«Wir müssen die Kreativität der Kinder fördern»: Eine Delegation reicht in St. Gallen seine Petition für die Erhaltung von Kunst und Handwerk ein

Die Kurse der Freiwilligen Handarbeit sollen ab 2021 ersatzlos gestrichen werden. 2721 Personen wehren sich dagegen mit einer Petition. An vorderster Stelle: Stadtratskandidatin Trudy Cozzio.

Theepan Ratneswaran
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Ava, Lazar, Noana und Janis sind 4 von 2721 Unterzeichnenden der Petition.

Ava, Lazar, Noana und Janis sind 4 von 2721 Unterzeichnenden der Petition.

Bild: Theepan Ratneswaran (19. November 2020)

Es ist eine kleine Delegation, die am Mittwochnachmittag die Petition für die Erhaltung von Kunst und Handwerk eingereicht hat. Nebst betroffenen Kindern und Kursleitenden war auch die Politik vor Ort.

«Wir finden es sehr schade, dass das tolle Freizeitangebot gestrichen wird, sagen Ava, Lazar, Noana und Janis unisono. Die vier 11-jährigen Schülerinnen und Schüler bastelten und bemalten zusammen mit der Künstlerin und Kursleiterin Gilgi Guggenheim eine Kartonschachtel. Inhalt des Kunstwerks? Die Petition, die von 2721 Personen unterschrieben wurde.

Die Kulturstadt St. Gallen wird hinterfragt

Die Kulturförderung wird in St. Gallen grossgeschrieben. Denn die Stadt sieht sich als kulturelles Zentrum der Region. Das zeigt sich explizit mit dem Kulturkonzept 2020, welches im Vorjahr aktualisiert wurde. Für Gilgi Guggenheim ist es deshalb unverständlich, dass die «Kulturstadt St. Gallen» ein seit Jahrzehnten bewährtes kulturelles Angebot aus Kostengründen streicht.

Im Zuge des Corona-Sparmassnahmenpaketes der Stadt werden die Kurse der Freiwilligen Handarbeit ab 2021 nicht mehr angeboten. Mit der Streichung des Freizeitangebotes kann die Stadt St. Gallen bis zu circa 250'000 Franken jährlich einsparen, wie Stadtrat Markus Buschor, Vorsteher der Direktion Bildung und Freizeit, unlängst sagte.

Die Bildungsfrage vereint die Politiker

Karl Schimke, FDP-Stadtparlamentarier

Karl Schimke, FDP-Stadtparlamentarier

Bild: PD/FDP.Die Liberalen

2721 Personen stemmen sich gegen diese Massnahme. Hier werde an der falschen Stelle gespart, sagt FDP-Stadtparlamentarier Karl Schimke, einer der Unterzeichnenden. Die Sparmassnahmen seien leider erforderlich. Der Rotstift dürfe jedoch nicht bei der Bildung ansetzen.

«Wir müssen die Kreativität der Kinder fördern.»
Jenny Heeb, SP-Stadtparlamentarierin und Leiterin Fachstelle Kind und Familie

Jenny Heeb, SP-Stadtparlamentarierin und Leiterin Fachstelle Kind und Familie

Bild: Tobias Garcia (23. September 2020)
Die Stadtratskandidatin Trudy Cozzio

Die Stadtratskandidatin Trudy Cozzio

Bild: Michel Canonica (2. Oktober 2020)

Die Kinder können bei den Kursen ihrer Fantasie freien Lauf lassen und sich austoben, sagt auch die Sozialpädagogin und SP-Stadtparlamentarierin Jenny Heeb. Die Kurse seien eine ideale Ergänzung zum Schulangebot. Ein Angebot, das auf Freiwilligkeit basiere und auf künstlerische Art Bildung vermittle.

Bildung ist die wichtigste Ressource unserer Gesellschaft. Dieser Mission verpflichtet hat sich die St. Galler Stadtratskandidatin Trudy Cozzio (CVP). Die Erhaltung von Kunst und Handwerk trägt zur Chancengleichheit bei, ein wichtiges Ziel des öffentlichen Bildungssystems, sagt Cozzio auf Anfrage bei der Einreichung der Bittschrift. Wird die Petition bei der Politik Eindruck hinterlassen?

«Wir sind in einer Demokratie. Das Stadtparlament wird über diese Kultur- und Bildungsfragen diskutieren.»