Wieder keine Fussspuren der Haselmaus in St.Gallen gefunden

Die Aktion Stadtwildtiere hat im vergangenen Sommer tierischen Haselnuss-Liebhabern nachgespürt. Mit gemischtem Erfolg: Ein Nachweis der Haselmaus gelang nicht, dafür wurde die Zahl der Nachweise etwa für Siebenschläfer und Eichhörnchen markant verbessert.

Reto Voneschen
Hören
Drucken
Teilen
Die Aktion Stadtwildtiere spürte im Sommer 2019 der Haselmaus in der Stadt St.Gallen nach.

Die Aktion Stadtwildtiere spürte im Sommer 2019 der Haselmaus in der Stadt St.Gallen nach.

Bild: PD

Zum Verbreitungsgebiet der Haselmaus gehört grundsätzlich das ganze Schweizer Mittelland. Die kleinen Nager sind allerdings von jeher selten und in den vergangenen Jahren vermutlich aufgrund des Lebensraumverlustes eher noch seltener geworden. Mindestens deuten Forschungsresultate aus Grossbritannien darauf hin.

Für Stadt und Region St.Gallen fehlt bisher der Nachweis von Haselmäusen vollständig. Hinweise, dass sie in unserer Gegend vorkommen, liegen aus Herisau vor 2008 sowie aus Amriswil vor und nach 2008 vor. Das wollte die Aktion Stadtwildtiere im Sommer 2019 mit einem zweiteiligen Programm ändern.

Freiwillige und Schulklassen im Einsatz

Im Rahmen des Jahresprogramms wurde in St.Gallen mit Spuren­tunnels – das sind mit Stempelkissen und Spezialpapier bestückte Röhren, in denen Kleinsäuger ihre Spuren hinterlassen – von Freiwilligen an 76 Standorten während 2090 Einsatztagen nach Tieren geforscht, die sich gerne von Haselnüssen ernähren. Im Herbst suchten Freiwillige und Schulklassen nach Haselnussschalen, die von diesen Tieren geknackt worden sind: Dabei kamen 1289 Nüsschen mit Nagespuren zusammen. Die Spuren aus den Tunnels und an den Nussschalen wurden von Fachleuten analysiert.

Eichhörnchen kommen in der Stadt St.Gallen ziemlich flächendeckend vor. Das belegt einmal mehr die Analyse von Spuren in sogenannten Spurentunnels und an geknackten Haselnüssen durch die Aktion Stadtwildtiere.

Eichhörnchen kommen in der Stadt St.Gallen ziemlich flächendeckend vor. Das belegt einmal mehr die Analyse von Spuren in sogenannten Spurentunnels und an geknackten Haselnüssen durch die Aktion Stadtwildtiere.

Bild: PD

Das Resultat ist einerseits etwas ernüchternd: Der Nachweis von Haselmäusen gelang wieder nicht. Zwar wurden in einer Hecke in Bruggen Haselnüsse gefunden, die allenfalls von Haselmäusen geknackt worden sind. Dieser Verdacht liess sich aber durch den Einsatz von Spurentunnels nicht verifizieren. Dass die Tierchen hier vorkommen könnten, lässt sich damit noch nicht hundertprozentig ausschliessen; klar ist aber, dass sie in St.Gallen sehr selten sind.

Kenntnisse über Siebenschläfer und Eichhörnchen verbessert

Auf der positiven Seite lieferte das Programm 2019 der Aktion Stadtwildtiere viele Hinweise auf andere Nager in der Stadt. Die Verbreitungskarten insbesondere von Eichhörnchen und Siebenschläfer konnten massiv verbessert werden. So lässt sich durch Spurtunnels, geknackte Haselnüsse und Beobachtungseinträge auf der Stadtwildtiere- Da­tenbank belegen, dass Eichhörnchen flächendeckend vorkommen. Sie sind sogar im Stadtzentrum zu finden.

Zwei Siebenschläfer schauen aus einer Baumhöhle.

