Am Rand von Gossau gedeihen die Grill-Güggeli

15000 Hühner, 900 Quadratmeter, 50 Tonnen Futter: SVP-Stadtparlamentarier Alois Künzle betreibt am Gossauer Ortsrand Pouletmast im grossen Stil.

Noemi Heule
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Betritt Landwirt Alois Künzle den Hühnerstall, stieben die Küken auseinander.

Betritt Landwirt Alois Künzle den Hühnerstall, stieben die Küken auseinander.

Wer den Weiler Rüti über Google sucht, wird an die Zürcher Gemeinde Rüti verwiesen. Rüti bei Gossau sucht man vergebens. Das verschlafene Nest am Ortsrand zählt denn auch nur wenige Häuser, einige Einwohner und etwas mehr Kühe. Und doch lebt es in Rüti so zahlreich wie nirgends sonst in Gossau. Vor allem gackert, flattert, quiekt und fiept es. Denn im Weiler Rüti leben mehr Hühner, als die gleichnamige Gemeinde Einwohner hat und beinah gleich viele, wie es Gossauerinnen und Gossauer gibt. 15000 Hühner zählt allein der Stall von Alois Künzle.

Der SVP-Stadtparlamentarier betreibt den grössten Hühnerhof in Gossau, der Hühner-Hochburg rund um St. Gallen. 80000 Stück zählt die Gemeinde. Noch sind Künzles Küken klein, flauschig und quicklebendig, allesamt neun Tage alt. Innert fünf Wochen sind sie zu massigen Poulets der Marke Bell herangewachsen.

Hygienebarriere trennt Mensch und Masthuhn

Der Stall von Alois Künzle ist ein kleiner Kosmos für sich ohne Kontakt zur Aussenwelt. Besucher sehen die Hühner im Innern durch eine Glasscheibe, zwei Türen trennen Tier und Mensch, «Hygienezone» heisst es darauf. Dreimal täglich zieht sich Alois Künzle um, tauscht Stallkleidung gegen Stallkleidung, damit er keine Keime vom Kuh- in den Hühnerstall bringt. Er wäscht und desinfiziert die Hände, bevor er den Stall betritt und die Küken vor seinen schweren Stiefel auseinanderstieben. Er überprüft Wasser und Futtertröge oder entfernt tote Tiere. Zwei waren es an diesem Morgen. Über Todesfälle wird Buch geführt, genauso über Gäste im Stall. Unstimmigkeiten rufen sofort den Abnehmer Bell auf den Plan.

«Wir Poulet-Bauern können uns keine Verfehlungen leisten»

Schliesslich seien die Augen von Abnehmern, Veterinäramt und Konsumenten auf sie gerichtet.

Alois Künzle im Hühnerstall.

Alois Künzle im Hühnerstall.

Die Liste der Vorschriften ist lang, Hygienebestimmungen, Mengenangaben, Tierschutzrichtlinien. Auf einen Quadratmeter dürfen maximal 30 Kilogramm Huhn kommen; im Ausland sind bis zu 42 Kilogramm möglich. 907 Quadratmeter misst Künzles Stall. Mit knapp zwei Kilogramm müssen die Tiere zur Schlachtbank, um die Gewichtsgrenze nicht zu überschreiten. Überhaupt bestimmen Mengenangaben die Pouletmast im grossen Stil: 50 Tonnen Spezialfutter und 100000 Liter Wasser verzehren und verbrauchen die Tiere der Mastrasse Ross 308. Künzle sagt:

«Das Mastpoulet ist ein Hochleistungstier.»

Vom Gossauer Ortsrand ins luzernische Zell

Den Hühnerstall hat er mit 20 Jahren gebaut. Damals übernahm er nach und nach den elterlichen Hof und wollte nebst Milchwirtschaft und Obstanbau ein drittes Standbein. Mit erhöhten Sitzgelegenheiten und Wintergarten erfüllt der Stall die Bedingungen zur «Besonders tierfreundlichen Stallhaltung». Der Raum ist an diesem kalten Herbsttag auf 28,7 Grad geheizt und doch kuscheln sich die Tiere in Gruppen aneinander. «Ein Zeichen, dass sie es zu kalt haben», sagt Künzle und erhöht die Temperatur um ein halbes Grad. Mit jedem Lebenstag der Küken sinkt die Temperatur im Stall. Und der Platz nimmt ab. Statt einzelner Daunenbälle sei bald ein einziger weisser Federteppich zu sehen.

Neun Tage alt sind diese Küken. In fünf Wochen sind sie zu massigen Poulets der Marke Bell herangewachsen.

Neun Tage alt sind diese Küken. In fünf Wochen sind sie zu massigen Poulets der Marke Bell herangewachsen.

Dieser Federteppich füllt in fünf Wochen drei Lastwagenladungen. Mit zwölf Helfern lädt Künzle, der den Betrieb ansonsten allein mit Ehefrau, Eltern und Lehrling führt, Huhn um Huhn auf die Anhänger. Dann werden sie zum Bell Hauptsitz im luzernischen Zell verfrachtet, wo pro Tag bis zu 110 000 Poulets verarbeitet werden können. Wenige Tage später trifft, 45 Gramm schwer und ein Tag alt, bereits der Nachschub im Weiler Rüti ein.