BRONSCHHOFEN: Senioren jassen mit Schülern

Spezielle Schulstunden in Bronschhofen: Der Thurgauer Kantonsrat Willy Weibel und weitere passionierte sowie pensionierte Jasser bringen den Oberstufenschülern den Schieber bei. Einige von ihnen verzichten freiwillig auf die Pause.

Simon Dudle
Drucken
Teilen
«Uneufe»: Pensionär Jürg Schäfer und die Schüler der 1. Sek Bronschhofen haben beim Generationen-Jass sichtlich Spass. (Bild: Simon Dudle)

«Uneufe»: Pensionär Jürg Schäfer und die Schüler der 1. Sek Bronschhofen haben beim Generationen-Jass sichtlich Spass. (Bild: Simon Dudle)

BRONSCHHOFEN. Für einmal ist das Mathematikheft unter den Tisch verstaut. Auf diesem liegen Jassteppich, 36 Karten, Tafel, Kreide und Schwamm. Jassen ist Trumpf. Dies im Rahmen des Generationen-Jasses, der im Jahr 2014 vom Migros-Kulturprozent lanciert worden war. «Die Bevölkerung wird immer älter. Darum wird das Miteinander der verschiedenen Generationen immer wichtiger», erklärt Projektleiterin Natalie Brägger die Beweggründe.

In den Bronschhofer Sekundar- und Realklassen von Dominic Rutz, Andrea Heuberger sowie Andrea Traber gibt es Zuwachs. Pensionierte Personen schicken sich an, mit den Jugendlichen das kleine Einmaleins des Schiebers zu erlernen. Die Lehrpersonen haben vorgängig die Vorarbeit geleistet und den Schülern die Karten und auch deren Werte beigebracht. «In meiner Klasse konnten fünf Kinder bereits vorher Schieber», sagt Andrea Traber.

Jassen als Lebensqualität

Auch der abtretende Thurgauer CVP-Kantonsrat Willy Weibel aus Balterswil verhilft den Kindern auf die Sprünge. Der pensionierte Lehrer ist ein gestrenger Schiedsrichter und achtet auf das korrekte didaktische Vorgehen. In den Proberunden wird mit offenen Karten gespielt, um bei allen einen möglichst hohen Lerneffekt zu erlangen. «Beim Jassen sind nur drei Dinge wichtig: anziehen, verwerfen und entscheiden, ob man in erster Hand Trumpf macht oder nicht», sagt Weibel. In den 44 Jahren als Lehrer hat er immer mal wieder zum beliebten Schweizer Kartenspiel gegriffen und mit den Schülern gejasst. Noch heute findet man Weibel hie und da am Jasstisch und bei Turnieren. Er sagt: «Jassen ist für mich Lebensqualität und ein Eintauchen in die Gegenwart. Danach muss man die Alltagsprobleme zuerst wieder suchen.»

Im Skilager geht es weiter

Der Kantonsrat begrüsst das generationenübergreifende Projekt und nimmt seinen Auftrag ernst. Auch die Schüler sind mit Passion dabei. Manch einer verzichtet gar auf die Pause zwischen den Lektionen, um noch ein Spiel fertig zu machen. «Das ist sehr bemerkenswert», sagt Lehrerin Andrea Traber.

Gespielt wird der Schieber. «Obeabe» und «Uneufe» gehören dazu. Für mehr reicht die Zeit nicht. Am Ende wird – wie es sich gehört – ein Jasskönig erkoren. In Trabers Klasse bringen es alle, ob nun mit Vorkenntnissen bestückt oder nicht, auf ein passables Niveau, wobei die Qualitäts-unterschiede doch beträchtlich sind. Für Andrea Traber passt Jassen gut in den Unterricht. «Das Spiel erfordert viele Fähigkeiten, auch im sozialen Bereich. Zudem ist es ein Teil der Schweizer Kultur, die damit weitergegeben werden kann.»

Auch wenn gestern in der Oberstufe Bronschhofen letztmals mit den Senioren gejasst wurde, wird das Projekt in den drei Klassen nachhallen. Nämlich übernächste Woche, wenn die 67 Schüler in Engelberg im Skilager sind und es einen Jassabend geben wird.

Bald in Bazenheid

Nicht nur in Bronschhofen gibt es den Generationen-Jass. In Münchwilen, Sirnach und zwei Wiler Schulen war er bereits in den Jahren 2014 und 2015 zu Gast. Eine Kleinklasse der Wiler Primarschule Matt mit vielen Schülern mit Migrationshintergrund nahm gar an einem Generationen-Jassturnier in St. Gallen teil. Ende des Monats Februar wird dann auch an der Primarschule Bazenheid gejasst.