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Wie vor 100 Jahren St.Gallen entstand: Auf den Spuren eines Jubiläums

Vor 100 Jahren fusionierten die alte Stadt St.Gallen sowie ihre Vororte Straubenzell und Tablat zu Gross-St.Gallen. Statt zu neuer Grösse ging’s mit der Stadt dann allerdings zuerst einmal bergab. Ein Buch zum St.Galler Schicksalsjahr 1918 ist erschienen. Und am Wochenende gibt's zwei Führungen dazu. Eine Ausstellung ist aber nicht in Sicht.
Reto Voneschen
Das verschneite St.Gallen auf einer Luftaufnahme von Foto Gross im Jahr 1956. Vorne ist der Osten der Stadt - mit Fussballstadion Krontal links und Fussballstadion Espenmoos in der Mitte) - zu erkennen. Hinter der ehemaligen Gemeinde Tablat kommt das Stadtzentrum, die alte Stadt St.Gallen. Und im Westen sind als Haufendörfer links und rechts des Sittergrabens Bruggen und Winkeln noch zu erahnen. (Bild: Stadtarchiv Ortsbürgergemeinde St.Gallen/Sammlung Foto Gross)

Das verschneite St.Gallen auf einer Luftaufnahme von Foto Gross im Jahr 1956. Vorne ist der Osten der Stadt - mit Fussballstadion Krontal links und Fussballstadion Espenmoos in der Mitte) - zu erkennen. Hinter der ehemaligen Gemeinde Tablat kommt das Stadtzentrum, die alte Stadt St.Gallen. Und im Westen sind als Haufendörfer links und rechts des Sittergrabens Bruggen und Winkeln noch zu erahnen. (Bild: Stadtarchiv Ortsbürgergemeinde St.Gallen/Sammlung Foto Gross)

1918 wurden die Fundamente dessen gelegt, was wir heute als Stadt St.Gallen kennen. Vorher gab’s auf dem heutigen Stadtgebiet drei politische Gemeinden: die alte Stadt St.Gallen zwischen Kreuzbleiche und Kantonsspital, Straubenzell westlich davon und Tablat im Osten. In einem langen Prozess, der bis in die 1890er-Jahre zurückreichte und bei dem schier endlos diskutiert wurde, schlossen sich die drei Gemeinden schliesslich am 1. Juli 1918 zusammen.

Wobei es fast zu einer Vierer-Hochzeit gekommen wäre: Das Bauerndorf Wittenbach kam mit seinem Begehren, sich dem neuen Gross-St. Gallen auch noch anschliessen zu dürfen, aber etwas zu spät und wurde auf später vertröstet. Was heute einige angesichts der Wachstumsprobleme von St.Gallen als Fehler einstufen.

Textilblüte geht definitiv zu Ende

1918 war fürs heutige St.Gallen nicht nur wegen der Stadtverschmelzung ein Schicksalsjahr. Das Ende des Ersten Weltkriegs, die spanische Grippe, der Landesstreik brachten Veränderungen mit sich. Für die Gallusstadt war’s nicht zuletzt auch eine wirtschaftliche Wende.

Das erste «Dorf» der politischen Gemeinde Straubenzell war vor 1918 Lachen-Vonwil. Im Bild Stossverkehr mit Fussgängern, Fuhrwerk und Tram auf der Zürcher Strasse irgendwann zwischen 1910 und 1920. (Bild: Stadtarchiv Ortsbürgergemeinde St.Gallen)

Das erste «Dorf» der politischen Gemeinde Straubenzell war vor 1918 Lachen-Vonwil. Im Bild Stossverkehr mit Fussgängern, Fuhrwerk und Tram auf der Zürcher Strasse irgendwann zwischen 1910 und 1920. (Bild: Stadtarchiv Ortsbürgergemeinde St.Gallen)

Die Textil- und Stickereiindustrie, die nach den Jahrzehnten des Booms schon unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs gekriselt hatte, brach in den 1920er Jahren endgültig zusammen. Zentrale Aufgaben der Behörden der frisch vereinigten Stadt lagen daher im Bereich der Sozialpolitik. Endgültige erholte sich die Stadt von diesem Tiefschlag erst wieder nach dem Zweiten Weltkrieg.

Reiche Stadt als «gute Partie» für Landgemeinden

Das Wappen der Gemeinde Straubenzell. (Bild: PD)

Das Wappen der Gemeinde Straubenzell. (Bild: PD)

Während heute die Zentrumsstadt St.Gallen nach Partnern für eine Gemeindefusion Ausschau hält und sich alle «potenziellen Bräute» verweigern, waren die Bemühungen zur Stadtverschmelzung 1918 von den Vorortsgemeinden ausgegangen.

