Vier Tonnen baumeln in luftiger Höhe

Schon von weither ist ein dumpfes Motorengeräusch zu hören. Dann allmählich zeichnet sich am Himmel ein dunkler Fleck ab, der langsam grösser wird. Es ist ein mächtiger Helikopter der Helisuisse aus Meiringen, der sich der Baumschule der Felix Gartenbau AG in Wil mit lautem Getöse nähert.

Stefan Etter
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Unter lautem Getöse fliegt ein Helisuisse-Helikopter den vier Tonnen schweren Baum von Wil nach Wattwil. (Bilder: Stefan Etter)

Unter lautem Getöse fliegt ein Helisuisse-Helikopter den vier Tonnen schweren Baum von Wil nach Wattwil. (Bilder: Stefan Etter)

Schon von weither ist ein dumpfes Motorengeräusch zu hören. Dann allmählich zeichnet sich am Himmel ein dunkler Fleck ab, der langsam grösser wird. Es ist ein mächtiger Helikopter der Helisuisse aus Meiringen, der sich der Baumschule der Felix Gartenbau AG in Wil mit lautem Getöse nähert. Ein vier Tonnen schwerer Baum soll nach Wattwil transportiert werden. Es ist kurz vor Mittag, und der Wind, verursacht durch die grossen Rotoren, lässt das Herbstlaub in der Luft tanzen.

Nachdem der «Kamow» zuvor einen grossen Weihnachtsbaum in Eggersriet abgeholt und beim Kloster St. Gallen abgesetzt hat, wird er nun eine Kastanie transportieren. «Der Baum wird versetzt und kommt im Garten eines Kunden in Wattwil zu stehen», sagt Christoph Felix, Bauleiter und -führer. Da der Baum für die Strasse zu gross gewesen wäre, musste auf den Helikopter ausgewichen werden. «Das ist für uns ein einzigartiges und sehr schönes Projekt.»

Vier Tonnen schwer

Noch steht die grosse und mächtige Kastanie auf der Erde – ein zweieinhalb Meter hoher Stamm, eine Baumkrone mit einem Durchmesser von rund sieben Metern und einem Gesamtgewicht von etwa vier Tonnen. «Wir haben sie bereits vor einigen Tagen ausgegraben und mit Spannseilen fixiert», sagt Felix. «Damit der Wind den Baum nicht umstösst.» Die Wurzeln der 50jährigen Kastanie seien samt Erde in einen Ballen aus Jute eingepackt worden. «Wir müssen die Grösse des Ballens genau abmessen und beim Kunden das passende Loch graben. Sonst wächst er nicht gut an.» Verantwortlich dafür sind die Gartenbauer.

Der Helikopter schwebt mittlerweile direkt über dem Kiesplatz. Der Pilot wartet auf Anweisungen von Flughelfer Marc Kummer. Dieser greift sich mit einem Kollegen das 80 Meter lange Seil aus Kunstfaser, das vom Helikopter herunterhängt und am Ende mit einem Haken bestückt ist. Dieser wird nun mit den 20 Meter langen Transportseilen verbunden, die bereits im Vorfeld am Baum montiert wurden. Alles wirkt routiniert, es wird nicht gehetzt. «Ein solcher Transport ist für uns eine relativ sichere und einfache Übung», sagt Kummer. «Wichtig ist, dass ich dem Piloten Hinweise über die Umgebung, Hindernisse oder Flughöhe geben kann.»

Flug von 20 Minuten

Kummer gibt dem Piloten per Funk durch, dass er wieder steigen kann. Langsam bewegt sich der Helikopter samt Baum, der die Balance behält, in die Höhe. Nach wenigen Sekunden erreicht der Helikopter seine Flughöhe von rund 500 Metern und fliegt mit etwa 120 Stundenkilometern nach Wattwil – in nur gerade mal 20 Minuten. «Wegen des Fluges bin ich nicht nervös», sagt Christoph Felix. «Mich beschäftigt eher die Frage, ob der Baum dann auch gut anwächst.» Schliesslich werde nicht jeden Tag ein solcher Baum verpflanzt.