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Wittenbacher Zentrum:
350 Parkbussen verschickt

Im Zentrum gilt schon seit zehn Jahren Blaue Zone - bloss hat das nie jemand kontrolliert. Was die Wittenbacher gerne ausnutzten. Seit Kurzem verteilt jedoch ein Securitas Parkbussen. Und lässt die Gemeindekasse klingeln.
Melissa Müller
Im Wittenbacher Zentrum wurde die Blaue Zone nie kontrolliert. Aber jetzt gibt es kein Pardon mehr, wenn einer die Parkscheibe vergessen hat. (Bild: Michel Canonica)

Im Wittenbacher Zentrum wurde die Blaue Zone nie kontrolliert. Aber jetzt gibt es kein Pardon mehr, wenn einer die Parkscheibe vergessen hat. (Bild: Michel Canonica)

Unangenehme Überraschung für Martin: Er muss schnell etwas erledigen in der Raiffeisenbank in Wittenbach und parkiert, ohne eine Parkscheibe zu stellen. Als der 50-Jährige zurückkommt, steht ein Securitas-Angestellter vor seinem Auto und streckt ihm einen Zettel hin: 40 Franken Busse. «Das können Sie doch nicht machen, ich war nur fünf Minuten weg», sagt Martin. «Schauen Sie, meine Motorhaube ist noch warm. Da fehlt Ihnen aber das Augenmass!» Doch der Mann in Uniform bleibt hart:

«Das läuft jetzt hier so. Wir können bei Ihnen keine Ausnahme machen.»

Die Gewerbler des Oedehofs baten den Gemeinderat um Parkkontrollen.(Bild: Michel Canonica)

Die Gewerbler des Oedehofs baten den Gemeinderat um Parkkontrollen.
(Bild: Michel Canonica)

So wie Martin (Name geändert) ergeht es zurzeit einigen Autofahrern. Eigentlich muss man im Wittenbacher Zentrum Oedenhof schon seit zehn Jahren eine Parkscheibe stellen. Bloss wurde das nie kontrolliert.

Den ganzen Tag Parkplatz
des Einkaufszentrums besetzt

Viele Wittenbacher gewöhnten sich an ein unbeschränktes Gratisparkieren beim Oedenhof, wo der Spar, die Raiffeisenbank, die Post, das Café Vivendi, die Pizzeria Arrabbiata und ein Coiffeurgeschäft ihre Dienste anbieten.

Einige nutzten die Situation aus. «Manche besetzten den ganzen Tag unsere Kundenparkplätze, gingen zur Arbeit und holten das Auto abends wieder ab», sagt ein Ladenbetreiber, der nicht genannt werden will. Stammkunden blieben seinem Geschäft fern. «Wir hätten gern bei Ihnen eingekauft, fanden aber keinen Parkplatz», sagten sie. Das ärgerte den Chef, der für seine Mitarbeiter Parkplätze zugemietet hatte.

Auch Handwerker schnappten sich die Parkplätze tageweise

Die Situation spitzte sich zu, als Migros und Pensionskasse im Zentrum zu bauen begannen: Auch Handwerker der beiden Baustellen belegten die Parkplätze im Zentrum tageweise. Das wurden den Gewerbetreibenden zu bunt: Sie wandten sich an die Gemeinde, welcher der Platz gehört. Und baten um Kontrollen, um die Parkplätze für ihre Kunden frei zu halten.

Der Gemeinderat kündete im Gemeindeblatt «Puls» mehrmals an, dass es Parkkontrollen geben werde. Gratis bleibe das Parkieren weiterhin, man müsse einfach eine Parkscheibe stellen. Sogar auf der LED-Tafel beim Ortseingang wurde darüber informiert. Seit Juni kontrolliert ein Securitas-Angestellter den Platz beim Oedenhof. In den ersten zwei Wochen steckte er bloss Warnzettel hinter die Scheibenwischer: «Dies könnte eine Busse sein», stand darauf.

Seit Mitte Juli gilt es ernst: Wer sich nicht an die Regel hält, muss zahlen. Jede Woche stellt die Securitas 20 bis 25 Bussen aus. Daniel Worni, Leiter des Tiefbauamts, ging davon aus, dass sich das herumsprechen werde. Dass die Leute merken würden, dass nicht länger unbeschränkt parkiert werden kann. Worni sagt:

«Der Lerneffekt scheint nicht besonders gross zu sein.»

Seit Mitte Juli habe die Gemeinde schon 350 Bussen verschickt. So nehme man fast doppelt so viel Geld ein, wie der Securitas-Angestellte kostet.

Die meisten Gewerbler sind nun zufrieden. Ihre Kunden können nach wie vor zwei Stunden gratis parkieren, aber nun gelten die gleichen Regeln wie für jede andere blaue Zone. Für Marcel Helfenberger, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Wittenbach-Häggenschwil, hat sich die Situation gebessert, seit der Gemeinderat durchgegriffen hat: «Jetzt haben wir genug Parkmöglichkeiten.»

Extralange Parkbewilligung für den Schönheitstermin

Manche Termine – etwa beim Coiffeur oder beim Zahnarzt – dauern jedoch länger als zwei Stunden. «Für eine Haarverlängerung muss man sieben Stunden rechnen», sagt Janine Zimmermann von Janines Hairstyling. Für solche Fälle erhalten Gewerbler eine Ausnahmepark­bewilligung – damit die Kundin nach dem Coiffeurbesuch nicht von einer Busse überrascht wird.

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