Ordensbruder gibt den Taktstock ab

OBERBÜREN. Der Kapuzinermönch Karl Bauer probt derzeit das Programm für sein Abschiedskonzert von Ende März. Während 18 Jahren leitete er mit viel Herzblut den Gospelchor seiner Heimatgemeinde Oberbüren.

Christoph Hunziker
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Den Rhythmus im Blut: Bruder Karl übt mit dem Gospelchor Oberbüren für sein Abschiedskonzert. (Bild: Christoph Hunziker)

Den Rhythmus im Blut: Bruder Karl übt mit dem Gospelchor Oberbüren für sein Abschiedskonzert. (Bild: Christoph Hunziker)

OBERBÜREN. Treibende Rhythmen und jazzige Phrasierungen statt sakraler Orgelklang und doppelter Kontrapunkt: Während der Chorprobe mit Bruder Karl Bauer sind alle Sängerinnen und Sänger hochkonzentriert. Jeder versucht, seine Anweisungen zu befolgen. «Genau hier müsst ihr mit dem Crescendo ein wenig später beginnen», sagt er zu den Tenören.

Damit alle Gemüter wach werden, strecken die Chormitglieder ihre Glieder dem Himmel empor. Es wird geklatscht – auf Schlag zwei und vier oder eins und drei – und gestampft, bis der Boden des Probelokals im Feuerwehrdepot bebt. Bruder Karl stimmt ein afrikanisch anmutendes Lied an. «Siyahamba», singt der Gospelchor im gleichen Rhythmus.

Festgestampfte Wege lockern

Der im Wiler Kapuzinerkloster wohnhafte Ordensbruder leitet die Proben des Gospelchors seiner Heimatgemeinde Oberbüren seit der Gründung im Jahre 1996. Nach langjähriger Tätigkeit gibt er nun Ende März seinen Dirigentenstab weiter. «Es fiel mir unheimlich schwer, diesen Schritt zu machen. Viele Sängerinnen und Sänger haben nicht mit diesem Entscheid gerechnet und waren erstaunt», sagt Bruder Karl mit gesenktem Blick. Auch seine Gospelsänger in Appenzell wird er im Sommer verlassen. Einzig den Kirchenchor Gonten wird er auch in Zukunft musikalisch weiterführen.

Nach 18 Jahren brauche der Gospelchor Oberbüren wieder frischen Wind. Festgestampfte Pfade müssten aufgelockert werden, sagt er. «Eine junge Frau wird die Probenarbeit nach meinem Abschiedskonzert in Angriff nehmen.» Bruder Karl bleibt dennoch mit den Sängerinnen und Sängern verbunden. «Als Korrepetitor werde ich dem Chor jederzeit zur Verfügung stehen.»

Die Freude an populärer Musik und die Gottesdienst-Gestaltung mit groovigen Rhythmen waren ausschlaggebend für die Gründung des Gospelchores. «Als ich in den 90er-Jahren in Appenzell zum erstenmal ein Gospelkonzert hörte, war ich erschlagen.» Die eingängigen Songs und die einfachen Harmoniefolgen hätten es ihm angetan.

Dirigent und Organist

Schon während seiner Kinder- und Jugendzeit in Oberbüren begleitete Karl Bauer die Musik. Während der Schulzeit besuchte er Klavierunterricht und später, als er dem Kirchenchor Oberbüren beitrat, erlernte er das Orgelspiel. «Noch heute ziehe ich an der Orgel die Register und bediene die Manuale sowie Pedale», sagt Bauer. Auch nach dem Übertritt in den Kapuzinerorden verfolgte er seine Leidenschaft weiter und besuchte zahlreiche Weiterbildungskurse. «Eigentlich wollte ich gar nicht Mönch werden, sondern Lehrer. Ja, Lehrer sein, das war mein grosser Wunsch», erzählt er. Das Versagen an der Aufnahmeprüfung sei ein Schlag fürs Leben gewesen. Die Berufsberaterin habe ihm eine kaufmännische Lehre als Alternativmöglichkeit vorgeschlagen. Er willigte ein. Wirklich gefallen hätten ihm die damaligen Büroarbeiten aber nicht, gesteht Karl Bauer.

Lehren und beten

Irgendwann kam der Wunsch auf, seinen christlichen Glauben mit dem Lehrerberuf zu verbinden. «Das war die beste Entscheidung meines Lebens», sagt Bruder Karl. Nach dem Studium in Fribourg nahm er eine freigewordene Lehrerstelle am Kollegium in Näfels an. Sein Traum ging in Erfüllung. Auch als Gymnasiallehrer legte er viel Wert auf den musikalischen Unterricht. Schmunzelnd erinnert sich der Ordensbruder, wie er damals mit seinen Schülern die Lieder von Mani Matter sang. Manchmal sei die Arbeit als Lehrer kein Zuckerschlecken gewesen, sagt er. «Der Unterricht mit Pubertierenden führte oft zu Problemen.» Und trotzdem liebte er seine Lehrtätigkeit in den Kollegien.