«Wir wollen Nachhaltigkeit cool machen»: Ein Goldacher Start-up liefert Früchte und Beeren aus der Umgebung an die Haustür

Einmal Äpfel, Erdbeeren und Himbeeren, aber bitte lokal und saisonal: HSG-Studenten gründen ein Start-up und verkaufen Früchtekisten von lokalen Landwirten.

David Grob
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In der Beispielkiste sind noch nicht alle Früchte und Beeren saisonal: Sandro Hernandez mit seinem «Früchtetraum».

In der Beispielkiste sind noch nicht alle Früchte und Beeren saisonal: Sandro Hernandez mit seinem «Früchtetraum».

Bild: David Grob

Aus der Region, für die Region: Ihre Idee ist nicht neu, doch sie soll einschlagen, hofft der Goldacher Sandro Hernandez, 21, HSG-Student in Betriebswirtschaft und zusammen mit Sarah Dräger und Niels Kemler einer der drei Gründer des lokalen Start-ups Fruitup. Ihre Idee: Privatpersonen aus Goldach und benachbarten Gemeinden können eine Kiste mit Früchten und Beeren von lokalen Bauern bestellen, Fruitup liefert sie bis an die Wohnungstür.

In rund einer Woche soll es losgehen. Anfang Juni wollen die Jungunternehmer zum ersten Mal ihre Früchtekisten ausliefern. Aus der Region für die Region ganz konkret.

«Wir wollen Nachhaltigkeit cool machen»

Hernandez sitzt im Garten seines Elternhauses oberhalb von Goldach, in der Ferne glänzt der Bodensee, vor ihm leuchten Himbeeren, Erdbeeren und Heidelbeeren in einer Wellkartonkiste, dazwischen liegen Äpfel und Birnen. Was ist die Motivation von Hernandez und seiner Partner, Fruitup zu lancieren? Hernandez sagt:

«Wir möchten etwas Gutes für die Gesellschaft und die Umwelt tun. Wir wollen Nachhaltigkeit cool machen.»

So sei die Idee eines lokalen Vertriebs entstanden, der Früchte vom Produzenten bis an die Haustür liefert. Da Früchte und Beeren in der Schweiz von Juni bis Oktober saisonal sind, bietet Fruitup seinen Lieferdienst auch nur während der Sommermonate an. Auch gehe es ihnen nicht um den Profit, der Gewinn sei gering.

Corona als Zeichen des Universums

Entstanden ist die Idee vor rund einem Jahr, als die Klimajugend regelmässig demons­trierte, der Klimawandel die Schlagzeilen dominierte, Nachhaltigkeit immer präsenter wurde. Die Idee ruhte weiter, die Coronakrise kam. «Corona war für uns ein Zeichen des Universums, die Idee endlich umzusetzen», sagt Hernandez. Also nahmen sie vor rund drei Monaten Kontakt mit lokalen Landwirten auf, gestalteten eine Website, rechneten die Preise durch.

Im Gespräch dringt auch immer wieder der Student der Betriebswirtschaft, der Verkäufer durch. Etwa wenn Hernandez sagt: «Wir wollen mit der Nachhaltigkeit überzeugen, mit den Früchten verwöhnen und mit der Optik beeindrucken. Wir wollen Nachhaltiges cool machen.» Oder dann, wenn er vom Produkt des Start-ups spricht. Ihre Früchtebox nennen die Jungunternehmer «Früchteträume». Denn:

«Das klingt einfach besser.»

Bekanntheit mit 7000 Briefen

Jetzt, rund eine Woche vor dem Start, gilt es für die Jungunternehmer, ihr Start-up bekannter zu machen. 7000 Briefe, in denen sie ihr Konzept schildern, wollen sie in die Briefkästen verteilen, persönlich und eigenhändig. 500 Briefe haben sie bereits verteilt. «Sie sind mir vorgekommen wie 10'000», sagt Hernandez und lacht. Angesichts der steigenden Zugriffszahlen auf die Website lohne es sich. Er erhofft sich eine rege Nachfrage.

Jeweils dienstags und freitags wollen sie ihre Früchteträume ausliefern. Am Morgen holen sie die Früchte und Beeren bei ihren Produzenten ab, in der Garage werden sie gemäss Bestellung in die Kisten abgepackt, am Abend ausgeliefert.