Wildtiere
Futterneid: Schwarzmilan klaut Graureiher den Mittagshappen

Auf den Wiesen zwischen Staad und Buriet tummeln sich zahlreiche Vögel. Aggressive Auseinandersetzungen zwischen ihnen sind an der Tagesordnung. Fotograf Tino Dietsche hat dabei im richtigen Moment auf den Auslöser gedrückt.

Rudolf Hirtl
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Der Graureiher kann sich nur kurz über die gefangene Maus freuen, ...

Der Graureiher kann sich nur kurz über die gefangene Maus freuen, ...

Bild: Tino Dietsche

Die Wildtier-Fotografie nennt man nicht von ungefähr die absolute Königsklasse der Fotografie. Es gibt kaum etwas, was einen Fotografen stolzer macht als ein spektakuläres Bild von einem wilden Tier; ein Foto, das im absolut richtigen Moment aufgenommen wurde.

.... der Schwarzmilan nimmt ihm die Beute im Luftkampf ab...

.... der Schwarzmilan nimmt ihm die Beute im Luftkampf ab...

Bild: Tino Dietsche

Damit dies gelingt, braucht es vor allem eines, unheimlich viel Geduld. Auch OT-Fotograf Tino Dietsche ist regelmässig auf der Pirsch, um Wildtiere mit der Kamera festzuhalten. Mitte dieser Woche sind ihm dabei in Altenrhein ein paar besondere Schnappschüsse gelungen. Zuerst hatte er einen Graureiher in dem Moment vor der Linse, als dieser eine Maus erwischte. Als dieser seinen Mittagshappen davontragen wollte, wurde er von einem Schwarzmilan attackiert, der sich nach kurzem Luftkampf schliesslich durchsetzte.

.... und fliegt mit der Maus davon.

.... und fliegt mit der Maus davon.

Bild: Tino Dietsche

Weniger aufwendig, als selbst zu jagen

Laut Livio Rey, Biologe bei der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach, sind Reiher nicht etwa auf Fische fixiert: «Oft sieht man Graureiher in einem Feld herumstehen, auf der Jagd nach Mäusen. Daneben frisst er auch Frösche, Fische sowie Insekten wie Käfer und Libellen.

Ist ein solcher Futterklau durch Greifvögel an der Tagesordnung? «Es handelt sich bei dem Greifvogel um einen Schwarzmilan», erklärt der Fachmann. «Es kommt immer wieder vor, dass Vögel anderen Vögeln die Beute streitig machen und abjagen. Dies ist natürlich viel weniger aufwendig als selbst zu jagen. Das können Artgenossen sein, aber auch andere Arten. Besonders bekannt ist dieses Verhalten von Möwen, aber auch Schwarzmilane jagen ab und zu anderen Vögeln die Beute ab.»

Nur wenige Schwarzmilane in der Region Rorschach

Inwiefern war diese Begegnung gefährlich für den Reiher, würde sich ein Falke auch einen Reiher schmecken lassen? «Für den Graureiher besteht in so einer Situation eigentlich keine Gefahr», sagt Livio Rey. Er sei viel zu gross als mögliche Beute für den Schwarzmilan, der sowieso hauptsächlich ein Aasfresser sei, oder sich von verletzen Fischen, Mäusen oder Insekten ernähre. Gemäss dem Biologen ist der Graureiher der häufigste Reiher der Schweiz und ganzjährig überall ziemlich häufig anzutreffen, zumindest im Flachland. Es gebe hier 1600 bis 1800 Brutpaare und über 2000 überwinternde Vögel. «In den vergangenen Jahren gab es auch eine kleine Brutkolonie in der Nähe von Rorschach, in den Jahren 2021 und 2022 blieben Bruten aber aus.»

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