«Es geht um das Wohl des Kindes»

WIL. Mit einem Fachpodium im Hof zu Wil am Donnerstagabend zum Thema «Dem Fachkräftemangel begegnen, Kita und/oder Zuwanderung?» wurde das Jubiläumsjahr der Kindertagesstätten Wil eröffnet.

Carola Nadler
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An einem Podium diskutierten die ehemalige Regierungsrätin Kathrin Hilber, der Unternehmer Christoph Stürm, Nationalrätin Rosemarie Quadranti und Unternehmerin Marianne Nydegger über die Zukunft der Kindertagesstätten. Moderiert wurde das Podium von Hans Suter. (Bild: Carola Nadler)

An einem Podium diskutierten die ehemalige Regierungsrätin Kathrin Hilber, der Unternehmer Christoph Stürm, Nationalrätin Rosemarie Quadranti und Unternehmerin Marianne Nydegger über die Zukunft der Kindertagesstätten. Moderiert wurde das Podium von Hans Suter. (Bild: Carola Nadler)

Stolz blickten Beda Meier, Präsident des Stiftungsrates, und Edith Goetz, Leiterin der Kita Wil, auf 30 Jahre professionelle Kinderbetreuung, Integration, Zusammenarbeit und tolle Kinder und Eltern zurück. Dank sowie Anerkennung gab es auch von Stadtpräsidentin Susanne Hartmann.

Seit der Eröffnung der ersten Kita 1985 sind Angebot und Nachfrage stetig gestiegen. Dennoch seien die Gruppen in einer angenehmen Grösse, so dass eine individuelle Betreuung gewährleistet sei. Der Bevölkerungsanteil von zehn Prozent Kindern zeige, dass Wil nicht nur eine Wirtschafts- und Arbeitsstadt, sondern auch eine Familienstadt sei. «Beides unter einen Hut zu bringen, ist im Einzelfall nicht immer einfach», so Hartmann in ihrem Grusswort. Die Kita biete dabei wertvolle Unterstützung.

Neue Modelle erstellen

Nationalrätin Rosemarie Quadranti führte in einem Referat die Zusammenhänge zwischen Kindertagesstätten und dem Fachkräftemangel aus. «Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Frauenerwerbsquote steigt und es noch keinen Elternurlaub gibt», so Rosemarie Quadranti. Dem Fachkräftemangel, der laut Regierungsrätin Kathrin Hilber hausgemacht sei, begegne man mit der Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland. Um für den prognostizierten Mangel von 400 000 Fachkräften im Jahr 2030 gerüstet zu sein, müssten neue Ideen gedacht und neue Modelle erstellt werden. «Ich könnte mir vorstellen, dass ausserfamiliäre Kinderbetreuung und schulergänzende Betreuung zusammensitzen und ein gemeinsames Modell entwickeln», so Rosemarie Quadranti. Auch Ganztagesschulen seien unumgänglich. Damit könne der Verbleib im und der Wiedereinstieg in den Beruf erleichtert und dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. Rosemarie Quadrantis Schlussfolgerung: «Ohne Zuwanderung geht es aber trotzdem nicht.»

Frage der Organisation

In einer Podiumsdiskussion unter der Moderation von Hans Suter unterhielten sich anschliessend die Referentin sowie die ehemalige Regierungsrätin Kathrin Hilber, die Unternehmerin Marianne Nydegger und der Unternehmer Christoph Stürm über das Thema. Für Christoph Stürm ist eine gute Unternehmenskultur wichtig, um Fachkräfte im Betrieb zu halten. Marianne Nydegger betonte, dass es eine Frage der Organisation sei, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. «Und man muss delegieren können, sowohl im Unternehmen als auch in der Familie.» Kathrin Hilber blickte zurück: «Vor 40 Jahren musste man sich entscheiden, Beruf oder Familie.» Sie sei aber froh, dass die Y-Generation politischen Druck aufsetze und Lösungen für die heutigen Gesellschaftsentwicklungen fordere.

Bezüglich der Kindertagesstätten zeigte Hilber Unverständnis, dass diese mit Basaren und anderen Events ihr Budget aufbessern müssten. Als Steuerzahlerin sei sie bereit, aus Solidarität mit der Gesellschaft einen finanziellen Beitrag zu leisten: «Kitas haben eine öffentliche Aufgabe, von der die Gesellschaft gesamthaft profitiert.» Eine Lösung müsse von Seiten der Politik angegangen werden. «Es geht um das Wohl des Kindes», betonte Moderator Hans Suter.

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