Porträt

Wird Luca Frei der erste GLP-Gemeinderat in Gaiserwald? Er selber sagt: «2020 ist nahezu alles möglich»

Um die sechs Gemeinderatssitze in Gaiserwald buhlen im Herbst drei Bisherige und fünf Neulinge. Auch Luca Frei versucht sein Glück. Der 37-jährige Grünliberale will sich in seiner Gemeinde unter anderem für ökologische und nachhaltige Themen einsetzen. Er würde zudem gerne jemand Junges im Gemeinderat sehen.

Perrine Woodtli
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Luca Frei kandidiert für den Gaiserwalder Gemeinderat.

Luca Frei kandidiert für den Gaiserwalder Gemeinderat.

Bild: Perrine Woodtli (4. August 2020)

Seit Jahren dominieren in Gaiserwald CVP und FDP. Die Gemeindepolitik mitgestalten wollen ab 2021 nun zum ersten Mal auch die Grünliberalen. Für die GLP tritt bei den Erneuerungswahlen am 27. September Luca Frei an. Für den 37-jährigen Innenarchitekten, der seit 2019 im Vorstand der GLP-Ortspartei sitzt, wäre es das erste politische Amt.

Er würde sich gerne in seiner Gemeinde einbringen und diese weiterentwickeln, sagt Frei. «Ich finde es wichtig, dass jemand Jüngeres, der auch die Bedürfnisse junger Familien vertritt und durch eine andere Parteizugehörigkeit für mehr Vielfalt im Gemeinderat sorgt, vertreten ist.» Er sitzt auf der Dachterrasse seines Hauses in Abtwil, Ausblick auf die katholische Kirche und den Säntis. Aufgewachsen in Heiden, zog es ihn und seine Frau, eine gebürtige Abtwilerin, vor sieben Jahren von St.Gallen hierher in die Agglomeration.

Bei den erneuerbaren Energien gibt es noch Luft nach oben

An Gaiserwald gefalle ihm das Ruhige und Ländliche, aber auch die Stadtnähe. «Ein guter Mix. Ich fühle mich hier sehr wohl.» Gerade deshalb wolle er sich engagieren, sich in Themen einarbeiten und auch Altbekanntes hinterfragen. Die Gemeinde sei gut aufgestellt – trotzdem gebe es einige Dinge, die zu kurz kämen.

So müsse man die ergänzenden Tagesstrukturen unbedingt weiterverfolgen. Frei spricht zudem die erneuerbaren Energien an. Man müsse weg von fossilen Brennstoffen und sich neue Modelle für die Zukunft überlegen. An diesen Themen führe kein Weg mehr vorbei.

«Gaiserwald und die Region hat wie die ganze Schweiz ein Riesenpotenzial. Das sollten wir nutzen.»

Umwelt und Nachhaltigkeit liegen Frei am Herzen. Da ihm aber auch eine liberale Wirtschaftspolitik, die Innovation hervorbringe, Gleichstellung und Vereinbarkeit wichtig seien, fühle er sich in der GLP am besten aufgehoben.

Auch in Gaiserwald wird am 27. September die neue Gemeindebehörde für die anstehende Legislatur gewählt.

Auch in Gaiserwald wird am 27. September die neue Gemeindebehörde für die anstehende Legislatur gewählt.

Ralph Ribi (9. September 2019)

Platz im Leben für die Politik

Politik interessierte Frei schon immer. Bis vor Kurzem hatte der Vater zweier Töchter (5 und 8) aber schlicht zu wenig Zeit, sein «politisches Engagement zu leben». Frei arbeitete bis letztes Jahr als Innenarchitekt und Projektleiter, studierte berufsbegleitend und war zuvor im internationalen Messe- und Ladenbau tätig. Er sei immer sehr eingespannt gewesen. «Meine Frau und ich dachten schon länger über eine Veränderung nach.»

Seit diesem Jahr entwirft der leidenschaftliche FCSG-Fan Wohn- und Arbeitswelten bei einem Innenausbauer in Frauenfeld. Zwei Tage in der Woche ist er zu Hause für seine Kinder und den Haushalt da. Nun lasse sich ein politisches Amt besser mit Familie und Arbeit vereinbaren. Frei stand im März bereits bei den Kantonsratswahlen auf der GLP-Liste – «eine spannende und wertvolle Erfahrung».

Er schätzt seine Wahlchancen selber eher gering ein

Wenn Luca Frei an den 27. September denkt, hat er ein spezielles Gefühl im Bauch. Es sei schwierig abzuschätzen, wo man bei den Wählerinnen und Wählern stehe. Nebst Frei kandidieren auch drei Bisherige und vier weitere Neulinge für den sechsköpfigen Gemeinderat. Es kommt also zur Kampfwahl. Er möge dieses Wort aber nicht sonderlich, sagt Frei.

Er glaubt, dass es – verglichen mit den Wahlen vor vier Jahren – einfacher geworden ist, für eine grüne Partei zu kandidieren, sagt Frei, der im Gespräch immer wieder auf seinen A4-Spickzettel voller Notizen schaut.

«Die Akzeptanz für grüne Themen ist gestiegen.»

Dennoch: Der Wahl-Abtwiler, der bei Kultur in Engelburg freiwillig mithilft, schätzt seine Wahlchancen eher gering ein. Die GLP sei eine junge Partei und er selber sei noch nicht lange politisch aktiv. Das solle aber nicht heissen, dass keine Chance bestehe. «Ich bin da Optimist. Und ich kann ja auch nichts verlieren. Immerhin haben die Wählerinnen und Wähler so eine echte Wahl.» Er fügt zudem an: «2020 ist nahezu alles möglich.»