Wintereinbruch
«Eine Sisyphusarbeit»: Die Fleissigen, die manchen zu wenig fleissig sind

200 Mitarbeiter des Strasseninspektorats mit 100 Schneeräumfahrzeugen haben St.Gallen am Donnerstag vom Schnee befreit und bis in die tiefe Nacht gearbeitet. Dennoch gibt es nicht nur Lob.

Diana Hagmann-Bula
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Mehr als genug zu tun: Der Winterdienst war am Donnerstag gefordert.

Mehr als genug zu tun: Der Winterdienst war am Donnerstag gefordert.

Bild: Ralph Ribi

Meteorologen haben den grossen Schnee vorausgesagt. Und doch kam es gestern zum Verkehrschaos in der Stadt. Wie kann das sein? Und warum ist die Quartierstrasse mittags noch immer nicht gepfadet? Manche glauben den Grund zu kennen: der zu träge Winterdienst.

Gerald Hutter, Strasseninspektor der Stadt, hat mehr Verständnis für Wintertage wie diese. Weil er Schnee mag, aber auch von Berufes wegen. Er steht dem Winterdienst von St.Gallen vor. «Schnee ist eine Sisyphusarbeit», sagt er. Jeder, der gestern die weisse Pracht selber weggeschaufelt hat, wird ihm beipflichten. Hutter erklärt, wie der städtische Winterdienst organisiert ist.

Zuerst die Hauptachsen, dann die Quartierstrassen

Jede Nacht begibt sich ein Angestellter um 1.30 Uhr auf Pikettfahrt und schätzt die Lage ein. «Dann bietet er die nötigen Mitarbeiter auf, damit wir dem Schnee Herr werden», sagt Hutter. Das Strassennetz ist in Dringlichkeitsstufen eingeteilt. 1. Dringlichkeit: Hauptverkehrsachsen und Sammelstrassen mit dem öffentlichen Verkehr sowie Zugänge zu Spitälern, Bahnhöfen, Polizei, Feuerwehr und stark frequentierten Fussgängerverbindungen. 2. Dringlichkeit: Quartierstrassen, Fussgängerverbindungen, Treppen. 3. Dringlichkeit: alle übrigen öffentlichen Verkehrsflächen. Hutter: «Es ist wie beim Wasser. Man muss zuerst den Hauptzufluss frei machen.»

Alle Ressourcen im Einsatz

200 Mitarbeiter des Tiefbauamtes standen gestern im Einsatz, 100 Fahrzeuge waren unterwegs. Darunter externe Pfadunternehmen, die die Stadt beizieht. «Wir haben alle Ressourcen eingesetzt. Und dann braucht es einfach auch noch Zeit. Wir können nicht allen Schnee auf einmal wegräumen», betont Hutter. Gestern haben die Schneefälle zur Hauptverkehrszeit eingesetzt.

«Wir haben im Stau gesteckt wie die normalen Autos auch.»

Nicht nur Maschinen befreien die Stadt von Schnee. Der Winterdienst sei auch eine körperliche Arbeit, so Hutter. «Zur Stadt gehören 8,5 Kilometer Treppen. Die müssen von Hand freigeschaufelt werden.» Die Mitarbeiter des Strasseninspektorats, die der Bevölkerung einen Weg durch die Stadt gebahnt haben, dürften müde ins Bett gefallen sein. «Bis spät nachts sind einige unterwegs. Dann gibt es eine kurze Pause.» Und geht wieder von vorne los. Dringlichkeit 1, Dringlichkeit 2, Dringlichkeit 3. «Wir dürfen die Freude am Winter nicht verlieren», sagt Hutter. Und doch ist er froh, wenn die dicken Flocken bald aufhören zu fallen. Dann kann er die weisse Pracht wieder geniessen, statt sie nur einzudämmen.