Interview

«Wir wollen keinen Infektionsherd riskieren»: Darum findet das Grümpeli in Waldkirch trotz Lockerungen des Bundesrats nicht statt

Das Organisationskomitee des Turn- und Sportvereins Waldkirch hat das diesjährige Grümpelturnier abgesagt. Vizepräsident Stefan Ziegler begründet, wie es zu dem Entscheid kam.

Aybüke Köseoglu
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Das Dorfgrümpeli in Waldkirch wird es dieses Jahr nicht geben.

Das Dorfgrümpeli in Waldkirch wird es dieses Jahr nicht geben.

Benjamin Manser (23. August 2015)

Viele Veranstaltungen mussten dieses Jahr aufgrund des Coronavirus verschoben oder abgesagt werden. Auch den TSV Waldkirch trifft die Pandemie. Das Organisationskomitee des Vereins hat beschlossen, das diesjährige Grümpelturnier und den Sporttag vom 21. bis 23. August – bei welchem normalerweise viele Waldkircher anzutreffen sind – abzusagen und auf nächstes Jahr zu verschieben.

Stefan Ziegler ist aktueller Vizepräsident des TSV Waldkirch.

Stefan Ziegler ist aktueller Vizepräsident des TSV Waldkirch.

PD

Nach den Lockerungen des Bundesrates hätten Sie das Grümpelturnier durchführen dürfen. In Mörschwil findet es beispielsweise statt. Sie haben sich dennoch dagegen entschieden. Wieso?

Stefan Ziegler: Anfangs waren wir überzeugt, das Grümpelturnier unter Einhaltung der geltenden Auflagen durchführen zu können. Wir haben dann den Rat von verschiedenen Leuten gesucht, unter anderem einem Arzt. Dabei hat sich gezeigt, dass es für den Verein sehr schwierig gewesen wäre, die Schutzmassnahmen bei dem Grümpeli umzusetzen, geschweige denn einzuhalten. Der Aufwand, ferner ein Contact-Tracing durchzuführen, wäre schlicht zu gross gewesen bei einer erwarteten Menge von zirka 1000 Personen über die drei Tage verteilt.

Es war also einfach zu viel Aufwand?

Es war keine Frage des Aufwandes, sondern der Sicherheit. Bei diesem Anlass, insbesondere dem Sporttag am Samstag, sind immer sehr viele Besucher anwesend, auch ältere Zuschauerinnen und Zuschauer. Da das Grümpeli zwei Wochen nach den Sommerferien stattgefunden hätte, waren auch die Rückkehrer aus dem Ausland ein Punkt, der zusätzliche Unsicherheit schuf. Wir wollen keinen Infektionsherd riskieren. Denn das hätte zu einem Reputationsschaden für den Verein führen können.

Die Enttäuschung muss gross gewesen sei. Was für Rückmeldungen haben Sie von den Teilnehmenden und Sponsoren zur Absage bekommen?

Es war von Anfang an ein Vernunftsentscheid, der zwar nicht von Herzen kam, aber der einzig richtige ist. Viele Sponsoren konnten die Absage sehr gut nachvollziehen. Viele Eltern rechneten schon im Vorfeld damit, aber bedauerten es zugleich der Kinder wegen.

Wie sieht es mit den finanziellen Konsequenzen aus?

Die Absage wird einen negativen Einfluss auf die Vereinskasse haben, da das Grümpeli eine gute Einnahmequelle für uns ist. Wir wissen aber, dass der Verein eine einmalige Absage stemmen kann, auch wenn dies ein Loch ins diesjährige Budget reisst. Wir sind nicht alleine abhängig von diesem einen Anlass. Erst bei einer Absage im nächsten oder übernächsten Jahr würde der TSV Waldkirch die fehlenden Einnahmen dazu veranlassen, beim Budget über die Bücher gehen zu müssen.

Gibt es dieses Jahr noch eine Art Ersatzveranstaltung?

Nein. Das auf den Herbst geplante Faustballturnier steht noch im Kalender. Eventuell veranstalten wir nächsten Frühling einen Sporttag. Ob die Anlässe wirklich stattfinden können, liegt zurzeit noch in den Sternen.