Während St.Gallen durch den Textilboom reich wurde, gerieten Straubenzell und Tablat dadurch langsam aber sicher in Not. Während in der Stadt die gut betuchten Textilindustriellen und Handelsherren steuerpflichtig waren, liessen sich im Westen und Osten vor allem Arbeiterinnen und Arbeiter nieder, darunter viele aus dem Ausland.

Kein Geld für grosse Infrastrukturaufgaben

Das Wappen der Gemeinde Tablat. (Bild: PD)

Das Wappen der Gemeinde Tablat. (Bild: PD)

Die Bevölkerungszahlen der beiden Gemeinden wuchsen nach 1900 rasant an, nämlich um bis zu acht Prozent pro Jahr. Von 1900 bis 1910 nahm die Einwohnerzahl in den Vororten insgesamt um 79 Prozent zu. Das machte grosse Infrastrukturprojekte nötig, für die aber zunehmend das Geld fehlte.

1910 lebten in Straubenzell 15'234 und in Tablat 21'691 Personen. In den Grenzen der alten Stadt St.Gallen waren es gemäss der Stadtgeschichte von Ernst Ehrenzeller nochmals 37'657 Personen.

Wo bleibt die Ausstellung zum Schicksalsjahr 1918?

Die Stadt feiert ihr Schicksalsjahr 1918 heuer in der Publikation «1918 – 2018: Vereinigte Stadt – getrennte Gewalten». Eine Überraschung ist, dass keine Ausstellung über lokale Ereignisse von 1918 in städtischen Museen auf dem Programm steht – anders als zum Kriegsausbruch 1914 beispielsweise.

Das Zentrum der politischen Gemeinde Tablat im Osten war St.Fiden. Im Bild Friedhof, Kirche und am rechten Bildrand das Gemeindehaus. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Das Zentrum der politischen Gemeinde Tablat im Osten war St.Fiden. Im Bild Friedhof, Kirche und am rechten Bildrand das Gemeindehaus. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Etwas in die Bresche springt jetzt der Europäische Denkmaltag vom Wochenende. Er bietet wenigstens Gelegenheit, auf zwei je 90-minütigen Spaziergängen etwas Luft aus Alt-Straubenzell und Alt-Tablat zu schnuppern.

Fotos, Führungen und Spaziergänge

Die öffentlichen Anlässe zu den Europäischen Tagen des Denkmals finden in der Stadt St.Gallen am kommenden Wochenende statt. Der Startschuss fällt am Freitag, 17.30 Uhr, in der Mülenenschlucht mit der Vernissage einer Fotoausstellung.

Die kantonale Denkmalpflege hat zum diesjährigen Tag des Denkmals einen Wettbewerb ausgeschrieben. Gesucht wurden Bilder zum Stichwort «Industriearchitektur». Die zehn besten sind ab diesem Samstag bis Sonntag, 7. Oktober, in der Mülenenschlucht zwischen der südlichen St.Galler Altstadt und St.Georgen ausgestellt.

Am Samstag und Sonntag, je 11 und 14 Uhr, bietet das Kunstmuseum Architekturführungen durch seine Gebäude im und am Stadtpark an. An beiden Tagen ist zudem der Eintritt ins Kunstmuseum gratis. Am Sonntag, 13 Uhr, gibt’s zudem noch eine öffentliche Führung durch die Ausstellung von Nina Canell. Anmeldung zu den Führungen ist erwünscht unter info@kunstmuseumsg.ch.

Am Samstag präsentiert die städtische Denkmalpflege auf einem Spaziergang zuerst die Brückenlandschaft im Sittergraben. Start ist um 14 Uhr bei der «Hüslibrücke» in der Spisegg, Ende um etwa 16 Uhr im Kubel.

Auch auf Einladung der städtischen Denkmalpflege kann man am Sonntag auf zwei Führungen die Gemeinden kennen lernen, die 1918 mit der alten Stadt St.Gallen zu Gross-St.Gallen fusioniert haben. Am Vormittag wird auf den Spuren von Straubenzell gewandelt. Start ist um 10 Uhr an der VBSG-Endhaltestelle Riethüsli, Ende um etwa 11.30 Uhr auf der anderen «Talseite» am Höhenweg 33.

Am Nachmittag wird Tablat erkundet: Treffpunkt dafür ist um 13.30 Uhr an der Bushaltestelle Leimat an der Peter-und-Paul-Strasse. Ziel ist das Familienbad Dreilinden auf dem gegenüberliegenden Hügelzug. (vre)

Programm Denkmalpflegetag Region St.Gallen

www.kunstmuseumsg.ch

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