«Wittenbach, Reisende nach St.Gallen bitte umsteigen»

Das 200er-Postauto von Arbon nach St.Gallen soll künftig schon in Wittenbach enden. Die nötigen Bauarbeiten werden schon geplant.

Johannes Wey
Drucken
Teilen
Platz für neue Haltekanten wäre am Bahnhof Wittenbach vorhanden.

Platz für neue Haltekanten wäre am Bahnhof Wittenbach vorhanden.

Urs Bucher

Wer von Berg oder aus dem Thurgau mit dem öffentlichen Verkehr nach St.Gallen pendelt, soll künftig in Wittenbach umsteigen. Das kantonale Amt für öffentlichen Verkehr plant, Wittenbach noch stärker zum Umsteigebahnhof, einem sogenannten Hub, zu machen.

Die Postautolinie 200 soll künftig statt von Arbon nach St.Gallen nur noch bis Wittenbach führen. Von dort steigen Reisende nach St.Gallen auf die S-Bahn oder die VBSG-Linie 3 und 4 um - zumindest in Spitzenzeiten. In Randstunden und an Sonntagen soll alles beim Alten bleiben. Die Änderung ist frühestens für den Fahrplanwechsel 2022 vorgesehen. Die VBSG-Linie 3 würde vom Heiligkreuz nach Wittenbach verlängert.

Keine «Verfolgungsjagden» zwischen Bus und Postauto mehr

Markus Schait, Angebotsplaner.

Markus Schait, Angebotsplaner.

(Bild: PD)

Heute fahren der 4er der VBSG und das 200er-Postauto fast gleichzeitig durch Wittenbach. Das würde sich mit einem Hub Wittenbach ändern, sagt Markus Schait, Angebotsplaner beim Amt für öffentlichen Verkehr.

Und der Takt würde verdichtet: Mit der Umstellung wird auf der Postautolinie 200 ein Fahrzeug eingespart, auf der VBSG-Linie 3 kommt eines hinzu. Genau wie die Linie 4 würde auch die zweite VBSG-Verbindung im Viertelstundentakt verkehren, womit alle 7,5 Minuten ein Bus von Wittenbach nach St.Gallen fahren würde.

Ein weiterer Vorteil wäre aus Sicht des Kantons, dass sich die Busse im Zentrum von St.Gallen zu den Hauptverkehrszeiten weniger gegenseitig behindern würden.

Bessere Argumente als 2013

Nachteile sieht der Kanton - nebst höherer Kosten - unter anderem darin, dass Reisende aus Richtung Arbon weniger komfortabel nach St.Gallen gelangten und dabei rund 5 Minuten verlieren würden, wenn sie nicht an den Hauptbahnhof, sondern beispielsweise an den Marktplatz müssten.

Pläne, die Postautolinie 200 zu verkürzen, hegte das Amt für öffentlichen Verkehr schon 2013. Damals war aber der Aufschrei aus den Gemeinden nördlich von Wittenbach, namentlich Roggwil und Arbon ennet der Kantonsgrenze, gross. Auch deshalb hält Schait fest:

«Aus unserer Sicht bleibt eine direkte Verbindung von Arbon nach St.Gallen weiterhin wichtig.»

Am Schnellkurs 201, der zu Stosszeiten verkehrt, soll nicht gerüttelt werden. Gegenüber 2013 hätten die Pendler aus Arbon heute auch die Wahl, ob sie mit der S-Bahn bis an den Bahnhof St.Gallen fahren möchten, oder auf den VBSG-Bus umsteigen, um beispielsweise an den Marktplatz zu gelangen.

Derzeit prüft das Amt für Verkehr das neue Konzept anhand eines Verkehrsmodells. Zudem laufen Gespräche mit den betroffenen Gemeinden und dem Kanton Thurgau.

Bushof in Wittenbach wird ausgebaut

Daniel Worni, Bauverwalter Wittenbach.

Daniel Worni, Bauverwalter Wittenbach.

(Bild: Urs Bucher)

Bereits heute bestehen am Bushof Wittenbach Kapazitätsengpässe, sagt Bauverwalter Daniel Worni. Mit einer Aufwertung zum Hub und einer zusätzlichen Postautolinie über Berg nach Arbon währen bis zu drei zusätzliche Haltekanten nötig.

Ein Planungsauftrag wurde bereits an ein Ingenieurbüro vergeben, der Ausbau ist Teil des Agglomerationsprogramms der vierten Generation, dass dem Bund eingereicht wird. Worni ist zuversichtlich:

«Wir gehen stark davon aus, dass dieses Projekt berücksichtigt wird.»

Allerdings wird das Agglomerationsprogramm 4 erst ab 2023 umgesetzt, bis zu einem Ausbau des Bushofs Wittenbach würden provisorische Haltekanten markiert. «Damit haben wir Erfahrung», sagt Worni. Provisorische Haltekanten gab es bereits 2018 im Rahmen der Tunnelsanierung. 

Heute seien die Postautos wenn sie zu Spitzenzeiten in Kronbühl halten oft bereits voll, sagt Worni. Diesbezüglich verspreche sich die Gemeinde eine Verbesserung von der Verlängerung der VBSG-Linie 3.

Berg wartet noch ab

Sandro Parissenti, Gemeindepräsident Berg.

Sandro Parissenti, Gemeindepräsident Berg.

(Bild: Michel Canonica)

Betroffen von der Umstellung wäre auch Berg, das an der Postautolinie 200 liegt. Gemeindepräsident Sandro Parissenti sagt:

«Wenn die Linie in Wittenbach geköpft wird, sehe ich darin einen Nachteil.»

Das gelte auch für Roggwil und Arbon.

Deshalb wolle er wissen, wie die Pendlerströme im Detail aussehen - wie viele Passagiere mit der S-Bahn bis zum Bahnhof fahren könnten und wer auf den VBSG-Bus umsteigen müsste, um in den Osten der Stadt zu gelangen.

Neue Linie für Berg soll kommen

Eine «massive Verbesserung» verspricht sich Parissenti aber von der Linie 207, die zu Hauptverkehrszeiten halbstündlich zwischen Wittenbach und Arbon verkehren und dabei auch Haltestellen im Dorf Berg selber bedienen soll.

Die definitive Einführung dieser Linie sieht das Amt für öffentlichen Verkehr ebenfalls zum Fahrplanwechsel 2022 vor. Das Budget für den Testbetrieb will der Berger Gemeinderat voraussichtlich an der Bürgerversammlung 2021 beantragen.

Mehr zum Thema