Die Idylle trügt nicht

WÄNGI. Wängi hat Gäste. Fahrende aus Frankreich und Deutschland haben sich für zwei Wochen niedergelassen. Würden sie länger bleiben, brauchten sie eine Bewilligung, sagt Gemeindepräsident Thomas Goldinger.

Olaf Kühne
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Fahrende haben sich mit ihren rund 40 Wohnwagen auf einem Feld bei Wängi niedergelassen. Sie bleiben zwei Wochen und wollen dann weiterziehen. (Bilder: Olaf Kühne)

Fahrende haben sich mit ihren rund 40 Wohnwagen auf einem Feld bei Wängi niedergelassen. Sie bleiben zwei Wochen und wollen dann weiterziehen. (Bilder: Olaf Kühne)

«Wir wurden sehr anständig begrüsst», sagt Thomas Goldinger. Der Wängemer Gemeindepräsident spricht von den Fahrenden aus Frankreich und Deutschland, die sich letzte Woche auf einer Wiese zwischen Wängi und Aadorf, im Gebiet Sunehalde, niedergelassen haben. Ein Bauer – nicht der Anrainer, wie Goldinger betont – hatte sie ihnen für zwei Wochen vermietet. Die Dauer ist nicht willkürlich gewählt, erklärt der Gemeindepräsident. «So lange können wir die Fahrenden auf der Wiese dulden», sagt er. «Darüber wäre das Lager bewilligungspflichtig.» Für diese kurze Dauer aber könne man es rechtlich mit einem Pfadilager oder einem Festzelt vergleichen.

Er habe unterschiedliche Reaktionen aus der Bevölkerung erhalten, sagt Goldinger weiter. Man müsse die Sache aber auch nicht über Gebühr aufbauschen. Schliesslich hielten sich die Fahrenden an sämtliche Auflagen. Wirkliche Probleme seien ihm zudem nicht bekannt. Zusammen mit seinem Gemeindeschreiber inspizierte Goldinger vergangene Woche den Platz. Alles in Ordnung. Nichtsdestotrotz sei die Kantonspolizei informiert und nehme mehrmals täglich Kontrollfahrten vor.

Von Rassismus bis Interesse

Unsere Zeitung nahm gestern einen Augenschein. Der Empfang ist zurückhaltend, aber freundlich. Man wolle nicht mit der Presse sprechen. Kamera und Notizblock bleiben im Auto. Das Eis beginnt zu brechen. Eine Frau zündet den Campingkocher an, offeriert Kaffee. Ein junger Mann setzt sich dazu. Seinen Namen will er nicht nennen, fotografiert werden schon gar nicht. Sie seien mehrere Familien aus Frankreich und Deutschland, erzählt er, ihr letzter Standort sei Genf gewesen. Im Sommer seien sie mehrheitlich in der Schweiz unterwegs, suchten Arbeit als Taglöhner, Messer- und Scherenschleifer, böten einfach ihre Dienste an.

Nicht überall seien sich gleich willkommen. Von offenem Rassismus bis zu freundlichem Interesse an ihrer Kultur reiche die Bandbreite. «Wir sind keine Kriminellen», sagt der junge Mann und schaut uns bestimmt an. «Wir leben seit Jahrhunderten so, es ist unsere Tradition.»

Die Suche nach einem Standplatz für ihre rund 40 Wohnwagen und Zugfahrzeuge sei denn auch ein dauerndes Problem. Das Gespräch wechselt ständig zwischen Deutsch und Französisch. Sprachkenntnisse helfen, das Eis weiter zu brechen.

Hochzeit am Wochenende

Derweil herrscht auf der Wiese emsiges Treiben. Manche sind mit Kochen beschäftigt, andere schleifen Fensterläden oder hängen Wäsche zum Trocknen auf. Dennoch: Ordnung und Sauberkeit auf dem ganzen Areal stechen sofort ins Auge. Nicht ein Papierschnipsel liegt auf dem Boden. Ein Zustand, von dem die Veranstalter des bevorstehenden Frauenfelder Open Airs nicht einmal zu träumen wagen. Selbst Toi-Toi, mobile Toilettenhäuschen, stehen an allen Ecken der Wiese.

Am Wochenende wollen die Fahrenden eine dreitägige Hochzeit feiern. In einer Woche ziehen sie weiter. Wohin, wissen sie noch nicht.

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