FLAWIL: Grenzerfahrung an Landesgrenze

Die Flawiler Paul Gehrig und Irene Pappa haben mit dem Mountainbike die Schweizer Grenze abgefahren. Um der Route treu zu bleiben, haben sie ihr Bike auch auf den Schultern getragen. Sie wollten schon immer etwas Verrücktes machen.

Jolanda Riedener
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Flach wie im Rheintal präsentierte sich die Schweiz den Flawilern Paul Gehrig und Irene Pappa nicht überall: 8000 Höhenmeter galt es zu bewältigen. (Bild: Urs Bucher)

Flach wie im Rheintal präsentierte sich die Schweiz den Flawilern Paul Gehrig und Irene Pappa nicht überall: 8000 Höhenmeter galt es zu bewältigen. (Bild: Urs Bucher)

FLAWIL. Ihre Grenzen haben Irene Pappa und Paul Gehrig ausgelotet. Mit dem Mountainbike bewältigten sie während der Sommermonate innerhalb eines Jahres 80 000 Höhenmeter und legten 2600 Kilometer zurück. Ihr Ziel haben sie nun erreicht: Die Schweizer Grenze mit dem Bike abzufahren.

Teerstrassen: Nein, danke!

An die Route stellte das Paar hohe Ansprüche: Möglichst nahe der Landesgrenze entlang sollte sie führen, wann immer möglich auf einem Singletrail, einem Alp- oder einem Forstweg. Teerstrassen wollten sie vermeiden. Um ihr Ziel zu erreichen, nahmen sie ihr Bike für längere Aufstiege auf die Schultern. «Wanderer schauten uns dann mit grossen Augen an», sagt die 48jährige Irene Pappa. «Als jemand am Tessiner Passo de Balniscio ein Foto von uns machte, kamen wir uns sogar in der Schweiz exotisch vor.» Mit den Bergen sind die beiden vertraut: Im Winter geniessen sie die schneebedeckte Berglandschaft auf Skitouren. Auch Klettern und Hochgebirgstouren gehören zu ihren Hobbies. «Schwierige Wanderpfade mit dem Velo auf dem Rücken zu begehen, war dennoch eine Erfahrung für sich: ein Sturz hätte hier fatale Folgen haben können», sind sich die beiden einig.

An äusserste Grenzpunkte

«Die Planung der Tour hatte viel Zeit beansprucht», erinnert sich der 63jährige Paul Gehrig. Er recherchierte im Internet, sah sich Flugaufnahmen und Landeskarten an, berechnete Routenabschnitte. Die 48 Tagesetappen planten sie während der Ferien und an freien Tagen. Manchmal legten sie auf mehreren Etappen hintereinander 2000 Höhenmeter und bis zu 60 Kilometer zurück.

Als Zwischenziele nahm sich das Paar die äussersten Grenzpunkte der Schweiz vor. Als erstes besuchten sie den nördlichsten Grenzstein bei Bargen im Kanton Schaffhausen. Danach führte die Tour via Basel nach Westen. An der Rhone bei Chancy kamen sie zum westlichsten Punkt der Schweiz. Bei Pedrinate im Tessin erreichten sie den südlichsten Grenzpunkt. «Die Etappen der gebirgigen Grenze des Kantons Graubündens entlang waren die anstrengendsten», sagt Gehrig rückblickend. Auf dem Piz Chavalatsch erreichten sie schliesslich auf 2763 Metern über Meer den östlichsten Grenzstein.

Sturz und heftige Gewitter

Nach der letzten Etappe am vergangenen Dienstag fühlt sich das Paar aus Flawil müde, aber glücklich. Es ist ein sonniger Sommertag. «Jetzt haben wir vor allem Durst.»

Auf ihrer Tour jedoch war das Wetter nicht immer so schön wie am letzten Tag. «In der Sonnenstube der Schweiz hat es uns am schlimmsten erwischt», erzählt Pappa. Beim Monte Generoso, auf einer Etappe im Tessin, waren sie gar einem heftigen Gewitter ausgesetzt. «Die Bergwege sind schmierig wie Seife», sagt Gehrig. «Ein Sturz liess sich schliesslich nicht vermeiden: Zum Glück ohne Folgen.»

Biker der ersten Stunde

Physisch vorbereitet haben sich die Flawiler nicht speziell: Gehrig fährt seit rund 25 Jahren, Pappa seit 20 Jahren Mountainbike. Die Dozentin an der pädagogischen Hochschulen in Zürich und Schaffhausen fährt mit ihrem Partner, der selbständig im Bereich Weiterbildung und Schulentwicklung tätig ist, oft mit dem Mountainbike in andere Länder. Dabei war die Idee entstanden. «Wir wollten mal etwas Verrücktes machen», sagt Gehrig. Die Sportler entscheiden sich dabei für ihr Heimatland.

Die teilweise unberührte Natur hat Pappa besonders fasziniert: «Die Vielfalt der Schweizer Landschaft beeindruckt mich. Wilde Bergwelten, ruhige Alpseen und phantastische Felsformationen.» Gehrig interessieren historische Handelswege und alte Kriegspfade, die über die Grenze verlaufen. Seine Erlebnisse will er festhalten, in welcher Form das sein wird, weiss er aber noch nicht. Erstmal gönnt sich das Paar etwas Erholung.