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«Wir wollen nicht, dass das Lokal für immer zu ist»: Der «Hirschen» in Wittenbach erhält noch eine Chance

Zweimal hat es mit den Pächtern im «Hirschen» in Wittenbach nicht funktioniert. Trotzdem will die Wohnbaugenossenschaft St.Gallen das Restaurant nicht sterben lassen und denkt über neue Konzepte nach.
Perrine Woodtli
Die Traditionsbeiz «Hirschen» auf dem Wittenbacher Dorfhügel ist seit dem 13. Mai geschlossen. (Bild: Urs Bucher (3. Juli 2019))

Die Traditionsbeiz «Hirschen» auf dem Wittenbacher Dorfhügel ist seit dem 13. Mai geschlossen. (Bild: Urs Bucher (3. Juli 2019))

Knapp zwei Monate steht das «Restaurant geschlossen»-Schild schon vor dem Eingang des «Hirschen». Andy Pöhler und Sindy Berger hatten nach neun Monaten einen Schlussstrich gezogen. Das Lokal gehört der Wohnbaugenossenschaft St.Gallen (WBG). Für diese war nach der erneuten Schliessung unklar, wie es weitergehen soll. Denn auch der Vorgänger von Pöhler und Berger, Qaisar Butt, blieb nicht lange. Die Weber Verwaltungen AG, die für die Geschäftsführung der WBG zuständig ist, wolle die Situation analysieren, sagte Geschäftsführer Jacques-Michel Conrad.

Inzwischen haben mehrere Gespräche stattgefunden. Conrad traf sich unter anderem mit Gemeindepräsident Oliver Gröble, um dessen Meinung zu hören. «Das Gespräch verlief gut», sagt Conrad. «Der Gemeinderat ist froh, dass wir das Lokal nicht sterben lassen wollen, nur, weil es zweimal schiefgegangen ist. Uns wurde signalisiert, dass vor allem der Saal im ‹Hirschen› wichtig ist.»

Das bestätigt Oliver Gröble. In Wittenbach, wo es rund 80 Vereine gibt, gebe es immer weniger Orte für Vereinsanlässe. «Einzig im ‹Erlenholz› gibt es einen Saal dieser Gösse», sagt Gröble. Er glaubt daher, dass der Bedarf nach dem «Hirschen» gegeben ist.

Restaurant soll zuerst saniert werden

«Auch wir wollen nicht, dass das Lokal für immer zu ist», sagt Conrad. Er betont aber, dass es nicht noch einmal schiefgehen könne. Der zuständige Ausschuss tauscht sich derzeit mit Fachleuten aus der Gastronomiebranche aus. «Wir überlegen, was das richtige Konzept ist.»

Im Restaurant Hirschen kehren momentan keine Gäste ein.

Im Restaurant Hirschen kehren momentan keine Gäste ein.

Für die WBG stellen sich aber noch weitere Fragen: Auf dem Dorfhügel stehen Bauarbeiten an, unter anderem beim Parkplatz. Aber auch der «Hirschen» muss in Schuss gebracht werden. Dabei ist Fingerspitzengefühl nötig, denn das 1738 erbaute Haus ist geschützt. Die Arbeiten sollen spätestens in zwei Jahren beginnen. Sie würden einem neuen Wirt den Betrieb erschweren, ist sich Conrad sicher. Deshalb wolle man nun für drei Etappen planen: Was passiert mit dem «Hirschen» bis zu den Bauarbeiten, was während der Bauphase und was danach?

Die WBG kann sich eine Zwischennutzung bis zum Baubeginn vorstellen. Eine Idee ist, dass sich ein Cateringservice einmietet und der Saal nach wie vor gemietet werden kann. «Diese Zwischennutzung wäre teilweise auch während des Bauens möglich.» Nach der Bauzeit könnte ein neuer Pächter übernehmen. All diese Abklärungen bräuchten aber noch Zeit, sagt Conrad.

Vereine wechseln sich mit Dorfbeizen ab

Andy Pöhler und Sindy Berger wohnen derzeit noch im Restaurant. Ende Juli geben sie es ab. Gründe für die Schliessung gab es für sie mehrere; fehlende Gäste, hohe Fixkosten, Getratschte über die «Deutschen aus dem Rheintal». Zudem habe die Zusammenarbeit mit einigen Vereinen nicht funktioniert. Diese hätten unter anderem Preise drücken wollen.

Dazu will sich kein Verein genauer äussern. Die meisten finden es aber schade, dass das Restaurant zu ist. Beim Männerchor Wittenbach etwa ist es Tradition, dass die Sänger nach einer Probe gemeinsam etwas trinken gehen. «Wir haben aber keine Stammbeiz, sondern wechseln ab», sagt Präsident Josef Wehrli.

Heidi Riklin, Präsidentin des Gewerbevereins Wittenbach-Häggenschwil, findet eine Dorfbeiz und ein Restaurant mit einem Saal wichtig für Vereine. Auch für Familienanlässe brauche es ein entsprechendes Angebot. Der Gewerbeverein sei auf solche Lokalitäten angewiesen. «Auch wenn wir uns nicht so regelmässig treffen wie andere Vereine», sagt Riklin. Es sei schade, dass der «Hirschen» zu ist.

«Es ist ein wirklich schönes Restaurant. Aber letztlich gab es für das betriebswirtschaftliche Konzept der Pächter offenbar zu wenig Kunden.»

Sie denke aber immer noch, dass der «Hirschen» für einen initiativen Gastwirt eine Chance sei.

Nicht auf eine Beiz angewiesen ist die Schützengesellschaft Wittenbach. Sie hat mit der Schützenstube ihr eigenes Lokal. Früher wurden Wittenbacher Lokale aber für Sitzungen oder Versammlungen berücksichtig, sagt Präsidentin Sandra Altherr.

Ein Punkt, an dem sich Andy Pöhler störte, war auch, dass einige Vereine sich sponsoren lassen wollten. Für Altherr ist dies Gang und gäbe. «Das kommt von früher. Wenn wir eine Tombola oder einen Gabentempel machen, fragen wir Betriebe an, ob sie uns etwas geben. Im Gegenzug machen wir Werbung.» Heute würden aber immer weniger Geschäfte und Restaurants bei Sponsoring mitmachen.

Weiteres zum Restaurant Hirschen in Wittenbach:

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