Wittenbacher Diakon über Lebensmittelabgabe K-Treff: «Wir sind wie Parship und freuen uns, wenn wir Kunden verlieren»

Seit zehn Jahren unterstützt der K-Treff Armutsbetroffene in Wittenbach. Am Mittwoch lädt die Institution zum Tag der offenen Tür ein.

Laura Widmer
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Wer im K-Treff als Erster an die Reihe kommt, entscheidet das Los. Bild: Hanspeter Schiess (7. Dezember 2016)

Wer im K-Treff als Erster an die Reihe kommt, entscheidet das Los. Bild: Hanspeter Schiess (7. Dezember 2016)

Auf dem Tisch in der Mitte des Raumes türmt sich der Biosalat eines grossen Schweizer Detailhändlers neben Brot, Früchten, Gemüse. Auch Exoten wie Ovomaltine-Aufstrich und Salatsauce mit Sesampaste stehen ordentlich gruppiert zur Auswahl.

Zwischen 60 und 70 Armutsbetroffene, IV-Bezüger und Flüchtlinge holen beim K-Treff in Wittenbach wöchentlich Lebensmittel ab, die von der Schweizer Tafel angeliefert werden. Freiwillige Helfer sortieren vor der Abgabe unbrauchbare Ware aus, rüsten Gemüse oder sortieren Joghurts in den Kühlschrank ein. Bezüger zahlen für die Lebensmittel einen symbolischen Beitrag von einem Franken. Einkaufsberechtigt ist, wer eine Caritas-Karte oder die K-Treff-Karte besitzt. Die Reihenfolge wird jede Woche per Los neu bestimmt. Wenn die erste Runde durch ist, und jeder etwas bekommen hat, werden übrig gebliebene Waren verteilt.

Ueli Bächtold. (Bild: pd)

Ueli Bächtold. (Bild: pd)

Den K-Treff gibt es seit 10 Jahren

Manchmal werden auch Sachen geliefert, welche die Bezüger nicht kennen. «Wir mussten auch schon erklären, was Spargeln sind und wie man diese zubereitet», sagt Ueli Bächtold, Diakon der Evangelischen Kirchgemeinde Tablat. Er hat den K-Treff vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Morgen organisiert der K-Treff einen Tag der offenen Tür, bei dem Besucher und Lebensmittelbezüger gemeinsam Kaffee trinken können. Später gibt es einen Apéro und Ansprachen, unter anderen von Gemeindepräsident Oliver Gröble. Die Feier wird musikalisch mit Hackbrett umrahmt. Bächtold hofft, dass neue Leute kommen, die noch wenig über den K-Treff wissen.

«Das Angebot ist in der Gemeinde bekannt und geschätzt. Trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die Vorurteile haben.»

Für Besucher des K-Treffs, die sich miteinander austauschen möchten, gibt es in der Cafeteria Kaffee und Mineralwasser. Damit Eltern auch einmal eine ruhige Minute für sich haben, wurde auch ein Hütedienst eingerichtet. An diesem Abend sind die Kinder damit beschäftigt, Papierflieger zu basteln. Ein Bub im Primarschulalter zeichnet gedankenversunken Haie mit orangem Farbstift.

Der K-Treff ist somit nicht nur eine Lebensmittelabgabestelle, sondern soll auch bei der Vernetzung helfen, damit sich Menschen in der gleichen Situation kennenlernen können. Anfangs habe das besser geklappt, sagt Ueli Bächtold. «Mittlerweile kennen sich die meisten, und es bilden sich immer wieder die gleichen Grüppchen.» Deutsch wird nur selten gesprochen. Der Ausländeranteil beträgt etwa 80 bis 85 Prozent. Viele der Bezüger sind Asylsuchende aus Eritrea, Syrien und Afghanistan.

Eine davon ist die Eritreerin Rosa. Sie hat bis vor kurzem in der Küche im Kirchenzentrum Vogelherd gearbeitet. Nun hat sie eine Stelle in einem Wittenbacher Restaurant gefunden, und freut sich sichtlich. Der K-Treff sei als Durchgangsstation gedacht, solche Erfolgserlebnisse gibt es immer wieder.

«Wir sind wie Parship und freuen uns, wenn wir Kunden verlieren.»

Erst kürzlich habe er einem jungen Türken geholfen, der einen Haftbefehl ins Deutsche übersetzen lassen musste, erzählt Bächtold. «Darin steht, dass er sofort inhaftiert wird, wenn er wieder in sein Heimatland reist.» Die Angst vor Folter sei berechtigt.

1000 Franken hat die Übersetzung gekostet, die nun bei der betreffenden Schweizer Stelle eingereicht wurde. Diese Unkosten haben Hilfsorganisationen übernommen. «Wenn es gelingt, kann er bald arbeiten gehen.»

An diesem Abend hilft der junge Mann in der Cafeteria aus, serviert Getränke und räumt auf, nachdem alle gegangen sind. «Es gibt viele, die nicht nur beziehen, sondern etwas zurückgeben möchten», sagt Bächtold. Die Zahl derjenigen, die fordernd die hohle Hand machten, sei sehr klein. Häufiger hingegen sei Missgunst unter den Bezügern, wenn sie das Gefühl hätten, bei der Verteilung der Lebensmittel benachteiligt zu werden. «Deshalb haben wir das Los-System eingeführt.»

Gibt es den K-Treff bald zweimal pro Woche?

Die Cafeteria ist voll, obwohl Sommerferien sind. Am grössten ist die Nachfrage zwischen Herbstferien und Frühling. «Besonders gefragt ist der K-Treff jeweils um Weihnachten herum.» Teilweise sind die Räume so voll, dass eine geordnete Ausgabe der Lebensmittel sehr kompliziert wird. Deshalb überlege man sich, den K-Treff zweimal pro Woche zu führen.

Hinweis: Tag der offenen Tür: Mi, 17 Uhr, Kirchenzentrum Vogelherd.