Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Wieso zwischen Goldach und Rorschach alle Züge ausfallen: eine Nacht auf der Gleis-Baustelle

Wer dieses Wochenende mit dem Zug nach Rorschach fahren will, muss auf Ersatzbusse ausweichen: Die Zugstrecke ab Goldach ist gesperrt, Arbeiten für den Ausbau der Doppelspur sind im Gang – auch nachts. Das wird laut.
Linda Müntener
Die Spundwände werden eingerammt. (Bild: Rudolf Hirtl)

Die Spundwände werden eingerammt. (Bild: Rudolf Hirtl)

Während im Stadtzentrum die letzten Döner über die Ladentheke gehen, die Lichter gelöscht werden und Rorschach langsam einschläft, beginnt am Stadtbahnhof die Arbeit erst so richtig. Freitag, 22.30 Uhr, Schichtbeginn. Die SBB bauen die heute einspurige Bahnlinie zwischen Goldach und Rorschach Stadt auf 1260 Meter Doppelspur aus – auch nachts.

Der Rorschacher Stadtbahnhof ist seit Wochen eine Baustelle, an diesem Wochenende wird er erstmals komplett gesperrt. Bis Sonntag verkehren keine Züge. Das 50köpfige Team arbeitet in drei Schichten, rund um die Uhr. Mit einer Ausnahme: Wenn am Sonntag die Erstkommunikanten in der benachbarten Kirche feiern, legen die Bauarbeiter eine zweistündige Baupause ein. «So stören wir die Glockenklänge nicht», sagt Oberbauleiterin Kelly Heilmann. Sie sitzt mit Gesamtprojektleiter Kai Gugat im ehemaligen Kindergarten Sonnenweg, der direkt hinter dem Gleis liegt. Hier finden Bausitzungen, Pausen und Lagebesprechungen statt.

Nachtschicht am Stadtbahnhof (Bilder: Rudolf Hirtl)Nachtschicht am Stadtbahnhof (Bilder: Rudolf Hirtl)
19 Bilder

Nachtschicht am Rorschacher Stadtbahnhof: Die Bahnlinie wird ausgebaut

Dann geht's nach draussen. Und es wird laut – sehr laut. Als die Arbeiter die Spundwände beim Bahnhof Stadt einrammen, dröhnt es so heftig, dass einem selbst mit Gehörschutz das Ohr schmerzt. Der Boden vibriert. Das Einsetzen der Spundwände ist Millimeter-Arbeit in Grossformat. Während der Kranführer den Wagen steuert, geben die Kollegen vorne Handzeichen. So lange, bis es passt. «Die erste Wand dauert meist am längsten», sagt einer der Arbeiter. «Danach läuft's.» Weiter vorne haben sich zwei Partygänger aufs Gleis verirrt. «Fährt hier heute kein Zug mehr?»

Busse verkehren als Bahnersatz

Wegen der Bauarbeiten für den Doppelspurausbau ist die Zugstrecke zwischen Goldach und Rorschach Stadt dieses Wochenende gesperrt. Vom Freitag, 24. Mai, ab 21.40 Uhr, bis Sonntag, 26. Mai, fallen im Abschnitt Goldach-Rorschach Stadt-Rorschach alle Züge aus. Für die betroffenen Linien IR13, S2, S3 und S4 verkehren alle 10 bis 15 Minuten Bahnersatzbusse. Die Euro-City-Züge werden umgeleitet und halten nicht in St.Gallen. Die SBB empfehlen, 15 bis 30 Minuten mehr Fahrzeit einzuplanen. Weitere Infos zum Unterbruch finden Sie hier.

Mobile Wände sollen Anwohner vor Lärm schützen

Die Lärmschutzwände werden aufgepumpt und aufgestellt. (Bild: Rudolf Hirtl)

Die Lärmschutzwände werden aufgepumpt und aufgestellt. (Bild: Rudolf Hirtl)

An den Perrons pumpen Arbeiter mobile Lärmschutzwände mit Luft auf. Die Anwohner dürften trotzdem keine ruhige Nacht haben. Einer von ihnen steht rauchend am Gartenzaun und beobachtet das Treiben kritisch. Auch die Polizei schaut in dieser Nacht vorbei – und versichert sich, dass die SBB überhaupt eine Nacht-Bewilligung haben. Gerade weil die Baustelle nahe beim Wohnquartier stattfindet, sind die Arbeiten eine Herausforderung. Die angrenzenden Häuser werden laufend auf eine allfällige Neigung überprüft.

Totalsperren senken die Kosten

Nebst dem Einrammen der Spundwände baut das Team an diesem Wochenende seitliche Winkelgitter zum Schutz des Gleises ein, hängt 400 Meter Fahrleitungsdraht um und gräbt 300 Meter Gleisentwässerung entlang der Bahnstrecke. Ausserdem werden zwei Signale verschoben, bei einem Haus in Gleisnähe wird das Vordach demontiert.

In 82 Nachtschichten wird am Doppelspurausbau gearbeitet. (Bild: Rudolf Hirtl)

In 82 Nachtschichten wird am Doppelspurausbau gearbeitet. (Bild: Rudolf Hirtl)

Dass die SBB dafür die Zugstrecke komplett sperren, hat nicht zuletzt finanzielle Gründe. Im Vergleich zum Bauen in den kurzen Nachtbetriebspausen, senken Totalsperren die Kosten gemäss SBB um 25 bis 30 Prozent. So sind Ende Oktober und Ende November weitere Wochenendsperren vorgesehen. Gesamthaft stehen für den Ausbau 82 Nachtschichten an.

Seit März wird die Eisenbahnstrasse umgebaut. Für Bauarbeiten an den Bahnübergängen werden diese etappenweise gesperrt. (Quelle: SBB/Karte: stb)

Seit März wird die Eisenbahnstrasse umgebaut. Für Bauarbeiten an den Bahnübergängen werden diese etappenweise gesperrt. (Quelle: SBB/Karte: stb)

Ab Juni 2021 wird doppelspurig gefahren

Die Rorschacher müssen sich also an die Baustelle gewöhnen. Die Bauzeit des 40-Millionen-Franken-Projekts ist bis Juni 2021 vorgesehen, die Einweihung des neuen Bahnhofs Stadt ist für Dezember 2021 geplant. Mit dem Ausbau sollen die Kapazitätsengpässe auf der Linie St.Gallen-St.Margrethen entschärft werden und die Ostschweiz wird an den europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehr in Deutschland angeschlossen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.