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Wieso die Raiffeisenbank Engelburg in 100 Jahren nur vier Chefs hatte

Die Raiffeisenbank Engelburg feiert ihr 100-jähriges Bestehen – obwohl es sie eigentlich gar nicht mehr gibt.
Michel Burtscher
Man sieht es dem Gebäude an: Bei der Raiffeisenbank Engelburg ist man in Festlaune. (Bild: Urs Bucher, 19. September 2019)

Man sieht es dem Gebäude an: Bei der Raiffeisenbank Engelburg ist man in Festlaune. (Bild: Urs Bucher, 19. September 2019)

Für die Passanten muss es ein merkwürdiger Anblick gewesen sein: Polizisten, die Gewehre haben sie umgehängt, stehen am Dorfplatz in Engelburg und beobachten, wie Blöcke mit Bankschliessfächern über das Trottoir geschoben werden. Doch die Ordnungshüter schreiten nicht ein – ganz im Gegenteil. Denn dabei handelt es sich nicht um einen Banküberfall, sondern um eine gut bewachte Zügelaktion.

Diese Szene trug sich in den 1990er-Jahren zu, als die Raiffeisenbank Engelburg ihren heutigen Standort bezog. So erzählt es René Isler, von 1991 bis 2019 Leiter ebendieser Bank. Es ist nur eine von vielen Anekdoten in der Geschichte des Geldinstituts. Morgen Samstag feiert die Raiffeisenbank Engelburg ihr 100-Jahr-Jubiläum mit einem grossen Fest – dabei gibt es sie in ihrer früheren Form eigentlich gar nicht mehr.

Als Gaiserwald eine Stickereihochburg war

Die Geschichte der Bank beginnt weniger als ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, gegründet wurde sie am 18. September 1919. Ihre Anfänge reichen indes weiter zurück. In den 1880er-Jahren richtete der Pfarrherr H.H. Wölfle eine Dorfsparkasse ein. Grund dafür war, dass Gaiserwald damals zu einer Hochburg der Stickerei wurde. Zeitweise kam auf knapp sieben Einwohner eine Stickmaschine. «Wo Geld verdient wird, da braucht es eine Bank, um dieses sicher anzulegen», sagt Markus Baumgartner, der letzte Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Engelburg.

Bald schon begann der Niedergang der Stickerei – und aus der Dorfsparkasse wurde eine Raiffeisenbank. Das Gründungsdokument ist auch heute noch in ihrem Besitz. Die Urkunde ist ein bisschen vergilbt, aber gut lesbar. Darauf befindet sich auch die Unterschrift von Drechslermeister und Gemeinderat Emil Krapf, der erster Vorstandspräsident der neuen Bank wurde – und es fast vierzig Jahre lang blieb. So war das immer bei der Raiffeisenbank Engelburg, zumindest in der Führungsetage: Wenn man einmal dort arbeitete, kam man nicht mehr los. In einhundert Jahren gab es nur vier Bankleiter – oder Verwalter, wie sie früher hiessen – sowie fünf Verwaltungsratspräsidenten.

Bank durchlebte schwierige Zeiten

Sonst aber hat sich vieles verändert in dieser Zeit. Früher musste noch zum Verwalter nach Hause, wer seine Bankgeschäfte erledigen wollte. Heute kann man die Bank in der Hosentasche mittragen – als App auf dem Smartphone. Dazwischen waren die Zeiten nicht immer einfach. Von Krisenjahren, Arbeitslosigkeit und einem harten Verdrängungskampf in der Bankenbranche wird berichtet.

Doch die Raiffeisenbank blieb – wenn auch nicht immer an der gleichen Adresse, wie die Anekdote mit der Zügelaktion zeigt. Und sie war äusserst wichtig für das Dorf: Als ortseigenes Geldinstitut habe die Raiffeisenbank Engelburg viel zur Entwicklung und zum Wachstum von Engelburg und damit der Gemeinde Gaiserwald beigetragen, schrieb der ehemalige Gemeindeammann Martin Gehrer einmal.

Ängste wegen Zusammenschluss

Die Bank ist verankert im Dorf, das merkt man. Und das zeigte sich auch bei der letzten Mitgliederversammlung, als entschieden werden musste, ob man mit Abtwil und Winkeln zur Raiffeisenbank Regio St. Gallen West fusionieren – und damit die Eigenständigkeit verlieren – will. Gemeinsam sei man besser gerüstet für die Zukunft, war das Argument für den Zusammenschluss. Doch die Versammlung war emotional.

Es habe Ängste gegeben, dass Engelburg nach der Post auch die Bank verlieren könnte, sagt René Isler. Trotzdem stimmte die Mehrheit der Mitglieder der Fusion zu. Offiziell vollzogen wurde sie im Juni.
Laut Rosita Kühne, Verwaltungsratspräsidentin der Raiffeisenbank Regio St. Gallen West, will man sich auch künftig an den Bedürfnissen der Genossenschafter in Engelburg ausrichten. «Die Nähe zu den Kunden bleibt zentral», sagt sie.

Die Fusion muss jetzt noch fertig umgesetzt werden, indem beispielsweise das Backoffice an einem Ort konzentriert wird. Ziel sei, so sagen die Verantwortlichen, dass die Kunden gar nicht merken, dass es die Raiffeisenbank Engelburg eigentlich nicht mehr gibt, sondern sie nun ein «wichtiger Teil einer grösseren Bank» ist.

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