Wird der Bahnhof St.Fiden überdeckt? Der St.Galler Stadtrat will eine zweite Machbarkeitsstudie

Der Stadtrat will eine zweite Machbarkeitsstudie zur Gesamtüberdeckung des Bahnhofs St.Fiden – und holt die Privatwirtschaft an Bord. Doch nicht alle stellen sich hinter die Idee der Überdeckung.

Luca Ghiselli
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Lohnt sich eine Überdeckung der Gleise und der Stadtautobahn in St.Fiden? Diese Frage soll nun in einer zweiten Machbarkeitsstudie vertieft geprüft werden.

Lohnt sich eine Überdeckung der Gleise und der Stadtautobahn in St.Fiden? Diese Frage soll nun in einer zweiten Machbarkeitsstudie vertieft geprüft werden.

Bild: Ralph Ribi (3. September 2020)

Es ist eigentlich unbestritten: Das Areal St.Fiden-Heiligkreuz soll sich in den kommenden Jahrzehnten zu einem attraktiven Zentrum entwickeln. Nur an der Frage nach dem Wie scheiden sich die Geister. Die Idee einer Gesamtüberdeckung der Gleise und der Stadtautobahn geistert schon seit Jahrzehnten in der Stadtpolitik herum.

Seit einigen Jahren beschäftigen sich die Stadtplaner intensiver mit dieser Option. Unter anderem wurde eine Testplanung durchgeführt, um zu klären, wie sich das Areal entwickeln könnte. Weil insbesondere die Privatwirtschaft auf eine Lösung mit einer Überdeckung drängte, gab der Stadtrat 2018 eine erste, grobe Machbarkeitsstudie in Auftrag.

Dem Stadtrat reichen Grundlagen für definitiven Entscheid nicht aus

Das Resultat fiel damals grundsätzlich positiv aus: Das beauftragte Architektur- und Planungsbüro kam zum Schluss, dass eine Gesamtüberdeckung technisch, wirtschaftlich und städtebaulich machbar ist. In den von der Stadtplanung eingeholten Zweitmeinungen kamen hingegen Bedenken zum Ausdruck: Die wirtschaftliche Machbarkeit sei nicht gegeben, die Akzeptanz der Bevölkerung wird als kritisch beurteilt.

Vor diesem Hintergrund ist der St.Galler Stadtrat nun zur Überzeugung gelangt, dass die Grundlagen für einen definitiven Entscheid für oder gegen die Gesamtüberdeckung und damit für die Ausarbeitung eines Masterplans noch nicht ausreichen. Deshalb soll bis Ende 2021 eine vertiefte Machbarkeitsstudie durchgeführt werden.

Stadt beantragt dem Parlament Kredit über 370'000 Franken

Zu diesem Zweck holt er nun nicht nur das Stadtparlament ins Boot, dem er eine Vorlage für einen Verpflichtungskredit in der Höhe von knapp 370'000 Franken vorlegt. Auch die Privatwirtschaft soll die vertiefte Machbarkeitsstudie mitfinanzieren, wie aus der Vorlage hervorgeht. Mit diesen privaten Investoren hat die Stadt eine gemeinsame Abklärung unterzeichnet und gleichzeitig eine einfache Gesellschaft gegründet, die als Auftraggeberin der Machbarkeitsstudie auftritt.

Mit von der Partie sind die Immobilienfirmen Mettler2Invest AG, Fortimo Group AG, Nüesch Development AG sowie die St.Galler Kantonalbank, Gewerbe Stadt St.Gallen, der Hauseigentümerverband Stadt St.Gallen (HEV) sowie Wirtschaft Region St.Gallen (WISG). Die Stadt trägt mit 335'000 Franken etwas mehr als einen Drittel der Kosten für die geplante Machbarkeitsstudie, die Beiträge der beteiligten Unternehmen und Wirtschaftsverbände variieren von 20'000 Franken bis 130'000 Franken.

Migros, SBB und Kanton ziehen nicht mit

Es gibt aber auch private und öffentliche Akteure, welche die Absichtserklärung nicht unterzeichnet haben und damit auch nicht Teil der Gesellschaft sind. Ein Beispiel dafür ist die Migros Ostschweiz. Diese habe zwar grosses Interesse an der Arealentwicklung, schreibt der Stadtrat in der Vorlage ans Parlament. «Gleichzeitig ist sie an einem zügigen Planungsfortschritt interessiert und beteiligt sich deshalb nicht finanziell.»

Auch die SBB glänzen durch Abwesenheit: Die Bundesbahnen hätten sich kritisch gegenüber einer Gleisüberdeckung geäussert und seien entsprechend nicht bereit, die Absichtserklärung zu unterzeichnen, schreibt der Stadtrat. Und der Kanton St.Gallen will zum jetzigen Zeitpunkt keine finanzielle Beteiligung in Aussicht stellen, weil er die Auffassung der SBB teilt. Auch das Bundesamt für Strassen (Astra) hat die Absichtserklärung gemäss Vorlage lediglich «zur Kenntnis genommen».

 Der Bahnhof St.Fiden würde überdeckt.

Der Bahnhof St.Fiden würde überdeckt.

Bild: Urs Bucher (14. August 2019)

Wie geht es nun weiter? Das Stadtparlament soll an seiner Sitzung vom 22. September über den Kredit für die Machbarkeitsstudie entscheiden. Deren Resultat liegt voraussichtlich bis Ende 2021 vor. Auf dieser Basis entscheiden öffentliche Hand und Private gemeinsam, ob mit der Projektierung begonnen werden soll. Weitere Aussagen zum Zeitplan seien heute noch nicht möglich, schreibt der Stadtrat.

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