Bewegungsarme Kinder fördern

Das kantonale Amt für Sport reagiert auf die zunehmenden Bewegungsschwierigkeiten der heutigen Kinder. Im Wiler Mattschulhaus läuft deshalb zurzeit das Pilotprojekt «Aktiv Kids».

Natalie Brägger
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Wil. Die Leistungen der Schulkinder im Sport werden immer schwächer. Immer mehr Kinder haben schon im Kindergartenalter grosse Mühe mit einfachen Übungen wie dem Balancieren auf einem Baumstamm oder dem klassischen Purzelbaum. Dies zeigen verschiedene Studien, die vom Bundesamt für Sport durchgeführt wurden. Der Kanton St. Gallen möchte gegen diesen allgemeinen Bewegungsmangel etwas unternehmen und hat deshalb die Bewegungsförderung ins Zentrum seines Sportkonzeptes gestellt. Teil davon ist das Pilotprojekt «Aktiv Kids», das zurzeit im Wiler Mattschulhaus läuft und vom St. Galler Amt für Sport, Abteilung Jugend+Sport (J+S), entwickelt wurde.

Zusatz für Sportmuffel

«Ziel von <Aktiv Kids> ist es, bewegungsarme Kinder zu fördern», erklärt Patrick Raymann, Leiter Kindersport beim St. Galler Amt für Sport. «Aktiv Kids» ist demzufolge so etwas wie Nachhilfeunterricht für Kinder, die im Schulsport überfordert sind. «Wir möchten aber auf jeden Fall, dass die Kinder gerne kommen und sich wohl fühlen», führt Raymann weiter aus.

In Wil profitieren zurzeit rund 20 Schülerinnen und Schüler von der 1. bis zur 3. Klasse von «Aktiv Kids». In zwei altersgerechten Gruppen belegen sie am Donnerstagnachmittag jeweils eine Lektion zusätzlichen Sportunterricht. Dazu gehören Übungen wie beispielsweise das Prellen und Werfen von Bällen oder das Führen eines Uniockeyballs genauso wie verschiedene Spielformen. Geleitet werden die Stunden abwechslungsweise von Eveline Schuler und Susanne Dürr, beide ausgebildete J+S-Kids-Leiterinnen.

Freiwilliges Angebot

Gestartet haben die Vorarbeiten zu «Aktiv Kids» im Herbst 2009. Die Lehrerschaft wurde über das Projekt informiert und gebeten, die Kinder im Sportunterricht zu beobachten, um den Schwächeren die Teilnahme am «Aktiv Kids» zu empfehlen. Dass die Teilnehmenden nicht die Sportskanonen sind, sieht man ihnen schnell an. «In dieser zusätzlichen Sportstunde erfahren auch sie Erfolgserlebnisse, das motiviert», sagt Patrick Raymann. Die Teilnahme an den zusätzlichen Sportstunden ist freiwillig, die Eltern bezahlen einen Teilnehmerbeitrag von 20 Franken pro Semester. Der Rest wird über Bundesgelder (J+S) finanziert. «Obwohl das Angebot freiwillig ist, kommen in Wil genau die Kinder, für die das Projekt gedacht ist», freut sich Patrick Raymann. Damit die Pilotphase ausgewertet werden kann, müssen die «Aktiv-Kids»-Teilnehmenden verschiedene Tests absolvieren, bei denen ihre Fortschritte erkannt werden können. Geprüft werden die koordinativen Fähigkeiten (Differenzierungs-, Rhythmus-, Gleichgewichts-, Orientierungs- und Reaktionsfähigkeit). Beim Beobachten der Kinder fällt schnell auf, dass jedes seine spezifischen Stärken und Schwächen hat. «Diese Unterschiede versuchen wir in den Stunden ein wenig auszugleichen», sagt Leiterin Eveline Schuler.

Ziel: im ganzen Kanton

Patrick Raymann ist mit dem Verlauf des Projekts in Wil sehr zufrieden. Ziel ist es, das Angebot auf den ganzen Kanton auszuweiten. Die Schüler des Matt-, Allee- und Lindenhof-Schulhauses können auch weiterhin vom Bewegungsangebot profitieren: Die «Aktiv Kids»-Stunden werden auch im kommenden Schuljahr wieder angeboten.