«Wir haben sehr viel Solidarität erfahren» – St.Galler «Herberge zur Heimat» erhält fast 150'000 Franken Spenden

Als die «Herberge zur Heimat», die Menschen in der Not hilft, wegen der Coronapandemie selbst Hilfe benötigt, spenden viele: Von der Kirche über einen Maler bis zum Drogisten. Gleichzeitig nimmt die Hilfsinstitution Brandopfer auf.

Sandro Büchler
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Donat Wick, Gesamtleiter der «Herberge zur Heimat» sowie des Hotels Vadian.

Donat Wick, Gesamtleiter der «Herberge zur Heimat» sowie des Hotels Vadian.

Bild: Nik Roth (25. März 2020)

«Wir haben ein Gesamttotal von 149'000 Franken an Spenden erhalten», sagt Donat Wick, der Leiter der «Herberge zur Heimat» an der Gallusstrasse. Dort hilft man Menschen mit einer Suchtvergangenheit oder solchen, die ihr Dach über dem Kopf verloren haben.

Aber auch Menschen, die beispielsweise durch einen Schicksalsschlag in der Familie den Halt verloren haben. Ihnen allen ist die Herberge eine kurzzeitige – teils auch eine längerfristige – Heimat, um nach einer Krise wieder Fuss zu fassen.

Die Herberge befindet sich etwas versteckt im Toreingang links. Rechts geht es entlang der Gallusstrasse am Hotel Vadian vorbei zum Gallusplatz und zum Kloster.

Die Herberge befindet sich etwas versteckt im Toreingang links. Rechts geht es entlang der Gallusstrasse am Hotel Vadian vorbei zum Gallusplatz und zum Kloster.

Bild: Nik Roth (25. März 2020)

Im März gerät die Hilfsinstitution selbst in eine Krise. Denn die Herberge wird durch die Überschüsse des Hotels Vadian quersubventioniert. Als wegen dem Corona-Lockdown die Zimmer fast leer bleiben und die Umsätze rapide sinken, gerät die «Heimat» in Not. Ende März ruft Donat Wick im «Tagblatt» deshalb zu Spenden auf.

Pro verkauftem Desinfektionsmittel einen Franken

«Noch am selben Tag meldete sich eine Frau von einer Stiftung bei uns», erzählt Wick. Schon am nächsten Tag habe die Anruferin einen fünfstelligen Betrag zugesichert. So geht es weiter: Von der Kirche und ihr nahestehenden Vereinen seien insgesamt 44'000 Franken zusammengekommen. «Auch bedanken wir uns bei der katholischen Administration für ihren Beitrag», sagt Wick.

Von Privaten habe die «Herberge» zudem fast 56'000 Franken erhalten. «Mit Beträgen zwischen 50 und 10'000 Franken.»

Weiter habe ein Malergeschäft, das einen Auftrag ausführte, dies gratis getan. Auch die Falken-Drogerie habe sich gemeldet und versprochen, pro verkauftes Desinfektionsmittel einen Franken zu spenden.

«Im vergangenen Monat hat uns der Drogist 800 Franken überwiesen.»

Herberge nimmt Brandopfer auf

«Wir haben sehr viel Solidarität in dieser Zeit erfahren dürfen», sagt Donat Wick. Die Herberge habe aber auch einen speziellen Hilfseinsatz leisten können. Sechs Brandopfer kommen in der «Heimat» unter, nachdem das Haus mit ihren Wohnungen an der Burgstrasse Ende April ein Raub der Flammen wird. Wick sagt:

«Sie besassen nur noch, was sie
auf dem Leibe trugen.»

Da am Tag des Brandes, einem Sonntag, keine Kleidergeschäfte offen sind, seien die sechs Personen mit Kleider- und Hygienespenden von privater Seite versorgt worden. «In der Zwischenzeit haben zwei Personen ein neues Zuhause gefunden».

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