mitarbeiter zählt sein Team – Lokführer, Rangierleiter oder technische Kontrolleure. Sie alle teilen sich zwei Rangierloks.

Auch Giezendanner hat einst als Rangierleiter und Lokführer angefangen. Heute leitet der 41-Jährige die Standorte Gossau und Landquart. Seine Kommandozentrale ist im Obergeschoss eines Güterschuppens direkt an der Bahnlinie. Während nachts unter ihm die Gäste des BBC tanzen, rollen nebenan auf Gleis 50 die Güterzüge an.

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