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Ein Stück Ostschweiz im Weltall: Eine Wittenbacher Firma produziert für die internationale Raumstation ISS

Das Unternehmen Mirad Microwave aus Wittenbach produziert Antennen, die in Bodenstationen des GPS-Konkurrenten Galileo im Einsatz stehen.
David Grob
Projektentwickler Stephan Schempp (links) und Geschäftsführer Thomas Strebel mit einem Rillenhorn, Teil einer Antenne zur Satellitenkommunikation, im Echoraum der Firma Mirad Microwave. (Bild: Hanspeter Schiess)

Projektentwickler Stephan Schempp (links) und Geschäftsführer Thomas Strebel mit einem Rillenhorn, Teil einer Antenne zur Satellitenkommunikation, im Echoraum der Firma Mirad Microwave. (Bild: Hanspeter Schiess)

Ein hoher Raum. Schummrig ausgeleuchtet, Wände, Decke und Boden mit blauen Schaumstoffspitzen ausgekleidet. Eine Kammer ohne Echo. Die blauen Kegel dämpfen Geräusche und verhindern Reflexionen, die das Messergebnis verfälschen könnten. Mitten im Raum: Eine Säule, auf der ein konischer Metallkörper thront, ein goldenes, im Innern gerilltes Horn von rund 50 Zentimetern Länge mit Öffnungen auf beiden Seiten. Und vis-à-vis ein Sensor, der die technischen Spezifikationen des Rillenhorns ausmisst und überprüft.

Der blaue Raum ist das Herzstück der Wittenbacher Firma Mirad Microwave. Thomas Strebel, Geschäftsführer des Unternehmens, sagt:

«Hier testen wir unsere Sende- und Empfangshorne, bevor sie in Bodenstationen für die Satellitenkommunikation und in der Raumfahrt verwendet werden.»

Zum Einsatz kommen dessen Technologien unter anderem in Bodenstationen der europäischen Weltraumorganisation ESA und in der internationalen Raumstation ISS im Weltall – ein Stück Wittenbach im All.

Galileo – ein europäisches GPS

Verwendung finden Technologien des Wittenbacher Unternehmens auch in einem Prestigeprojekt der Europäischen Union, dem Satelliten-Navigationssystem Galileo, das die Marktmacht des Monopolisten GPS brechen und eine unabhängige Alternative zum amerikanischen Navigationssystem schaffen soll.

Schweden, Französisch-Guyana, Neukaledonien, La Réunion und Tahiti: Fünf Bodenstationen um den ganzen Globus verteilt steuern 30 Satelliten, die in einer Höhe von rund 23 Kilometern um die Erde kreisen. Eine sechste ist in Planung. Stephan Schempp, Projektentwickler der Mirad Microwave, sagt:

«In jeder der fünf Bodenstationen steckt eine Antenne von uns.»

Gemeint sind die Rillenhorne, die im echofreien Raum getestet wurden. Diese prangen in der Mitte einer Parabolantenne und senden und empfangen Mikrowellen in diversen Frequenzen.

Ein weiteres Projekt führt die Mirad Microwave direkt in den Weltraum. Im Programm Atomic Clock Ensemble in Space (ACES) ist eine Atomuhr in der internationalen Raumstation ISS stationiert, die in Verbindung mit anderen Atomuhren an verschiedenen Standorten auf der Erde steht. «In der globalen Navigation ist Zeit auch ein genauigkeitslimitierender Faktor. Es geht unter anderem darum, die Uhren über das System noch genauer zu synchronisieren», erläutert Schempp.

«Ein wissenschaftliches Projekt, das die Präzision von Galileo weiter verbessern soll», fügt Strebel hinzu. Das Unternehmen fertigte dafür neben mehreren Bodenstationen auch eine sogenannte Frequenzweiche, die an der ISS angebracht ist. Das Unternehmen ist also in einem Feld tätig, in dem Präzision Voraussetzung ist. «Wir senden und empfangen über sehr weite Distanzen. Kleine Fehler können grosse Abweichungen bedeuten», sagt Strebel.

1989 gegründet, seit 2007 in Wittenbach

1989 gründeten Toni Blättler und Willi Göldi die Firma. Blättler ist heute noch Leiter der Forschung und Entwicklung. «Es gibt nur wenige Leute auf der Erde, die in diesem Bereich so viel wissen wie er», sagt Strebel. Er sei ein Pionier. Firmenstandort war erst St. Gallen, dann Waldstatt und ist nun seit 2007 Wittenbach. «Wir sind wegen der echofreien Kammer nach Wittenbach gezogen», sagt Strebel. Die bessere Infrastruktur und die Nähe zur Stadt St. Gallen nennt Strebel als weitere Gründe für den Umzug.

Zwölf Mitarbeiter zählt die Mirad Microwave derzeit. «Wir setzen auf langjährige Anstellungen. Die meisten sind sieben Jahre oder länger dabei.» So auch Schempp und Strebel: Schempp seit 13 Jahren im Unternehmen, Strebel seit dem Abschluss seiner Lehre vor 20 Jahren.

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