WIL: Gemeinsam auf dem Weg der Religionen unterwegs

Mehr als hundert Christen und Muslime begaben sich am Freitagabend auf den «Weg der Religionen», beteten gemeinsam für den Frieden und diskutierten angeregt über Gott und die Welt.

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Zusammen beteten in der Moschee zwei Muslime und zwei Christen das «Gemeinsame Gebet» aus dem Jahr 2007. (Bild: Christof Lampart)

Zusammen beteten in der Moschee zwei Muslime und zwei Christen das «Gemeinsame Gebet» aus dem Jahr 2007. (Bild: Christof Lampart)

2007 wurde die «Wiler Erklärung» verabschiedet. Ausgearbeitet haben sie Politiker und Religionsvertreter als «Überparteiliches und interkonfessionelles Komitee der Stadt Wil» zuhanden der Korporationen, Institutionen, Parteien, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen sowie der Öffentlichkeit. In dieser Erklärung ist festgehalten, das interkulturelle und -religiöse Zusammenleben aktiv zu gestalten. Ein eindrücklicher Schritt in diese Richtung war am Freitagabend der «Weg der Religionen». Er begann in der katholischen Kirche St. Peter, wurde in der evangelischen Kreuzkirche fortgesetzt und endete in der islamischen Moschee. In allen drei Gotteshäusern wurde auf unterschiedliche Weise das «Ge- meinsame Gebet» gesprochen, das im September 2007 veröffentlicht wurde. Während in der katholischen Kirche alle Gläubigen zusammen sprachen, beteten in der Kreuzkirche die vier Geistlichen Roman Giger (Katholiken), Christoph Casty, Greet Egli (Reformierte) und Bekim Alimi (Muslime) abschnittsweise laut vor, während die Gemeinde im Stillen mitsprach. In der Moschee wurde – nachdem alle Menschen im gleichen Raum zuerst Zeuge werden durften, wie die Muslime das letzte Gebet des Tages verrichten – von vier Gläubigen der drei Religionen das Gedicht noch einmal gemeinsam gebetet.

Nicht nur im Gebet waren die Menschen vereint, auch in der Diskussion. So wurde offensiv die Auslegung der Zehn Gebote angegangen, indem die Worte der Heiligen Schriften verglichen wurden. «Wir sollten unsere Blicke vermehrt auf das richten, was die Religionen verbindet», sagte Giger. Casty betonte, dass die Zehn Gebote in beiden Religionen nur einem Zweck dienten: «Uns wurden diese Worte geschenkt, damit wir es im Leben gut miteinander haben». Doch es gibt Unterschiede. Auf einen machte Iman Bekim Alimi aufmerksam: In der Sure 17, 33 wird das absolute Tötungsverbot des Alten Testaments abgeschwächt, indem der Koran bei bestimmten Umständen Rache erlaubt. «Ich finde es gut, dass immer mehr islamische Länder darauf verzichten. Ich hoffe, dass auch Saudi-Arabien und der Iran dies bald einmal tun werden.»

Christof Lampart

redaktion@wilerzeitung.ch