Zwei Siebenschläfer schauen aus einer Baumhöhle.

Bild: PD

Die sicheren Nachweise für den Siebenschläfer konnten durch die Spurentunnels und die Haselnussjagd zahlenmässig von bisher fünf auf 19 markant erhöht werden. Diese possierlichen Tierchen kommen vor allem im Sittertobel und im Nordosten der Stadt vor. Dort, wo intensiv Landwirtschaft betrieben wird, weist das Vorkommen nicht ganz überraschend Lücken auf.

Vielfalt erhalten und Sträucher richtig pflegen

Aus der Suche nach den Nussfressern lassen sich Rückschlüsse auf die Anforderungen an natürliche Lebensräume ableiten. Eichhörnchen, Siebenschläfer sowie Hasel- und anderen Mäuse brauchen Lebensräume mit vielfältigen Hecken- und Baumbeständen, die gut miteinander vernetzt sind. Sie sind zu jeder Jahreszeit auf ein reichhaltiges Futterangebot angewisen: im Frühling auf Triebe und Knospen, im Sommer auf Beeren und Früchte, im Herbst auf Nüsse und Samen.

Dieser Erkenntnis, so heisst es im Schlussbericht, müsse bei der baulichen Verdichtung wie auch bei Nutzung und Pflege der Siedlungsränder sowie der Landwirtschaftsgebiete Rechnung getragen werden. Es brauche dort genügend Haselsträucher, die aber auch so gepflegt werden müssten, dass sie tatsächlich Nüsse trügen.

Zur Aktion Stadtwildtiere im Internet.

2019 hat die Aktion Stadtwildtiere in St.Gallen auch einen Fotowettbewerb durchgeführt. Rund 170 Bilder, die vom 1. Januar bis zum 30. September eingingen, wurden beurteilt. Der Jurypreis ging dabei an Robert Gasser für das Bild eines Dachses auf einer Hausterrasse.

2019 hat die Aktion Stadtwildtiere in St.Gallen auch einen Fotowettbewerb durchgeführt. Rund 170 Bilder, die vom 1. Januar bis zum 30. September eingingen, wurden beurteilt. Der Jurypreis ging dabei an Robert Gasser für das Bild eines Dachses auf einer Hausterrasse.

Bild: Stadtwildtiere SG

Wettbewerb

170 Fotos wilder Stadttiere eingereicht

(vre) Seit 2015 führt Stadtwildtiere für St.Gallen eine Datenbank, in der Sichtungen von Wildtieren erfasst werden. Bis jetzt sind dort über 1700 Beobachtungen notiert. Ob Fuchs, Igel, Blindschleiche, Kröte oder Mauersegler: Die Vielfalt der Wildtiere in St.Gallen ist gross. Die von der Aktion gesammelten Daten vervollständigen das bisher bruchstückhafte Wissen über ihr heimliches Leben in der Stadt.

Festgehalten werden die Beobachtungen in der Stadtwildtiere-Datenbank in einer Landkarte. Dazu besteht die Möglichkeit, Fotos hochzuladen. Die 170 Bilder, die vom 1. Januar bis zum 30. September 2019 eingegangen sind, wurden durch eine Jury und das Publikum bewertet. Die Sieger stehen fest. Sie werden jetzt am 4. März, 19 Uhr, im Naturmuseum an der Vernissage einer Ausstellung mit den besten Wettbewerbsbeiträgen geehrt.

Der Publikumspreis des St.Galler Fotowettbewerbs der Aktion Stadtwildtiere ging an Franz Blöchlinger für die beiden spielenden Rehe auf einem Spielplatz im Gebiet Stocken.

Der Publikumspreis des St.Galler Fotowettbewerbs der Aktion Stadtwildtiere ging an Franz Blöchlinger für die beiden spielenden Rehe auf einem Spielplatz im Gebiet Stocken.

Bild: Stadtwildtiere SG
Mehr zum Thema